Kampf um Pro Sieben Sat 1
Teile und herrsche doch

Im Poker mit dem Kartellamt will Springer den Gewinn bringenden Spielfilmsender Pro Sieben opfern, um die anderen Sender der Familie noch übernehmen zu können. Experten und Management von Pro Sieben Sat 1 sind gegen die Transaktion. Denn die Zweifel sind groß, dass Springer ein Verkauf innerhalb weniger Wochen gelingt.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. „Einen Sender aus der Gruppe herauszuschneiden bringt nur Nachteile“, sagte ein Manager des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1. „Alle Sender sind untereinander engstens verzahnt.“ Zu dem Unternehmen gehören die vier großen Kanäle Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N 24 sowie der Mitmachsender Neun Live. Die Sender Sat 1 und N 24 haben ihren Sitz in Berlin, Pro Sieben, Kabel 1 und Neun Live sitzen vor den Toren Münchens.

In den vergangenen fünf Jahren wurde die Gruppe rund um die zuvor unabhängigen, großen Sender Sat 1 und Pro Sieben trotz vieler interner Rivalitäten zusammengeschweißt, um angesichts des schrumpfenden Fernsehwerbemarktes die Kosten zu senken. So betreiben die Sender ihre Studios gemeinsam, und der Filmeinkauf läuft zentral.

Der Nachrichtensender N24 ist zudem der Informationslieferant für die Gruppe. Eine wichtige Einnahmequelle von N24 ist deshalb der interne Verkauf. Ohne den Kunden Pro Sieben ist fraglich, ob der Kanal wirtschaftlich betrieben werden könnte. Zudem werden die Werbeplätze der Sendern gemeinsam vermarktet. „Die Machbarkeit des Springer-Plans ist gering. Wie soll denn das überhaupt operativ gehen?“ fragt sich deshalb das Management bei Pro Sieben Sat 1.

Offiziell hielt sich Vorstandschef Guillaume de Posch, ein Vertrauter des bisherigen Mehrheitsaktionärs Haim Saban, gestern mit einer Stellungnahme zurück. Er ließ nur mitteilen: „Die Pro Sieben Sat 1 Media AG war an den Besprechungen mit dem Kartellamt über einen möglichen Verkauf des Senders Pro Sieben nicht beteiligt.“ Der Vorstand werde ein mögliches Angebot prüfen, wenn weitere Informationen von Springer oder dem Kartellamt vorliegen.

Springer spricht derzeit mit mehr als einem halben Dutzend Investoren, darunter auch der französische Fernsehkonzern TF 1. Das Interesse der Franzosen am deutschen Fernsehmarkt ist nicht neu. Schon im Frühjahr 2003 hatte der Konzern mit dem Pro-Sieben-Sat-1-Mehrheitsaktionär Haim Saban über eine Beteiligung an Deutschlands größter Fernsehgruppe verhandelt. Eurosport-Chef Jacques Raynaud studierte wochenlang die Bücher in der Unterföhringer Konzernzentrale. TF-1- Chef Patrick Le Lay und Saban schätzen sich seit Jahren. Saban sitzt seit 2003 auch im Aufsichtsrat von TF 1. An Geld für eine Beteiligung mangelt es TF 1 nicht. In den ersten neun Monaten 2005 erwirtschaftete Frankreichs TV-Marktführer einen Umsatz von rund zwei Mrd. Euro und einen Gewinn von 181 Mill. Euro.

Trotz der intensiven Gespräche dämpft Springer allzu optimistische Erwartungen. In der Konzernzentrale war von einer „kleinen Chance“ die Rede. „Das ist eine extrem schwierige Situation“, hieß es. Beim Springer-Aktionär Hellman & Friedman ist die Skepsis groß. „Hellman & Friedman gibt die Schlacht verloren“, hieß es kürzlich in Kreisen der Investorengruppe, die auch an Pro Sieben Sat 1 beteiligt ist. Ein Sprecher der öffentlichkeitsscheuen Investorengruppe wollte sich gestern nicht äußern.

Springer hat mit Saban und seinen Partnern im August 2005 ein Übernahmeangebot vereinbart. Die Transaktion mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro braucht aber grünes Licht vom Kartellamt und der Medienkommission KEK. Beide Gremien sind unabhängig voneinander und lehnen aus unterschiedlichen Gründen die Übernahme der gesamten Sendergruppe ab. Mit einer Abtrennung von Pro Sieben würde Springer die wettbewerbsrechtlichen Vorbehalte aus dem Weg räumen.

Bei im Kartellverfahren beigeladenen Medienkonzernen wächst unterdessen die Kritik am Verhalten des Bundeskartellamts. „Der einzige Sender, der die Marktmacht von ,Bild’ verstärken könnte, ist Sat 1. Dieser müsste aus der Sendergruppe herausgelöst werden und nicht Pro Sieben“, hieß es bei einem Springer-Konkurrenten. Das Kartellamt mache sich zu einer „Basarbehörde“, indem sie Springer die Wahl zwischen Pro Sieben und Sat 1 lasse.

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