Kampf um die Spitze: Wie Samsung das neue Apple werden will

Kampf um die Spitze
Wie Samsung das neue Apple werden will

So einen Hype entfachten früher nur Apple-Produkte: Samsung stellt heute Abend sein Smartphone-Flaggschiff Galaxy S4 vor. Damit will der koreanische Hersteller den Rivalen Apple als Taktgeber der digitalen Welt ablösen.

DüsseldorfDa wäre zum Beispiel die neue Augen-Steuerung. Stimmen die Gerüchte, wird der Smartphone-Hersteller Samsung sein neues Spitzenmodell Galaxy S4 mit einer Funktion namens „Eye Scroll“ ausrüsten. Über die Kamera soll das Gerät die Augenbewegungen des Nutzers verfolgen und den Bildschirm-Inhalt passend verschieben – etwa wenn beim Lesen das Ende eines Absatzes erreicht ist.

Ob Samsung wirklich diese futuristisch anmutende Funktion einführt, wird erst die Präsentation heute Abend in der berühmten Radio Music Hall in New York zeigen (ab 24 Uhr im Live Stream). Doch auch die Spekulationen, die das Unternehmen mit Informationshäppchen und Videos selbst anheizt, sagen viel aus: Der südkoreanische Konzern ist inzwischen mehr als ein schneller und effizienter Nachmacher – er ist inzwischen in der Lage, selbst Trends zu setzen. Das ist im scharfen Wettbewerb allerdings auch nötig.

An Masse mangelt es Samsung nicht, der koreanische Hersteller ist die Nummer 1 im Smartphone-Markt. „Samsung geht in die Breite und bietet Produkte in allen Preisklassen an“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim IT-Marktforscher Gartner. Dabei profitiert der Elektronikkonzern davon, dass er einmal als Zulieferer anfing und fast alle Teile in riesigen Mengen selbst herstellt. Er kann seine Geräte somit sehr schnell entwickeln und günstig anbieten. Und er kann sich Experimente leisten: Samsung bringt Smartphones in allen Größen und Preisklassen heraus. So gelang mit Riesen-Geräten wie dem Galaxy Note ein überraschender Erfolg.

Doch wenn es um Klasse geht, fällt bislang vor allem ein Name: Apple. Der iKonzern erfand das Smartphone neu und war die treibende Kraft im Markt. Auch wenn der Wow-Faktor seit dem Tod von Firmengründer Steve Jobs etwas verloren ging, ist Apple unschlagbar profitabel.

Dagegen fielen die Samsung-Smartphones und -Tablets lange nicht als besonders innovativ auf – gerade die frühen Modelle sahen iPhone und iPad von Apple zum Verwechseln ähnlich. Das bescherte dem Hersteller im bislang wohl größten Patentprozess der Elektronikbranche vor einem kalifornischen Bezirksgericht eine krachende Niederlage.

Doch daraus hat Samsung gelernt. Das Design der Geräte ist mittlerweile deutlich eigenständiger. Mit der Stifteingabe setzt das Unternehmen eigene Akzente, und mit Riesen-Smartphones jenseits der 4,5 Zoll wie dem Galaxy Note II gibt es einen Trend vor, dem alle außer Apple folgen.

Und weil sich die Ausstattung der Geräte immer mehr annähert, investiert Samsung in die Entwicklung von Software – hier schwächelte das Unternehmen lange. So unterstützt das Unternehmen vielversprechende Startups im Silicon Valley; zuletzt legte es einen Fonds mit 100 Millionen Dollar auf, in einem anderen Topf steht bereits eine Milliarde Dollar bereit. Auch ein Gutteil der vielen Patente dürfte sich um Software drehen. Allerdings sieht Gartner-Analystin Zimmermann immer noch Schwächen im Zusammenspiel von Hardware und Software, mit dem sich Apple einen Namen gemacht hat.

Ein Erfolgsfaktor ist auch das Marketing: Nach Einschätzung des Technologie-Marktforschers Asymco investierte Samsung im vergangenen Jahr gigantische 12 Milliarden US-Dollar und damit deutlich mehr als beispielsweise Apple, Microsoft oder Coca-Cola ausgaben. Immer stärker rückt dabei die Marke Galaxy in den Mittelpunkt, unter der inzwischen nicht nur Smartphones firmieren, sondern auch Tablet-Computer und Kameras. „Inzwischen hat die Marke Galaxy mehr Zugkraft als die Marke Samsung“, sagt Analystin Zimmermann.

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Die Investitionen zeigen Wirkung. Zwar hat die Marke Apple noch mehr Strahlkraft, doch Samsung gewinnt in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr an Glanz. Apple und Samsung seien in der Wahrnehmung der Konsumenten inzwischen relativ gleichwertig, sagt Zimmermann: „Jedes Kind weiß, was ein iPhone und was ein Galaxy ist.“ Gerade bei der jüngeren Kundschaft zieht die Marke Samsung.

Mittlerweile zeigt Apple Nerven. Kurz vor der Präsentation des neuen Galaxy-Smartphone gab Marketing-Chef Phil Schiller mehrere Interviews. Im „Wall Street Journal“ stichelte er etwa, Android-Smartphones würden oft als „Gratis-Ersatz“ für einfache Handys verteilt, die Nutzererfahrung sei aber nicht so gut wie beim iPhone. Der Vorstoß überrascht, weil Apple sich sonst sehr verschwiegen gibt.

Darauf ausruhen kann sich der südkoreanische Hersteller nicht. Denn der Wettbewerb im Smartphone-Markt heizt sich auf. Das iPhone von Apple ist für viele Nutzer nach wie vor das Maß der Dinge. Gleichzeitig schließen andere auf, vor allem die Chinesen. „Hersteller wie Huawei bieten eiskalt Geräte an, die von der Technik fast so gut sind wie das Galaxy, aber 200 Euro weniger kosten“, sagt die Analystin. „Man kann sich schwer über Hardware differenzieren, das muss über Software geschehen.“ Mit mit „Eye Scroll“ oder Gestensteuerung. Ab Mitternacht wird man mehr wissen.

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