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Kampf gegen Niedergang: AOL kauft Online-Erfolgsmagazin „Huffington Post“

Der einstige Online-Gigant AOL sucht nach neuen Erlösquellen. Weil das Geschäft mit dem Zugang ins Internet kaum etwas abwirft, will der Konzern mit Inhalten Leser und Werbekunden auf sich ziehen. Dabei helfen soll ein spektakulärer Schritt: AOL kauft die erfolgreiche Nachrichten- und Meinungsseite „Huffington Post“. Gründerin Arianna Huffington wird eine wichtige Rolle spielen.

Arianna Huffington: "Es ist erstaunlich, wie ähnlich unsere Visionen sind". Quelle: DAPD
Arianna Huffington: "Es ist erstaunlich, wie ähnlich unsere Visionen sind". Quelle: DAPD

DÜSSELDORF. Im Zuge der Strategie, mehr Inhalte im Internet anzubieten und Einnahmen im Online-Werbegeschäft zu erzielen, übernimmt der US-Internetkonzern AOL eine der bekanntesten Websites Amerikas: die Nachrichten- und Meinungsseite „Huffington Post“.

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Der Kaufpreis liege bei 315 Millionen Dollar, davon 300 Millionen in bar und 15 Millionen in Anteilen, wie AOL in der Nacht zum Montag mitteilte. Es ist der größte Zukauf des New Yorker Unternehmens seit der Abtrennung von Time Warner. Der Deal soll Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals abgeschlossen sein.

„Das ist ein Beleg dafür, dass das Unternehmen investiert“, sagte AOL-Chef Tim Armstrong in einem Interview. Es handele sich um ein Investment, das bestens in die Strategie passe. „Eine Situation, in der eins plus eins elf ergibt“. Auch die Mitbegründerin der Website, Arianna Huffington, gab sich begeistert: „Es ist erstaunlich, wie ähnlich unsere Visionen sind“, sagte sie.

Armstrong muss den schleichenden Niedergang des einstigen Online-Riesen aufhalten, denn das Geschäft mit dem Zugang ins Internet wirft nicht mehr viel ab. Der Gesamtumsatz brach im vierten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent auf 596 Millionen Dollar ein. Auch die Werbeeinnahmen schwächeln: Die Einnahmen sanken um 29 Prozent auf 332 Millionen Dollar. Durch den Kauf der „Huffington Post“ baut AOL sein Geschäft mit eigenen und aus dem Internet zusammengestellten Inhalten aus und hofft auf Einnahmen aus der Online-Werbung.

Der Deal werde zum „Dreh- und Angelpunkt in Armstrongs riskanter Strategie, den gebeutelten Konzern in ein Kraftwerk für Inhalte und Werbung zu verwandeln“, schreibt Kara Swisher im Blog „All Things Digital“ des „Wall Street Journals“. Im Oktober 2010 hatte AOL bereits das erfolgreiche Technologie-Blog Techcrunch gekauft.

Arianna Huffington soll derweil eine wichtige Rolle bei AOL einnehmen: Sie werde Präsidentin der Huffington Post Media Group, hieß es in der Mitteilung weiter. Als eine Art Ober-Chefredakteurin behalte sie nicht nur die Hoheit über die Inhalte der nach ihr benannten Website, so die „New York Times“. Huffington bestimme künftig auch über weitere AOL-Angebote wie Mapquest, Moviefone oder Engadget und rede bei wichtigen Investitionen des Internet-Konzerns mit.

Die neue Mediengruppe komme zusammen auf 117 Millionen Webseiten-Besucher pro Monat in den USA und werde weltweit 270 Millionen Menschen erreichen, teilte AOL mit. Die als linksliberal geltende „HuffPost“ war im Jahr 2005 als Blog mit einer Anfangsinvestition von einer Million Dollar gestartet. Inzwischen ist sie eine der meistgeklickten Nachrichten-Websites der USA mit gut 25 Millionen Besuchern pro Monat.

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