Kafka lebt
Mein Leben mit France Télécom

Wer in Frankreich telefoniert, hat es nicht einfach. Besonders wer einen Vertrag mit dem Marktführer France Télécom abschließt, findet sich teilweise in absurden Situationen wieder. Eine Leidensgeschichte.
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ParisWahrscheinlich ist es meine Schuld. Ich war bequem, wollte es möglichst einfach haben. „Geh zum Ex-Monopolisten, da machst du nichts falsch“, habe ich mir gesagt. In einer der großen Boutiquen von Orange, früher France Télécom, habe ich mir das volle Programm abgeholt: Handyvertrag mit Flatrate auch für Auslandsgespräche, Festnetz, Internet und TV per Internet. Die Angestellten im Shop waren sympathisch, die Konkurrenz nicht billiger. Anfangs lief auch alles ganz harmonisch, zum gewünschten Termin war alles bereit. Dass die Telefondose, die ich nutzen wollte, angeblich tot war, konnte ich nicht den Orange-Technikern anlasten.

Der Ärger ging los, als der Fernseher nach ein paar Monaten nur noch Standbild und scheußliches Krächzen von sich gab. Orange hat eine bombastische Homepage für seine Kunden. Von neuen Handyverträgen bis zum Partnertausch sind dort allerlei Produkte und Werbung von Dritten zu sehen. Man kann auch mit Technikern chatten. Die sind aber meist besetzt. Eine gute Stunde Zeit sollte man schon haben, will man einen erwischen. Mein Chat endete mit dem Hinweis: „Da müssen Sie den technischen Kundendienst anrufen.“

Noch mal eine Viertelstunde in der Warteschleife, dann bekam ich den nur begrenzt nützlichen Hinweis: „Schalten Sie alle Geräte ein und wieder aus.“  Der Mann an der Hotline wollte nicht glauben, dass das nichts half. Nach einigen Tagen, in denen ich eben auf dem Notebook die Nachrichtensendungen ansehen musste, konnte ich Orange schließlich davon überzeugen, dass ich kein Simulant bin. Man war bereit, den TV-Decoder auszutauschen. Die gesamte Operation kostete mich vier bis fünf Stunden. Warum heißt der Laden Orange und nicht Zitrone, schoss es mir durch den Kopf. War aber schnell vergessen.

Bei der Gelegenheit machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Leuten in einem Callcenter, das Orange wohl nach Nordafrika ausgelagert hat. Man merkt, dass Französisch nicht ihre Muttersprache ist. Die Ausbildung, die Orange ihnen angedeihen lässt, ist rudimentär. Bekommt man nach zehn Minuten Warteizeit einen Kontakt, gehen sie nach einer festen Routine vor. Mehr hat man ihnen nicht beigebracht. „Wenn Sie die Livebox (Router) aus- und wieder eingeschaltet haben und die Leuchtdiode an ist, muss es funktionieren.“ Tat es aber nicht. Auf Widerworte reagieren die Mitarbeiter in diesem Callcenter ungnädig. Das Gespräch wurde durch Auflegen des Hörers beendet.

Die netten Menschen im Orange-Shop konnten leider auch nicht weiterhelfen: „In dem Fall müssen Sie den technischen Kundendienst anrufen.“ Ja, aber die sind so unwirsch. “Versuchen Sie es einfach noch mal.“ Tatsächlich hatte ich irgendwann mehr Glück. Nach nur drei Tagen ohne Internet ging es dann wieder. Jedenfalls ein paar Wochen, bis der Netzzugang wieder weg war. Da durfte ich wieder alles durchspielen, wie bei der Anamnese beim Onkel Doktor: „Haben Sie die Livebox aus- und wieder eingeschaltet…was macht die Leuchtdiode…funktioniert Ihr Notebook richtig…ich prüfe jetzt mal die Leitung“ Ich kam mir vor wie ein Versuchskaninchen in einem großen Laborversuch: Wie lange hält ein Kunde durch, wann rastet er aus?

Kommentare zu " Kafka lebt: Mein Leben mit France Télécom"

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  • Die Grand Nation produziert eine Menge Grande Merde.
    Die Telecom Geselldchaften runden das Bild nur ab.

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @Handelsblatt

    Bei den Plötzen 5 bis 12 der größten Mobilfunkunternehmen passt was nicht. Mal ist ein Unternehmen größer weil es mehr Verbindungen hat, mal weil es einen höheren Umsatz hat, ein Struktur ist nicht zu erkennen.

  • Jaja,

    in Frankreich ticken die Uhren tatsächlich immer noch anders. Service ist ein Fremdwort. Hoffentlich kommt heute kein Kunde in den Orange-Shop! Bei mir war, wenn ich mein Handy aufladen wollte und mit französischer Kreditkarte bezahlen wollte, immer die Verbindung zur Abrechnung unterbrochen. Eine Bezahlung war nur in bar möglich. Ich hab mir dann im Tabac eine Nummer zum Aufladen gekauft. Besonders ärgerlich war und ist wahrscheinlich immer noch, dass orange die email-adressen für Werbemails verkauft. Nach dem Versuch mein Handy übers Internet aufzuladen (was u.a. nie funtionierte), wobei ich meine email-Adresse angeben musste wurde ich mit Werbe-Emails unterschiedlichster Anbieter überschwemmt.

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