Kampagne gegen NSA-Spionage

Internetriesen fordern Einschränkung der Überwachung

Die Internet-Firmen sorgen sich um ihr Geschäft: In der NSA-Spähaffäre gehen Google, Facebook und Co. in die Offensive. In einer Kampagne fordern sie US-Präsident Obama auf, die Überwachung der Bürger einzuschränken.
9 Kommentare
Unternehmen wie Google und Yahoo fordern Beschränkungen bei der staatlichen Überwachung von Bürgern: „Es ist Zeit für den Wandel“. Quelle: Reuters

Unternehmen wie Google und Yahoo fordern Beschränkungen bei der staatlichen Überwachung von Bürgern: „Es ist Zeit für den Wandel“.

(Foto: Reuters)

WashingtonFührende amerikanische Internet-Firmen haben eine Kampagne gegen die gewaltigen Spionageprogramme internationaler Geheimdienste gestartet. In einem Brief an US-Präsident Barack Obama und Kongress-Mitglieder sowie über Anzeigen in Tageszeitungen forderten Unternehmen wie Apple, Facebook, Microsoft und Google am Montag Beschränkungen bei der staatlichen Überwachung von Bürgern. Die USA, deren Behörde NSA durch Enthüllungen besonders stark in Verruf geraten ist, sollten dabei mit gutem Beispiel für andere Regierungen der Welt vorangehen.

Auch Twitter, AOL, Yahoo und Linkedin beteiligen sich an dem Vorstoß. Auf einer gemeinsamen Website präsentieren die Internetriesen ihre fünf „Prinzipien“ für eine globale Reform staatlicher Überwachungsprogramme. So sollten die Geheimdienste aufhören, einfach massenhaft Kommunikationsdaten aus dem Internet abzufischen, sondern ihre Sammlung konkret auf Zielpersonen beschränken. Zudem müssten die verantwortlichen Behörden und Gerichte viel strenger überwacht werden.

Die Firmen wollen auch genaue Angaben veröffentlichen dürfen, wie oft und warum Regierungen nach der Herausgabe von Nutzerinformationen fragen. Ferner forderten sie den „freien Fluss von Informationen“ im Internet auch über internationale Grenzen. Serviceanbieter dürften dabei nicht behindert oder übermäßig kontrolliert werden. Die Unterzeichner riefen die Regierungen auf, sich international auf einen rechtlichen Rahmen für Anfragen nach Nutzerdaten zu einigen, um Konflikte zu vermeiden.

„Es ist Zeit für den Wandel“, heißt es in dem offenen Brief der Firmen. „Die Berichte über die staatliche Überwachung haben gezeigt, dass es eine echte Notwendigkeit für eine größere Offenlegung und neue Grenzen gibt, wie die Regierungen Informationen sammeln“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer Mitteilung. „Die Menschen werden keine Technologie nutzen, der sie nicht vertrauen. Regierungen haben das Vertrauen riskiert - und Regierungen müssen helfen, es wiederherzustellen“, erklärte Microsofts Chefjustiziar Brad Smith.

Die neueste Offensive folgt einer nicht enden wollenden Welle der Enthüllungen über die Praktiken der NSA und anderer Geheimdienste. Erst kürzlich hieß es, die NSA greife Daten aus internen Verbindungen zwischen Datenzentren von Google und Yahoo ab. Beide Firmen betreiben weltweit riesige Rechenzentren. Die Anlagen tauschen ständig Nutzerdaten untereinander aus, etwa E-Mails, Suchanfragen oder Dokumente. Dass der heimische Geheimdienst hier Informationen abgreifen könnte, empörte die Firmen.

Die Internetriesen sorgen sich auch um ihr Geschäft. Hunderte Millionen Menschen weltweit nutzen die E-Mail-Dienste, Smartphones, Netzwerke und Chat-Programme der Vorreiter aus dem Silicon Valley. Ein Vertrauensverlust könnte die Unternehmen empfindlich treffen.

Abhör-Affären: Google & Co. könnten die Politik wachrütteln

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Kampagne gegen NSA-Spionage - Internetriesen fordern Einschränkung der Überwachung

9 Kommentare zu "Kampagne gegen NSA-Spionage: Internetriesen fordern Einschränkung der Überwachung"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ch glaube google und consorten sind nur deshalb gross geworden
    weil die spiogenten der G20 staaten das zugelassen haben mehr noch
    sie haben die ganze hardtware finanziert die nötig ist um solche datenmengen zu speichern und auszuwerten
    mit einem abgreifen von daten lässt sich das nämlich nicht machen.
    nun wo das "GESCHÄFT" GEFÄHRDET IST
    wollen sie nicht mehr dr. faust sein und fordern absolution

  • Warum nicht mit Klarnamen schreiben? Zum ersten ist die Zensur mit Klarnamen doppelt ärgerlich. Zum zweiten habe ich sehr früh die Gefahren erkannt. Ich schrieb einem Kommentar zu einem Autoartikel und - bekam eine Morddrohung. Zu meiner Meinung stehe ich wohl, aber nicht im dunklen Netz als Zielscheibe.

  • Plünderer regen sich über andere Plünderer auf.
    Wir lernen: es gibt gutes geschäftsförderndes Plündern und weniger gutes Plündern, also eher geschäftshemmendes Plündern.
    Und das mag keiner: wenn Plündern das Business gefährdet - sagen Plünderer.

    Und Marc Zuckerberg ist ein lupenreiner Demokrat und Google auch und Yahoo erst recht: weil die wollen doch nur geschäftsmäßig Plündern, weil politisches Plündern ist für diese Leute unfein.

    Man muß sich nur ein wenig Mühe geben und solche Plünderermentalität überhaupt ersteinmal in ihren Grundzügen zu kapieren.

  • Snowden sollte damit beauftrag werden, hier eine entsprechende Institution zu leiten, die die Ueberwacher ueberwacht. Man muss schon sehen, diesen jetzt klagenden Firmen geht es ja nur um das Geschaeft und den Schaden dafuer. Zu denen haette ich wenig Vertrauen. Zu Snowden schon viel mehr.

  • Das soll wohl ein schlechter Scherz sein!
    Google, Facebook & Co sind doch getarnte Überwachungsinstrumente, an denen der US-Staat sich kostengünstig beteiligt.
    Dieser Aufruf ist die reinste Heuchelei!

  • "Wir brauchen einfach noch mehr Whistleblower,die alle noch so kleinen Ausspähversuche öffentlich machen.Wer sich bewußt ist,dass und wie er ausgespäht wird,der kann sich danach verhalten und entscheiden,was er benutzt ... "
    Da liegt genau ein Problem.
    Die Entscheidung was man benutzt kann man nicht mehr treffen, denn was nicht z. B. bei google oder facebook gelistet ist, gibt es einfach nicht.
    Datenschutz verkommt zur Heuchelei, Kontrolle und Bevormundung was der Nutzer soll und darf und was nicht.
    Das was mit Datenschutz verbunden werden sollte, nämlich die informelle Sebstbestimmung was andere über meine persönlichen Dinge lesen, wissen oder finden dürfen sollen, findet nicht mehr statt.
    Da hilft auch kein Geschrei von genau denjenigen die überhaupt kein Interesse an eben diesem persönlichen Datenschutz haben.
    Es wird Zeit für eine "Begriffskontrolle" von Datenschutz, und nicht für eine Oninekontrolle wer was wo sagen, schreiben und veröffentlichen darf und was nicht. Es wird Zeit für Instrumente mit denen ich genau meine informelle Selbstbestimmung kontrollieren kann, und sicher kontrollieren kann. Was Geheimdienste machen ist mir gelinde gesagt Sch***egal, und was google macht, eigentlich auch.

  • Die "Firmen" welche diesen Überwachungswahnsinn (teilweise Jahrzehnte)unterstützt haben wollen jetzt Jammern???
    Pfui Teufel, wie Armselig ist das denn?

  • Wir brauchen einfach noch mehr Whistleblower,die alle noch so kleinen Ausspähversuche öffentlich machen.Wer sich bewußt ist,dass und wie er ausgespäht wird,der kann sich danach verhalten und entscheiden,was er benutzt und was nicht.Aber wir sind ja schon einen sehr erfreulichen Schritt weiter,denn vor noch nicht allzulanger Zeit,wurde noch geleugnet,dass diese Firmen an der Ausspähung beteiligt sind.

  • ich BLEIBE ÜBERWACHT und ZENSIERT , WEIL KEIN RASSIST BIN UND TROTZDEM RASSISTEN ERKENNE .
    ABER HAT mir NICHT DAS ÜBERWACHEN aller GEGENSEITIG , DAS Leben NOCH GERETTET ? JA .
    UND SEHE BEWEISE und WEISS WISSEN " WER " ES DANN WAR .
    ALS LAUTER RÄDELSFÜHRER . . . LISSABON VERTRAG . . . .
    NUR für . . . . , DA DARF EIN KLITSCKO . . .
    Frank Frädrich . . . AUCH CHIMÄRE VON NEANDERTALER .
    Gott-gibt-es-Gott - wenn NICHT DU , WER SONST . . ."

    " GOOGLE + " FORDERT GOOGLE zu . . . UND DA WÄR DANN STRAFBESTAND DER LISSABON VERTRAGS ERFÜLLEND .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%