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Kampf um die Spitze: Wie Samsung das neue Apple werden will

So einen Hype entfachten früher nur Apple-Produkte: Samsung stellt heute Abend sein Smartphone-Flaggschiff Galaxy S4 vor. Damit will der koreanische Hersteller den Rivalen Apple als Taktgeber der digitalen Welt ablösen.

DüsseldorfDa wäre zum Beispiel die neue Augen-Steuerung. Stimmen die Gerüchte, wird der Smartphone-Hersteller Samsung sein neues Spitzenmodell Galaxy S4 mit einer Funktion namens „Eye Scroll“ ausrüsten. Über die Kamera soll das Gerät die Augenbewegungen des Nutzers verfolgen und den Bildschirm-Inhalt passend verschieben – etwa wenn beim Lesen das Ende eines Absatzes erreicht ist.

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Ob Samsung wirklich diese futuristisch anmutende Funktion einführt, wird erst die Präsentation heute Abend in der berühmten Radio Music Hall in New York zeigen (ab 24 Uhr im Live Stream). Doch auch die Spekulationen, die das Unternehmen mit Informationshäppchen und Videos selbst anheizt, sagen viel aus: Der südkoreanische Konzern ist inzwischen mehr als ein schneller und effizienter Nachmacher – er ist inzwischen in der Lage, selbst Trends zu setzen. Das ist im scharfen Wettbewerb allerdings auch nötig.

An Masse mangelt es Samsung nicht, der koreanische Hersteller ist die Nummer 1 im Smartphone-Markt. „Samsung geht in die Breite und bietet Produkte in allen Preisklassen an“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim IT-Marktforscher Gartner. Dabei profitiert der Elektronikkonzern davon, dass er einmal als Zulieferer anfing und fast alle Teile in riesigen Mengen selbst herstellt. Er kann seine Geräte somit sehr schnell entwickeln und günstig anbieten. Und er kann sich Experimente leisten: Samsung bringt Smartphones in allen Größen und Preisklassen heraus. So gelang mit Riesen-Geräten wie dem Galaxy Note ein überraschender Erfolg.

Die Geschichte von Samsung

  • Konzern mit langer Geschichte

    Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

  • Trockennahrung und Getreidemühlen

    Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

  • Umzug im Korea-Krieg

    Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

  • Lebensversicherungen

    1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

  • Fernseher und Kühlschränke

    Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

  • Telekommunikationsausrüstung

    1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

  • Generationswechsel und Umstrukturierung

    Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

  • Autotelefone und Smartphones

    In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

  • Tablet-Computer und intelligente Uhren

    Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Doch wenn es um Klasse geht, fällt bislang vor allem ein Name: Apple. Der iKonzern erfand das Smartphone neu und war die treibende Kraft im Markt. Auch wenn der Wow-Faktor seit dem Tod von Firmengründer Steve Jobs etwas verloren ging, ist Apple unschlagbar profitabel.

Dagegen fielen die Samsung-Smartphones und -Tablets lange nicht als besonders innovativ auf – gerade die frühen Modelle sahen iPhone und iPad von Apple zum Verwechseln ähnlich. Das bescherte dem Hersteller im bislang wohl größten Patentprozess der Elektronikbranche vor einem kalifornischen Bezirksgericht eine krachende Niederlage.

Doch daraus hat Samsung gelernt. Das Design der Geräte ist mittlerweile deutlich eigenständiger. Mit der Stifteingabe setzt das Unternehmen eigene Akzente, und mit Riesen-Smartphones jenseits der 4,5 Zoll wie dem Galaxy Note II gibt es einen Trend vor, dem alle außer Apple folgen.

Und weil sich die Ausstattung der Geräte immer mehr annähert, investiert Samsung in die Entwicklung von Software – hier schwächelte das Unternehmen lange. So unterstützt das Unternehmen vielversprechende Startups im Silicon Valley; zuletzt legte es einen Fonds mit 100 Millionen Dollar auf, in einem anderen Topf steht bereits eine Milliarde Dollar bereit. Auch ein Gutteil der vielen Patente dürfte sich um Software drehen. Allerdings sieht Gartner-Analystin Zimmermann immer noch Schwächen im Zusammenspiel von Hardware und Software, mit dem sich Apple einen Namen gemacht hat.

Ein Erfolgsfaktor ist auch das Marketing: Nach Einschätzung des Technologie-Marktforschers Asymco investierte Samsung im vergangenen Jahr gigantische 12 Milliarden US-Dollar und damit deutlich mehr als beispielsweise Apple, Microsoft oder Coca-Cola ausgaben. Immer stärker rückt dabei die Marke Galaxy in den Mittelpunkt, unter der inzwischen nicht nur Smartphones firmieren, sondern auch Tablet-Computer und Kameras. „Inzwischen hat die Marke Galaxy mehr Zugkraft als die Marke Samsung“, sagt Analystin Zimmermann.

Infografik

Betriebssysteme

Marktanteile in %


( mit der Maus über die Grafik fahren)


Die Investitionen zeigen Wirkung. Zwar hat die Marke Apple noch mehr Strahlkraft, doch Samsung gewinnt in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr an Glanz. Apple und Samsung seien in der Wahrnehmung der Konsumenten inzwischen relativ gleichwertig, sagt Zimmermann: „Jedes Kind weiß, was ein iPhone und was ein Galaxy ist.“ Gerade bei der jüngeren Kundschaft zieht die Marke Samsung.

Mittlerweile zeigt Apple Nerven. Kurz vor der Präsentation des neuen Galaxy-Smartphone gab Marketing-Chef Phil Schiller mehrere Interviews. Im „Wall Street Journal“ stichelte er etwa, Android-Smartphones würden oft als „Gratis-Ersatz“ für einfache Handys verteilt, die Nutzererfahrung sei aber nicht so gut wie beim iPhone. Der Vorstoß überrascht, weil Apple sich sonst sehr verschwiegen gibt.

Darauf ausruhen kann sich der südkoreanische Hersteller nicht. Denn der Wettbewerb im Smartphone-Markt heizt sich auf. Das iPhone von Apple ist für viele Nutzer nach wie vor das Maß der Dinge. Gleichzeitig schließen andere auf, vor allem die Chinesen. „Hersteller wie Huawei bieten eiskalt Geräte an, die von der Technik fast so gut sind wie das Galaxy, aber 200 Euro weniger kosten“, sagt die Analystin. „Man kann sich schwer über Hardware differenzieren, das muss über Software geschehen.“ Mit mit „Eye Scroll“ oder Gestensteuerung. Ab Mitternacht wird man mehr wissen.

  • 14.03.2013, 23:21 UhrIngenius

    @herman.12
    Lieber Herman das hört sich, ehrlich gesagt, ein bisschen arrogant an.
    Ich bin selbst Apple-User und ich mag die Qualität, Verwindungssteifigkeit und Bruchfestigkeit vor allem aber die Einfachheit und Eloquenz des Betriebssystems.
    Doch Apple, der Superinnovator, der mal wieder mit IPOD, IPHONE und IPAD die Computer- und HandIndustrie durcheinander gewirbelt hat, wirkt in letzter Zeit ein wenig verschlafen.
    Andere kratzen schon mit dem Hufen und werfen viel Geld ins Spiel.
    Apple sollte langsam wieder Gas geben und vor allem nicht User verärgern.
    Ich habe z.B. ein IPAD 3 und eine 3G Karte, kann aber damit nur über Skype telefonieren, ich habe keine echte Telefonfunktion, nicht einmal sie Adressdaten meiner Karte kann ich einlesen, das ist doch lächerlich. Die Clouds sind klasse, aber langsam, also möchte ich auch über USB auf die Schnelle Daten oder Fotos hin und her schieben, was aber nicht geht.
    Die Rechtschreibkorrektur ist sehr gut, doch zu wenig konfigurierbar.

    Doch lassen wir die Kritik, noch ist Apple die schönere Braut, doch ein IPAD5 hole ich mir nicht mehr, wenn sich an den Kritikpunkten nichts ändert.
    Meine Kritik an Samsung möchte ich auch nicht verhelen:
    Der Bildschirm bei Telefonen geht schnell, schon bei kleineren Verwindungen zu Bruch, ebenso das Gehäuse. Die Geräte sind nicht so zuverlässig, das entspricht meiner Erfahrung und ich gand Bestätigung bei FixYa. Die sagen, ein Iphone ist 300 % zuverlässiger als ein S 3.

    Etwas humoriges mit wahrem Hintergrund am Schluß:
    Warum begrüßen sich die Leute mit Samsung Geräte mit einer Anzahl an herausgestreckten Fingern?
    Antwort: Damit zeigen sie an, vor wieviel Jahren sie das letzte Update erhalten hatten.
    Wahrscheinlich haben sie dass von den RO-80 Fahren abgeschaut, die damit signalisierten, der wievielte Motor schon m Auto ist.

  • 14.03.2013, 17:20 Uhrhermann.12

    Es ist schon belustigend, wie immer wieder versucht wird, nachzuweisen das man besser als Apple ist, trotz der Unfähigkeit selbst neue Konzepte zur Marktreife zu bringen.
    Apples Erfolg basiert auf 2 Säulen:
    1. Es baute Produkte für den Kunden und dann erst für den Gewinn.
    2. Apple setzt auf Qualität statt Variabilität.

    Sicher Samsumg ist billiger, was für Nachahmer Produkte nun wirklich nichts Neues ist und Samsung setzt auf die Befriedigung aller möglichen Wünsche, auf Kosten von Stabilität und Qualität.
    Das ist für viele Kunden völlig in Ordnung und erreicht am Ende auch mehr Masse, aber deshalb wird man noch lange nicht zum neuen "Apple", nur weil man den Verdienst optimiert auf Kosten dessen, was Apples größter Vorteil ist.
    Ob Apple ohne Steve Jobs mehr ist als ein IT Unternehmen, davon ist nicht auszugehen, wohl aber, dass der Geist von Steve Jobs noch eine Weile nachhallt.
    sicher ist jedenfalls, ohne Apple gäbe es kein Samsung Galaxy, keine Android oder deren Konkurrenten.

    H.

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