Kabelnetzbetreiber Orion Cable
Schlammschlacht zwischen Gläubigern und Großaktionär

Der Machtkampf um den viertgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Orion Cable gewinnt dramatisch an Schärfe. Ende November hat der amerikanische Großaktionär Scott Lanphere die Geschäftsführung entlassen, um sich selbst in deren Funktion einzusetzen. Jetzt werfen ihm die Gläubiger des völlig überschuldeten Kabelriesens vor, die Refinanzierung Orions aus Eigennutz verhindern zu wollen.
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HAMBURG/DÜSSELDORF. "Lanphere hält das Unternehmen praktisch als Geisel", sagte ein Gläubiger dem Handelsblatt, der ungenannt bleiben wollte und fügte hinzu: "Was hier passiert, ist regelrechte Erpressung." Orion und Tele Columbus wollten sich wie Lanphere gestern auf Anfrage dazu nicht äußern.

50 Mio. Euro - das ist der Preis, den Lanphere nach Angaben von mehreren Verhandlungsteilnehmern für den Verzicht auf seine Orion-Anteile haben will. Die genaue Zahl seiner Aktien ist in dem Unternehmensgeflecht schwer einzuschätzen. Lanpheres eigene Anteile, die er über eine Investmentgesellschaft hält, sollen bei 40 Prozent liegen, aber mehr als die Hälfte der Firma kontrollieren.

Aus dem Umfeld Lanpheres war gestern zu erfahren, dass er keine 50 Mio. Euro fordere. Vertraute von ihm ließen verlauten, er habe die Unternehmensführung entlassen müssen, weil die Manager mit den Gläubigern auf zu vertrautem Fuß gestanden und nicht im Sinne des Unternehmens gehandelt hätten.

Insgesamt ist die Orion-Gruppe mit rund 950 Mio. Euro verschuldet. Wegen der Finanzierungsstruktur liegt die Zinslast laut Gläubigerkreisen bei über 40 Mio. Euro pro Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Orion-Gruppe betrug 2008 rund 109 Mio. Euro. Für die mittelfristige Planung brauche Orion dringend eine Refinanzierung - und diese kommt trotz monatelanger Verhandlungen nicht voran, weil sich - aus Sicht der Gläubiger - Lanphere querlegt.

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