Jubiläum
Die erste Zeitung ist 400 Jahre alt

Im Jahr 1605 kam im damals deutschen Straßburg die erste Wochenzeitung mit dem Titel „Relation“ aus der Druckmaschine. Der Herausgeber wollte die Ausgaben seiner Zeitung nicht länger mit der Hand schreiben, um sein Blatt günstiger anbieten können.

HB HAMBURG. Die schriftliche Eingabe an den Stadtrat, mit der sich der Verleger Johann Carolus gegen den Nachdruck seiner Blätter durch andere Drucker wandte, gilt als „Geburtsurkunde“ der gedruckten Zeitung. Sie ist im Original vom 9. Juli an im Gutenberg-Museum in Mainz im Rahmen einer großen Ausstellung zu sehen, mit der die deutschen und internationalen Zeitungsverleger das Jubiläum begehen.

Ausstellungskurator Martin Welke hatte die Urkunde vor 18 Jahren im Straßburger Stadtarchiv entdeckt und konnte so das bis dahin gültige Geburtsjahr der Zeitung von 1609 auf 1605 korrigieren. Diese Datierung hat inzwischen auch der Weltverband der Zeitungen (WAN) akzeptiert. WAN-Generaldirektor Timothy Balding, der in Mainz zur Ausstellungseröffnung erwartet wird, sieht den Zeitungspionier Carolus schon vor 400 Jahren mit Problemen konfrontiert, die noch heute aktuell sind: dem Kampf um Urheberschutz und strategischen Überlegungen zu Preis und Auflage.

Der deutschen „Relation“ folgten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts schnell weitere regelmäßig und häufig erscheinende Publikationen. Die technische Voraussetzung hatte Johannes Gutenberg bereits 1447 mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern geschaffen. So kam in Belgien 1616 „Nieuwe Tijdingen“ heraus, in Frankreich 1631 die „Gazette“, in England 1665 die noch heute erscheinende „London Gazette“. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erschienen allein in 70 deutschen Städten Wochenblätter mit Nachrichten aus aller Welt.

Die erste Tageszeitung brachte ein Verleger 1650 in Leipzig heraus, ihr Name: „Einkommende Zeitungen“. Inhaltlich boten die Zeitungen vor allem einen Blick über den Horizont der eigenen Stadtmauern hinaus. Dagegen waren brisante Vorgänge in der Heimat vielfach tabu: Die staatliche Zensur sorgte dafür, dass nichts verbreitet wurde, was zu einer Stärkung oppositioneller Tendenzen hätte führen können. So berichteten britische Blätter über militärische Fehlschläge der Franzosen, während französische Gazetten den neuesten Skandal im englischen Königshaus verbreiteten.

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