Kabel-BW-Übernahme
Grünes Licht für neuen Kabel-Marktführer?

Europa-Marktführer Liberty Global will mit Unitymedia die deutsche Nummer drei Kabel BW schlucken - und rechnet dabei mit grünem Licht des Kartellamts. Mit dem hat Liberty-Großaktionär John Malone schlechte Erfahrungen.
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DüsseldorfEuropas größter Kabelkonzern, Liberty Global, erwartet eine Zustimmung des Kartellamts bei der geplanten Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel BW. „Bei der Prüfung der geplanten Übernahme von Kabel BW sind wir zuversichtlich“, sagte Mike Fries, Präsident und CEO von Liberty Global, dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). „Wer den Telekommunikationsmarkt kennt, kann einem Kabelkonzern keine marktbeherrschende Rolle zuschreiben. Schließlich sind wir im Vergleich zu Giganten wie der Telekom Zwerge.“ Die Konsolidierung im deutschen Kabelmarkt fördere den Wettbewerb mit den Telefon- und Satellitenkonzernen. „Das führt zu niedrigen Preisen für die gleiche Leistung“, verspricht Fries.

Liberty Global versucht über seine Konzerntochter Unitymedia die Nummer drei im deutschen Kabelgeschäft, Kabel BW, zu übernehmen. Damit will der Konzern des Medien-Tycoons John Malone die Marktführerschaft in Deutschland übernehmen. Liberty Global bietet knapp 3,2 Milliarden Euro für das Heidelberger Unternehmen. Doch das Geschäft stößt auf Widerstand bei Fernsehkonzernen wie Pro Sieben Sat 1 und Sky. Das Kartellamt prüft seit Mitte August vertieft. Ein Behördensprecher sprach am Wochenende von einer „offenen Entscheidung“. Mit einer Entscheidung seit frühestens am 11. November zu rechnen. Derzeit prüfe die 7. Beschlussabteilung unter Leitung von Markus Wagemann wirtschaftliche Gutachten. Es könne sein, dass sich die Prüfung auch noch länger hinziehe.

Mit dem deutschen Kartellamt hatte Liberty-Großaktionär Malone schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. 2001 scheiterte die Übernahme der deutschen Kabelnetze von der Telekom am Veto der Bonner Wettbewerbsbeamten. Davon will aber Malone-Intimus Fries heute nichts mehr wissen. „Die Abkehr unseres Großaktionärs John Malone von dem Versuch die deutschen Kabelnetze von der Telekom zu kaufen, spielt im derzeitigen Kartellverfahren keine Rolle mehr“, sagte er. „Heute leben wir in einer ganz anderen Medienära.“ Zudem sei Liberty längst eine ganz andere Firma wie damals. John Malone habe das Mediengeschäft von Liberty Media klar und sauber vom Kabelgeschäft von Liberty Global getrennt. „Wir sind zwei völlig unterschiedliche, börsennotierte Unternehmen. Diesen Fakt darf niemand ignorieren“, sagt Fries.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Wenn man den Telekommunikationsmarkt betrachtet, ist Liberty in Deutschland noch klein, das stimmt. Aber für viele Mieter und Besitzer von Wohnungen in der Stadt ist der Kabelnetzbetreiber ein Monopolist und entscheidet, welche Programme man sehen darf. Hier wird insbesondere Sky ausgebremst. Daher sollte das Kartellamt hier harte Auflagen fomrulieren und das Kabel ähnlich wie die letzte Meile der Telekom zwangsweise auch für andere Anbieter öffnen.

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