Kampf gegen Gratis-Zeitschriften der Post
Pressepläne der Post ärgern Verleger

Deutsche Zeitschriftenverleger sind in Aufruhr: Sie wollen mit allen Mitteln die Deutsche Post von ihrem Plan abbringen, kostenlose Zeitschriften auf den Markt zu bringen. Sie sehen in dem Vorhaben des Bonner Konzerns einen Einbruch in das Kerngeschäft von Medienunternehmen und Verlagen - die Post weist diesen Vorwurf als überzogen zurück.

DÜSSELDORF. "Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein staatlich mitbeherrschtes Unternehmen mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen im Pressevertrieb die publizistische Vielfalt in Gefahr bringt," sagte Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), dem Handelsblatt. Er fordert die Post auf, ihre Pressepläne aufzugeben.

Der VDZ reagierte damit auf eine Ankündigung von Post-Briefvorstand Jürgen Gerdes, der in der Financial Times Deutschland den Einstieg in den Markt für überregionale Anzeigenblätter angekündigt hatte. Geplant ist danach zunächst ein Wochenblatt in Millionenauflage, das über die Themen Internet, Telekommunikation und Computer berichtet. Gerdes zielt damit vor allem auf Werbeeinnahmen. Die Post würde in das Kerngeschäft von Verlagen und Medienunternehmen einbrechen. Gerechnet wird mit Erlösen in dreistelliger Millionenhöhe.

Dies sei ein ordnungspolitischer "Gau", sagte Fürstner. Ähnlich wie im Fall von ARD und ZDF attackierten halbstaatliche Unternehmen die Privatwirtschaft. "Wir werden dies nicht klaglos hinnehmen", sagte er. Der Verband werde dagegen mit allen rechtlichen und politischen Mitteln vorgehen, bis hin zu einer Klage auf EU-Ebene. Laut Fürstner handelt es sich bei dem Thema Pressedistribution um ein Volumen von 820 Mill. Euro. Denkbar sei auch, einen eigenen Zustelldienst auf die Beine zu stellen. Nach der Einführung des Mindestlohns für Briefträger hatte der von Zeitungsverlegern gegründete Briefdienst Pin Group Insolvenz angemeldet.

Ein Sprecher der Post bestätigte die Pressepläne, wies die Anschuldigungen des VDZ aber als überzogen zurück. Die Post habe keine verlegerischen Ambitionen. Vielmehr wolle man beim Druck und Zukauf redaktioneller Inhalte mit Verlagen kooperieren. Darüber liefen Gespräche. Mit der kostenlosen Beilagenpostille "Einkauf aktuell" (Auflage 17 Mill. Stück) erzielt die Post bereits Erlöse von rund 100 Mill. Euro.

Über einen Einstieg der Post ins klassische Verlagsgeschäft wurde schon häufiger spekuliert. Die Post will damit das schrumpfende Briefgeschäft, in dem sie nach wie vor den Löwenanteil ihres Gewinns erzielt, ausgleichen. Gleichzeitig soll das teure Brief- und Zustellnetz besser ausgelastet werden.

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