Journalistisches Konzept besser auf europäische Bedürfnisse ausgerichtet
Euronews überrundet CNN in Europa

Der Nachrichtenkanal Euronews lässt den US-Konkurrenten CNN immer weiter hinter sich. Ein Plus für Euronews: Während CNN, Tochter des Medienkonzerns Time Warner, sein Programm nur in Englisch ausstrahlt, setzt Euronews auf Mehrsprachigkeit.

HB DÜSSELDORF. „Wir erreichen täglich Millionen von Zuschauer mehr als CNN“, sagte Philippe Cayla, Präsident von Euronews, dem Handelsblatt. Im ersten Quartal hatte der Sender nach Angaben der europäischen Wirtschaftsinitiative Eureka fast acht Millionen Zuschauer pro Tag über Satellit, Kabel und Antenne in Europa. CNN pendelte in Europa um zwei Millionen. Auch bei der Zahl der erreichten Haushalte hat der europäische Nachrichtenkanal die Nase vorn. Im zweiten Quartal dieses Jahres erreichte Euronews nach eigenen Angaben 164 Millionen Haushalte in Europa, CNN kam lediglich auf 117 Millionen.

Der im französischen Lyon ansässige Kanal wird von 18 öffentlich-rechtlichen Sendern betrieben. Die größten Anteilseigner sind France Televisions, die italienische RAI, die spanische TVE und die russische RTR.

„Einer der Gründe für unseren Markterfolg ist, dass die Zuschauer die Nachrichten in ihrer Muttersprache verfolgen können“, sagt Cayla. Euronews sendet in sieben Sprachen, darunter Englisch, Spanisch, Russisch und Deutsch.

Ein weiterer Grund für den Aufstieg von Euronews ist offenbar die kritische Grundstimmung gegenüber den USA. „Unsere journalistische Linie kommt derzeit besser an“, sagt Cayla. Gleichzeitig kann sich Euronews auch der Infrastruktur seiner vielen Gesellschafter bedienen; CNN verfügt in Europa nur über ein dünnes Korrespondentennetz. CNN war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Nun nimmt Euronews verstärkt Deutschland ins Visier. „Wir prüfen die Möglichkeit eines deutschen Programmfensters“, sagt Cayla. Details zu einem eigens für Deutschland produzierten Programmfenster wollte der Euronews-Chef nicht nennen.

Der Sender ist seit zwei Jahren profitabel. In diesem Jahr erwartet Cayla einen Umsatzanstieg auf 37 Mill. Euro. Der Gewinn belief sich 2004 auf 1,5 Mill. Euro. CNN hatte sein deutsches Nachrichtenfenster vor Jahren eingestellt. Darüber hinaus sind die Amerikaner zusammen mit der Bertelsmann-Tochter RTL an N-TV beteiligt. Der Nachrichtenkanal schreibt seit Jahren rote Zahlen. „Wir werden die Verluste in diesem Jahr sehr deutlich reduzieren“, sagte gestern ein N-TV-Sprecher. Die Gewinnzone werde beinahe erreicht. Allerdings baut der profitable Konkurrent N 24, Tochter des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1, seinen Vorsprung aus. Im Oktober erzielte N 24 in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 0,8 Prozent. N-TV kam auf 0,5 Prozent, Euronews nur auf 0,1 Prozent.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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