Kampf um Marktanteile belastet
Gericom überrascht mit Gewinnwarnung

Analysten sind von der gestern Nacht ausgegebenen Gewinnwarnung bei dem Linzer Laptopassembler Gericom AG überrascht. „Das war schon deftig“ sagte etwa Erste Bank-Analystin Brigitte Kellerer-Wendelin gegenüber Reuters.

Reuters WIEN. Gericom hatte gestern knapp vor Mitternacht bekannt gegeben, dass im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2003 ein Umsatz- und Ergebniseinbruch eine Revison der Ziele für 2003 erfordert habe.

„Der Kampf um Marktanteile auf dem europäischen Notebook-Markt hat den Umsatz und das Ergebnis der Gericom AG im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003 belastet. Trotz einer Steigerung bei den abgesetzten Stückzahlen um rund 20 % auf über 94 000 verringerte sich nach den jetzt vorliegenden Zahlen der Quartalsumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 % auf 110,5 (123,0) Mill. €“, hatte es in der Adhoc-Mitteilung geheißen.

Hauptursache seien die stark rückläufigen Durchschnittpreise für Notebooks gewesen, die Gericom mit minus 22 % gegenüber dem Vorjahresquartal angab. „Gleichzeitig konnten aufgrund des negativen konjunkturellen Umfeldes die wichtigsten Vertriebspartner von Gericom die vertraglich vereinbarten Stückzahlen im zweiten Quartal nicht absetzen“, so die Adhoc-Mitteilung weiters. Im Interesse einer langfristigen Festigung der Partnerschaft und um im weiteren Jahresverlauf gemeinsam weitere Marktanteile zu gewinnen, habe Gericom daher auf die Durchsetzung von Ansprüchen verzichtet. Im Gegenzug hätten sich diese Vertragspartner verpflichtet, ein festgelegtes Jahresziel mit Gericom als strategischem Partner zu erreichen.

„Da ist es zu einigen Abverkäufen gekommen, die nicht geplant waren“, sagte Kellerer-Wendelin. Dies habe aber wieder in einer laut Gericom „einmaligen Sonderbelastung des operativen Ergebnisses“ resultiert. „Wichtig wird sein, dass die Firma am Donnerstag klar erläutert, was da geschehen ist und ob das wirklich einmalig ist“, sagte Thomas Neuhold, Analyst in der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) gegenüber Reuters.

„Ich erwarte im dritten und vierten Quartal keine großen Sprünge. Der Markt wächst zwar, aber es herrscht enorme Konkurrenz und der Kuchen ist nicht so groß, dass alle wachsen und gut verdienen können“, sagte Kellerer-Wendelin. „Ich sehe keine wirkliche Änderung im Markt“, fügte sie an.

BA-CA-Analyst Neuhold glaubt hingegen, dass sich die Situation im dritten und vierten Quartal schon alleine saisonal bedingt bessern sollte, schränkt aber ein: „Es gibt kaum technologische Quantensprünge bei Notebooks, daher geht alles über den Verkaufspreis“, und das bringe wiederum die Margen unter Druck.

Auch Analyst Mark Kerekes von der Raiffeisen Centrobank (RCB) war von der Gewinnwarnung überrascht, es erfolgte aber prompt die Rückstufung der Gericom-Aktie. Die RCB hat Aktien der Gericom AG auf „neutral“ von zuvor „kaufen“ zurückgestuft.

Mindestens eine weitere Rückstufung gibt es nach Angaben aus Marktkreisen, alle drei Analysten wollen außerdem ihre Gewinnschätzungen überarbeiten und warten nur noch auf nähere Indikationen seitens Gericom. Kellerer-Wendelin und Neuhold sind vor allem daran interessiert, „wie groß der Margendruck wirklich ist“, sagten sie übereinstimmend.

Für das gesamte erste Halbjahr 2003 ergibt sich laut den vorläufigen Zahlen von Gericom ein Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr von 11,6 % auf 235,5 (211,0) Mill. €. Das Betriebsergebnis (EBIT) habe 4,2 nach 9,9 Mill. € im Vorjahreszeitraum erreicht. Dennoch habe Gericom gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 einen deutlich höheren Cashflow von plus 13,8 (minus 12,3) Mill. € erwirtschaftet.

Die liquiden Mittel haben sich laut den im Rahmen der Gewinnwarnung genannten Zahlen auf 51,4 Mill. € zum Stichtag 30. Juni 2003 nach 37,6 Mill. € per Ende 2002 erhöht.

„Vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten konjunkturellen Situation auf dem Kernmarkt Deutschland und des intensiven Wettbewerbs in Europa revidieren wir unsere Umsatz- und Ergebnisziele für 2003“, führte Gericom aus. Das Unternehmen erwarte „auf Basis einer vorsichtigen Planung“ einen Gesamtjahresumsatz auf Vorjahresniveau von ca. 540 Mill. €, aber ein im Vergleich zum Vorjahr deutlich rückläufiges EBIT. Dieses hatte 2002 noch plus 23,8 Mill. € betragen.

Die Gericom-Aktien reagierten heftig auf die Gewinnwarnung und rasselten zeitweise mehr als 20 % auf das bisherige Tagestief bei 9,70 in den Keller. Danach erholte sich die Aktie ein wenig und notierte gegen 1530 Uhr MESZ nach fast 270 000 Stück in Einfachzählung bei 10,38 (12,35).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%