Kabelbetreiber
Für Kabel Deutschland geht es abwärts

Kabel Deutschland ist im Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Wesentliche Gründe waren eine Übernahme und der Umbau des Unternehmens.

MÜNCHEN. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat seinen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) mehr als verdoppelt. Grund für die schwachen Zahlen von Kabel Deutschland (KDG) sei einerseits die Übernahme von zusätzlichen Netzen, sagte Konzernchef Adrian von Hammerstein gestern. Andererseits seien 30 Mio. Euro für den Umbau des Unternehmens angefallen. Insgesamt lief so ein Minus von 72 Mio. Euro auf.

Dennoch zeigte sich der ehemalige Siemens-Manager zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Der Grund: KDG wächst zügig und hat vergangenes Geschäftsjahr mehrere Hunderttausend neue Abonnements für seine TV-, Internet- und Telefonangebote verkauft. Deshalb stieg der Umsatz um 15 Prozent auf knapp 1,4 Mrd. Euro. „Die Auswirkungen der Krise sind für uns gering“, unterstrich von Hammerstein.

KDG gehört dem Finanzinvestor Providence, der das Unternehmen vor vier Jahren komplett übernommen hat. Zuvor waren noch Apax und Goldman Sachs an Bord. KDG betreibt die Kabelnetze in 13 Bundesländern. Allerdings hat die Firma nicht überall direkten Zugang zu den Kunden. Deshalb haben die Münchener vergangenes Jahr Netze von Orion übernommen und wollen auch künftig zukaufen.

Größe ist wichtig, denn der Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Deutsche Telekom sowie andere Telekomkonzerne übertragen inzwischen TV-Signale über ihr Netz und machen damit der KDG in deren Stammgeschäft Konkurrenz. Umgekehrt bietet die KDG inzwischen auch Telefon- sowie Internetanschlüsse an. Das Geschäft werde umso interessanter, je mehr Kunden die KDG direkt erreiche, betonte von Hammerstein.

Die KDG ist mit mehr als drei Mrd. Euro verschuldet. Im Gegensatz zu vielen anderen Firmen, die in Besitz von Private-Equity-Häusern sind, bereitet dies dem Unternehmen aber kaum Probleme. Das liegt auf der einen Seite daran, dass die Finanzierung bis 2012 steht. Auf der anderen Seite ist der Cash-Flow so hoch, dass die Firma in drei Jahren vermutlich einen großen Teil der dann fälligen Verbindlichkeiten von 1,5 Mrd. Euro zurückzahlen kann. Im vergangenen Jahr lag der Free-Cash-Flow bei knapp 200 Mio. Euro. Die Analysten von Unicredit rechnen damit, dass dieser Wert nun auf 305 bis 335 Mio. Euro steigen wird. Der Free-Cash-Flow berechnet sich aus dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), abzüglich der Investitionen.

Angesichts dieser soliden finanziellen Grundlage will die KDG weiter wachsen und strebt ein Umsatzplus von fünf bis sieben Prozent an. Das Ebitda soll auf bis zu 645 Mio. Euro steigen, dies wären etwa 13 Prozent mehr als im letzten Geschäftsjahr.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%