Kabelnetzbetreiber
Primacom wird doch nicht verkauft

Der Kabelanbieter bleibt Teil der luxemburgischen Holding Medfort. Diese hatte mehrere Monate mit Interessenten verhandelt, doch offenbar wollten diese – nach Ermessen Medforts – nicht genug für Primacom zahlen.
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FrankfurtDie Marktbereinigung in der deutschen Kabelbranche geht vorerst nicht weiter. Der vor allem in Ostdeutschland vertretene Kabelnetzbetreiber Primacom sagte seinen Verkauf am Freitag ab. Die Gebote seien den Gesellschaftern zu niedrig gewesen, teilte das Unternehmen am Freitag in Leipzig mit. Sie hatten auf 400 Millionen Euro gehofft. "Am Ende erfüllten die Gebote jedoch nicht die hohen Erwartungen", sagte der Aufsichtsratschef der luxemburgischen Eigentümer-Holding Medfort, Harald Stöber. Als Favorit für die Übernahme hatte zuletzt der Konkurrent Pepcom gegolten, der dem Finanzinvestor Star Capital gehört. Auch die Deutsche Telekom hatte Interesse gezeigt.

Hinter Medfort stehen die Gläubiger von Primacom, darunter die niederländische Bank ING sowie die Finanzinvestoren Alcentra, Tennenbaum und Avenue Capital Partners. Sie verfolgen unterschiedliche Interessen. Im Januar hatten sie Primacom ein zweites Mal innerhalb von zwei Jahren umgeschuldet und 20 Millionen Euro in Form neuer Kredite nachgeschossen, mit denen das Wachstum vorangetrieben werden soll. Primacom war bereits zuvor mit 330 Millionen Euro verschuldet. Die Gläubiger hatten nach der Pleite der börsennotierten Primacom AG das Kommando über das operative Geschäft übernommen.

Sie sehen die Firma nun für die kommenden Jahre finanziell solide aufgestellt. "Primacom ist (...) mit mehr als genug Liquidität entsprechend ausgestattet, um in den nächsten drei Jahren und darüber hinaus durch Investitionen zu wachsen", sagte Stöber. Primacom-Geschäftsführer Joachim Grendel erklärte, das Unternehmen habe sich in den vergangenen zwölf Monaten sehr gut entwickelt und sei wieder auf Wachstumskurs.

Primacom ist die Nummer fünf unter den Kabelnetzbetreibern in Deutschland mit rund einer Million angeschlossenen Haushalten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen ist der Kuchen zwischen den Branchenriesen Kabel Deutschland und Unitymedia/Kabel BW verteilt, so dass Anbieter wie Primacom die einzigen Wachstumsmöglichkeiten darstellen. Für die Telekom hätte der Zuschlag den Wiedereinstieg ins Kabelgeschäft bedeutet, nachdem der Ex-Monopolist sein Netz auf Druck der Regulierer hatte abgeben müssen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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