Kai-Uwe Ricke – die Chronologie einer Demontage
Nett allein genügt nicht

Drei Tage fehlten ihm, dann hätte Kai-Uwe Ricke genau vier Jahre an der Spitze der Deutschen Telekom gestanden. Der Putsch gegen den glücklosen und zuletzt ausgelaugten Konzernchef war von langer Hand geplant.

slo/dri/brs/kam DÜSSELDORF/BERLIN/BONN. Hier, an diesem beigefarbenen, quadratischen Konferenztisch in dem vielleicht 50 Quadratmeter großen Büro haben schon Ron Sommer und Helmut Sihler gesessen, zwei der ehemaligen Chefs der Deutschen Telekom. Auch die Bilderreihen in Schwarz und in Rot hängen hier schon seit mehr als vier Jahren. Mindestens genauso lange steht dort im fünften Stock der Konzernzentrale auch die weiße Schrankwand, die die gesamte Längsseite des Büros einnimmt, gegenüber die breite Fensterfront mit Blick auf die Gipfel des Siebengebirges.

Das Büro von Kai-Uwe Ricke sieht noch immer so aus wie an seinem ersten Arbeitstag als Telekom-Chef. Selbst der kleine Tisch mit Telefonanlage und Laptop links vom Schreibtisch ist geblieben, obwohl er für den Zweimetermann zu niedrig ist. Keine neuen Möbel, keine Fotos, keine persönliche Note – bis auf ein schwarzes Segelboot, das Hobby-Skipper Ricke auf einem der hellen Schränkchen postiert hat. Es wirkt ziemlich verloren.

Kai-Uwe Ricke hat kaum Spuren hinterlassen in seinem Büro. Auch in die Geschichte der Deutschen Telekom wird er nicht als Macher eingehen, sondern als Mann des Übergangs. Am 15. November 2002 ist er angetreten, am 12. November 2006 erklärt er seinen Rücktritt. Er hat die Scherben zusammengefegt, die Ron Sommer und das Platzen der Internetblase bei der Telekom hinterlassen haben. Er hat es aber nicht geschafft, von Verteidigung auf Angriff umzuschalten, nicht mehr wie ein Gejagter, sondern wie ein Marktführer zu agieren. Seit Sonntagabend ist Kai-Uwe Ricke bei der Telekom Geschichte.

Das, was ihm vor vier Jahren den Job eingebracht hat, das haben ihm seine Kritiker zuletzt immer häufiger vorgeworfen: Er sei freundlich-verbindlich, hieß es am Anfang. Entscheidungsschwach, lautet das Urteil jetzt. Er sei einer, der keine Versprechen macht, die er nicht halten kann, so wurde er einst beschrieben. Heute heißt es: Er habe keine Visionen entwickelt. Er sei auf Konsens bedacht, darauf, den ohnehin gebeutelten Konzern nicht weiter auseinander zu dividieren, lobten Aufsichtsräte ihn zu Beginn. Inzwischen sagen sie nur noch: Er sei zu schwach gewesen, um notwendige, unpopuläre Beschlüsse schnell durchzupeitschen.

Vor allem aber ist es erneut die Politik, die einen Wechsel an der Spitze des Ex-Monopolisten eingeleitet hat: Der Bund, mit gut 30 Prozent weiter der größte Anteilseigner des Unternehmens, hat mal wieder dazwischengefunkt. Genauso wie vor vier Jahren, als Ron Sommer gehen musste.

Und doch gibt es diesmal einen großen Unterschied: Die Herren in Berlin haben sich anno 2006 mit einem weiteren Großaktionär verbündet, dem Finanzinvestor Blackstone. Eine Chronologie der Ereignisse.

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