Jimdo erhält Millionenfinanzierung

Große Klötze für die Baukasten-Macher

Es ist der nächste Erfolg für ein deutsches Start-up: Jimdo hat von einem US-Investor 25 Millionen Euro eingesammelt. Die Macher des Homepage-Baukastens wollen damit im Ausland wachsen. Nötig hatten sie das Geld nicht.
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Das Start-up hat 25 Millionen Euro von einem US-Investor erhalten.
Jimdo-Büros in Hamburg

Das Start-up hat 25 Millionen Euro von einem US-Investor erhalten.

HamburgJimdo ist ein ungewöhnliches Start-up. Auf fremdes Geld waren die Gründer nicht angewiesen, sieht man von 500.000 Euro Anschubfinanzierung ab. Das Wachstum finanzierten sie aus eigenen Mitteln. Als die Macher des Homepage-Baukastens 2012 eine zweistellige Millionensumme in Aussicht hatten, lehnten sie ab. Die Eigenständigkeit war ihnen wichtiger.

Nun hat sich das Hamburger Unternehmen doch auf eine Finanzierungsrunde eingelassen – und zwar eine üppige: Der amerikanische Risikoinvestor Spectrum Equity stellt 25 Millionen Euro zur Verfügung. Er bekommt dafür nach Medienberichten gut ein Viertel der Anteile und taxiert Jimdo auf knapp 94 Millionen Euro. Es sei der richtige Zeitpunkt, um „noch größere Chancen für unser Produkt und den Markt zu ergreifen“, erklärte Mitgründer Matthias Henze am Montag. Das Geld soll in die Entwicklung und ins Marketing fließen.

Jimdo bietet einen Baukasten an, mit dem Nutzer ohne Programmierkenntnisse Websites und Online-Shops erstellen können. Seit der Gründung 2007 sind 15 Millionen Webseiten damit erstellt worden.

Dank Büros in San Francisco und Tokio ist das Unternehmen international vertreten. Zu den Finanzen äußert sich das Start-up nur zurückhaltend, es war aber nach eigenen Angaben bereits 2009 profitabel. Nach den aktuellen verfügbaren Zahlen aus dem Handelsregister machte die Firma 2012 knapp 9,5 Millionen Euro Umsatz und verdreifachte damit das Ergebnis aus dem Vorjahr. Zu den Konkurrenten zählen Squarespace und Weebly, aber auch Blog-Portale wie Tumblr.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Die Investition steht für einen Trend: Deutsche Start-ups werden für ausländische Firmen immer attraktiver. So hat Microsoft 6Wunderkinder mit seiner Produktivitäts-Apps übernommen, Apple hat Metaio mit seiner Augmented-Reality-Technologie gekauft. Auch Risikokapitalgeber aus den USA werden zunehmend in Deutschland aktiv. Für Spectrum Equity ist es die erste Beteiligung hier. Bislang hat die Firma aus Boston unter anderem die Powerpoint-Alternative Prezi und das Umfrage-Portal Survey Monkey unterstützt.

Die Eigenständigkeit ist den Jimdo-Gründern übrigens auch heute noch wichtig – und sie ist auch mit dem neuen Investor nicht in Gefahr: Sie behalten immer noch die Mehrheit am Unternehmen.

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