Kampf um Marktanteile
Sony zieht die Preisschraube an

Sony senkt den Preis seiner Spielekonsole Playstation 3 um 100 auf 299 Euro. Zugleich führen die Japaner eine neue Version der Konsole ein, die kleiner und sparsamer ist. Ihre Hoffnung ist 30 Prozent mehr Absatz.

KÖLN. Die „PS3 Slim“ genannte Konsole soll im September für ebenfalls 299 Euro in den Handel kommen. Sie ist mit einer größeren Festplatte ausgestattet und hat einen um 30 Prozent geringeren Stromverbrauch. Sony-Deutschlandchef Uwe Bassendowski zeigte sich im Gespräch mit dem Handelsblatt optimistisch: Er will im laufenden Jahr 650 000 PS3 absetzen. Das wäre ein Zuwachs um 30 Prozent zu 2008. Weltweit rechnet der japanische Konzern mit rund 13 Mio. verkauften PS3 im laufenden Geschäftsjahr. Die Senkung des Stromverbrauchs gilt auch als Zugeständnis an die neue Rolle als Mediacenter im Wohnzimmer. Als Multimedia-Verteiler für Musik und TV-Sendungen wird die Spielekonsole ständig angeschaltet bleiben. Sony will die Vernetzung der Sparten Musik, Spiele und Computer mit aller Macht vorantreiben. Erst im Juni wurde ein Online-Musikkanal für die PS3 namens Videozone gestartet, eine Art modernes MTV. Der Dienst wurde innerhalb weniger Wochen über eine Millionen Mal aus dem Web geladen und verzeichnet bereits über 100 Mio. Videoabrufe. Der werbefinanzierte Service soll später auf Laptops und internetfähigen Flat-TVs angeboten werden. Im November startet ein Video-On-Demand-Dienst auf dem Playstation Network, der Filme in HD-Qualität anbieten wird. Verträge mit großen Studios seien abgeschlossen.

Die Preissenkung bei der Playstation war von Softwareherstellern wie Activision oder dem Sony-Partner Electronic Arts schon fast eingefordert worden. Die Softwareverkäufe für die Konsole hatten zuletzt die Erwartungen enttäuscht. Sony liegt weltweit mit knapp über 24 Mio. verkauften PS3 hinter Microsofts Xbox mit 30 Mio. zur Jahresmitte. Der Abstand zu Nintendos Wii mit über 50 Mio. verkauften Einheiten ist uneinholbar. Die Wii kostet in Deutschland derzeit 249 Euro, die billigste Xbox 360 nur 179 Euro.

Für die Konkurrenz kam die Preissenkung nicht überraschend. „Sony musste handeln“, sagte Oliver Kaltner, Geschäftsführer der Sparte Microsoft Entertainment. Absatzzahlen für Deutschland will er für die Microsoft-Box nicht nennen. „Es war genau das Signal, das wir erwartet haben“, sagte Gerhard Florin, für das internationale Verlagsgeschäft bei Electronic Arts zuständig, am Rande der Gamescom in Köln. Vor allem die beiden Millionenseller „Need for Speed“ und „FIFA“, die im September in neuen Versionen erscheinen werden, dürften davon überproportional profitieren.

Analyst Michael Pachter von Wedbush Morgen glaubt, dass der Preisschnitt sinnvoll ist. Der Lackmustest aber sei, ob er die Verkäufe in den USA stabil zurück über „die 200 000 Plus-Marke“ monatlich hieven werde. Sollte Sony erfolgreich sein, werde Microsoft spätestens im Herbst ebenfalls die Preise senken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%