Kampf um Dell
Showdown in Texas erneut geplatzt

Eigentlich sollten heute die Aktionäre über die Zukunft des PC-Bauers Dell abstimmen: Darf Gründer Michael Dell seinen Konzern zurückkaufen? Doch zur Abstimmung sollte es nicht kommen – wegen eines besseren Angebots.
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New YorkDer Unternehmer Michael Dell und der Starinvestor Carl Icahn werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Seit sechs Monaten streiten sie darüber, wie es mit dem angeschlagenen PC-Giganten Dell weitergehen soll: Der Firmenchef will den Konzern von der Börse nehmen und neu aufstellen. Großaktionär Icahn will das verhindern – und auch gleich das Management loswerden. Er habe „noch nie einen Vorstand gesehen, der so schlecht ist wie der von Dell“, hatte Icahn kürzlich gesagt.

An diesem Mittwoch sollten nun die Aktionäre entscheiden. Darf der Firmengründer seinen Konzern zurückkaufen? Oder kommt Icahn mit seinem Gegen-Plan durch? Doch zu einer Abstimmung sollte es nicht kommen: Michael Dell hob überraschend sein Übernahmeangebot an. Zusammen mit dem Finanzinvestor Silver Lake bietet er nun unter bestimmten Bedingungen 13,75 Dollar je Aktie in bar an, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Dies sei sein letztes Wort. Dell-Aktien verteuerten sich im vorbörslichen US-Handel um knapp drei Prozent. Für Dell, das einstige „Wunderkind“ der Technologie-Branche, geht es um sein Lebenswerk. Er will den Konzern umbauen, damit er trotz des schrumpfenden PC-Markts eine Zukunft hat.

Eigentlich war das Votum bereits vergangene Woche angesetzt gewesen, doch der Verwaltungsrat hatte das Treffen gleich nach Beginn vertagt. Aus Angst, die nötige Mehrheit für Dells Plan zu verfehlen, wie es hieß. Nach der heutigen Verschiebung ist der 2. August als neuer Termin für die Abstimmung angesetzt. Bereits im Vorfeld der heutigen Versammlung wandte sich Icahn voller Ungeduld mit einen Appell an den Verwaltungsrat: „Es ist Zeit abzustimmen“, schrieb er in einem Brief, aus dem die Finanznachrichtenagentur Bloomberg zitierte. „Verschieben Sie den Wahltag nicht noch einmal. Dies ist keine Bananenrepublik“.

Bisher hatte Michael Dell 13,65 Dollar pro Aktie geboten, was einem 24,4 Milliarden Dollar schweren Deal entsprochen hätte – mehr als der aktuelle Wert von 12,88 Dollar bei Börsenschluss am Dienstag.

Auch Icahn kritisiert, die bisher gebotenen 13,65 Dollar seien zu wenig. Der milliardenschwere Investor, der als umtriebiger Aktionär gefürchtet ist, hält knapp neun Prozent an Dell. Diese Macht will er nun für seinen Gegen-Plan nutzen: Gemeinsam mit dem Großaktionär Southeastern Asset Management will er unter anderem durchsetzen, dass der Konzern einen Teil der Aktien für 14 Dollar pro Stück zurückkauft. Doch dem nicht genug: Icahn will außerdem den Vorstand hinauswerfen.

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