Kabelnetzbetreiber
Primacom einigt sich mit Gläubigern

Der hoch verschuldete Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom hat am Donnerstag in den Verhandlungen mit seinen Kreditgebern eine grundsätzliche Einigung erzielt. Damit kann die drohende Insolvenz wohl abgewendet werden.

HB FRANKFURT. Im Rahmen der Vereinbarung werde Primacom 375 Millionen Euro an die Kreditgeber eines nachrangig besicherten Kredits zahlen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit seien alle offenen Forderungen dieser Kreditgeber abgegolten. Allerdings müsse der Betrag bis zum 30. November gezahlt werden. Zahle Primacom nicht bis zu diesem Stichtag, könnten die Darlehensgeber dann 425 Millionen Euro gegen die Gesellschaft unmittelbar vollstrecken. Der Vorstand gehe aktuell davon aus, dass der Gesellschaft die rechtzeitige Zahlung möglich sei.

Zur Finanzierung der Rückzahlung will Primacom nach Aussagen eines Sprechers ein neues Darlehen mit günstigeren Konditionen aufnehmen. Das bisherige Darlehen hat einen Zinssatz von 20 Prozent und einschließlich nicht gezahlter Zinsen ein Volumen von gut 500 Millionen Euro. Bei der Suche nach einer refinanzierenden Bank sei Primacom schon sehr weit, sagte der Sprecher.

Ein Bankenkonsortium hatte am Montag einen weiteren, vorrangig besicherten Kredit über 485 Millionen Euro nicht verlängert. Primacom ist derzeit nicht in der Lage, das fällige Darlehen zurückzuzahlen.

In den Verhandlungen mit den Kreditgebern des nachrangigen Kredits ging es neben dem Rückkauf des Darlehens auch um den geplanten Verkauf der Tochter Multikabel. Diesem stimmten die Gläubiger zu. Primacom will dem Sprecher zufolge mit dem Verkaufserlös den fälligen erstrangigen Kredit zurückzahlen. „Für Multikabel liegt eine Absichtserklärung vor, in der ein potentieller Erwerber sich bereit erklärt, Multikabel zu erwerben“, teilte Primacom mit. Dem Sprecher zufolge gab es zwei Angebote von jeweils über 500 Millionen Euro.

Wie Primacom weiter mitteilte, müssen die getroffenen Vereinbarungen noch in Einzelheiten ausgearbeitet und unterzeichnet werden. „Die Gesellschaft geht weiter davon aus, dass die Vereinbarung nur umgesetzt werden kann, wenn auch die Senior Banken hiermit einverstanden sind.“

Sollte die Umstrukturierung wie von Primacom geplant gelingen, hätte Primacom weniger als die Hälfte an Schulden zu einem deutlich günstigeren Zinssatz, erläuterte der Sprecher. Sollten die Verhandlungen scheitern, drohe die Insolvenz.

Ende Juni bilanzierte Primacom Verbindlichkeiten und Rückstellungen von fast 1,2 Milliarden Euro, wobei allein die Finanzschulden rund eine Milliarde Euro ausmachten. Demgegenüber stand ein Finanzmittelbestand von 396 000 Euro. Primacom versorgt über seine Kabelnetze in Deutschland rund eine Million und in den Niederlanden rund 300 000 Haushalte mit Fernseh- und Rundfunkprogrammen.

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