Kai-Uwe Ricke geht
Neuer Chef soll Telekom antreiben

Die Deutsche Telekom wechselt den Konzernchef aus. Am späten Sonntagabend bestätigte das Unternehmen offiziell die sofortige Trennung von Kai-Uwe Ricke. Nachfolger soll offenbar T-Mobile-Chef René Obermann werden. Branchenexperten sehen darin allerdings nur eine Übergangslösung. Nach Vermutungen aus Konzernkreisen wird auch ein weiteres Vorstandsmitglied seinen Stuhl räumen.

HB DÜSSELDORF. „Kai-Uwe Ricke legt im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aufsichtsrates das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG nieder“, und zwar mit Wirkung vom Montag (13. November) heißt es in der knappen Mitteilung. Die Entscheidung sei zwischen Ricke und dem Präsidium des Aufsichtsrates einvernehmlich gefallen. Der Aufsichtsrat werde sich mit der Nachfolge im Amt des Vorstandsvorsitzenden in einer Sitzung am Montag befassen. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende der Telekom, Post-Chef Klaus Zumwinkel dankte Ricke für seine engagierte Arbeit, insbesondere für die Konsolidierung des Konzerns und die weitere Internationalisierung.



Über eine Ablösung Rickes wurde seit Tagen spekuliert. Der bisherige Vorstandsvorsitzenden hatte den Rückhalt im Aufsichtsrat des Konzerns verloren. Am Sonntagabend beschloss schließlich das Präsidium des Telekom-Aufsichtsrats das Aus des Telekom-Chefs. Sein Nachfolger soll nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen Rene Obermann werden, der Chef der Konzerntochter T-Mobile. Kreisen zufolge hat Obermann bereits einer Berufung zugestimmt. Weder die Telekom noch die Großaktionäre Bund und der Finanzinvestor Blackstone wollten sich offiziell zu dem Thema äußern. Beide Anteilseigner hätten die Strategie Rickes in den vergangenen Wochen kritisiert.

Nach Informationen aus dem Regierungsumfeld hat Zumwinkel bereits nach den enttäuschenden Halbjahreszahlen, die Ricke Anfang August präsentierte, mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Ricke habe das Vertrauen der Kapitalseite durch seinen „wenig überzeugenden Umgang“ mit der Krise der Festnetzsparte verloren, heißt es in Berlin. Die Telekom hat im ersten Halbjahr eine Million Festnetzkunden verloren. Im zweiten Quartal sind alle drei Geschäftsbereiche – Festnetz, Mobilfunk und die Geschäftskundensparte – im Inland geschrumpft. Ricke senkte deshalb seine Prognose für Umsatz und Gewinn drastisch.

„Ricke hat das Vertrauen der Finanzinvestoren durch die Prognosesenkung nachhaltig verloren. Eine personelle Ablösung ist hier leider meistens der einzige Ausweg, dieses Vertrauen wieder zu gewinnen“, sagt Martin Gutberlet vom Marktforscher Gartner. Die Eigentümer sahen das ähnlich. Ricke habe danach auch nicht schnell genug eine Strategie präsentiert, wie das Unternehmen aus dieser Krise herauskommen könne, heißt es in Berlin. Als der Konzernchef schließlich drei Wochen später, Anfang September, einen Sieben-Punkte-Plan vorstellte, sei auch dieser „in seiner Allgemeinheit“ eine Enttäuschung gewesen. Kern von Rickes Plan waren Preissenkungen im Mobilfunk und im Festnetz, ein ambitioniertes Sparprogramm sowie die Stärkung des Telekom-Service.

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