Jubiläum
Ebay: Reformen zum zehnten Geburtstag

Zum zehnten Jubiläum ist der Online-Marktplatz Ebay unter Handlungsdruck, denn die Konkurrenz wird stärker. Weitere Neuerungen auf der deutschen Plattform sollen deshalb helfen, die Kunden bei der Stange zu halten. Neu ist unter anderem eine Seite mit einer Art Artikel des Tages. Auch die Sicherheit soll verbessert werden.

DÜSSELDORF. Zum zehnten Jubiläum baut die Shopping-Plattform Ebay in Deutschland ihr Festpreis-Angebot weiter aus. Ab sofort wird auf der neu eingerichteten Seite "Wow!" jeden Tag ein Artikel eines ausgewählten Händlers zum Festpreis angeboten, und zwar "zu besonders günstigen Preisen", wie das Unternehmen verspricht. Geplant seien außerdem Kooperationen mit Herstellern. Sie können künftig über eigene Markenshops auf Ebay ihre Waren anbieten, um etwa Restposten an den Mann zu bringen.

Dies kündigte der Geschäftsführer von Ebay Deutschland, Frerk-Malte Feller, am Donnerstag an. "Wir sind in den vergangenen 18 Monaten einen sehr konsequenten Weg zu mehr Kundenzufriedenheit gegangen. Und diesen Weg werden wir weiter fortführen", sagte er im Interview mit Handelsblatt.com.

Außerdem plant Ebay, die Rückgabe von gekauften Artikeln zu vereinfachen. Dies soll künftig direkt über die Ebay-Plattform gehen, wo die einzelnen Schritte dokumentiert werden. Der Verkäufer soll dann seine gezahlte Verkaufsprovision automatisch zurückerhalten. Geplanter Start des neuen Systems ist Mitte Juni.

Um die Zahlungen sicherer zu machen, erweitert Ebay außerdem bei seinem Bezahlsystem Paypal die Funktionsweise des so genannten Sicherheitsschlüssels - einem kleinen Gerät, das zum Einloggen einen Zahlencode generiert. Diese Zahlenkombination soll es ab sofort kostenlos per SMS aufs Handy geben.

Ebay-Chef Feller verspricht sich durch die Neuerungen Vorteile gegenüber der Konkurrenz. "In diesem harten Wettbewerb gewinnt der, der weiß, was die Kunden morgen wollen", sagte er Handelsblatt.com.

Ebay Deutschland, 1999 in einem Berliner Hinterhof als alando.de gegründet und später von den Amerikanern übernommen, hat sich mit den Jahren von einem Online-Auktionshaus zu einer bunten Shopping-Plattform entwickelt. Inzwischen gibt es ähnliche viele Festpreis-Angebote wie Versteigerungen. Dies bringt dem Unternehmen auch Kritik ein: Viele Nutzer vermissen den Flohmarkt-Charakter der ersten Jahre.

Das Jubiläum feiert der deutsche Ableger mit seinen 14,5 Millionen aktiven Mitgliedern in einem denkbar schlechten Umfeld. Die Konzernmutter im kalifornischen San José hatte vor kurzem ernüchternde Zahlen vorgelegt. Zum ersten Mal in der Konzerngeschichte war das Weihnachtsgeschäft zurückgegangen. Der Gewinn brach um ein Drittel auf 367 Mio. Dollar ein, der Umsatz um sieben Prozent auf rund zwei Mrd. Die Nutzerzahlen sind ebenso rückläufig wie das Volumen der verkauften Artikel. Die Konkurrenz durch den Online-Handelsriesen Amazon auf der einen und kleinere Nischen-Auktionshäuser auf der anderen macht Ebay zu schaffen.

In Deutschland allerdings ist man laut Feller mit dem Geschäft "sehr zufrieden". Zahlen werden nicht veröffentlicht. Um die Kunden zu halten, hatte der Platzhirsch unter den deutschen Shopping-Portalen bereits im vergangenen Jahr sein Geschäftsmodell mehrfach verändert. So entfiel etwa die Angebotsgebühr für Auktionsartikel, die Provision wurde dafür teilweise erhöht.

Außerdem änderte Ebay das Bewertungssystem: Profi-Anbieter dürfen die Käufer seitdem nicht mehr beurteilen, umgekehrt ist das jedoch weiterhin möglich. Dies verärgerte besonders die so genannten Powerseller. Sie fürchten Rache-Bewertungen von säumigen Käufern. "Man hat seinen Status als Powerseller schnell verloren, selbst wenn man sich zu Unrecht schlechte Bewertungen einfängt", sagt etwa ein Münchener Powerseller, der für Kunden Artikel bei Ebay verkauft. "Das ist oft reine Willkür". Solch einen Eintrag dann wieder loszuwerden, sei so gut wie unmöglich.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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