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Kandidatenduell im Netz: Youtube will TV-Alternative werden

Politik statt Katzen-Videos: Youtube will erwachsen werden. Das Videoportal überträgt die Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten live im Netz - und bringt sich so als Alternative zum klassischen TV ins Gespräch.

Screenshot
Die Bühne ist bereitet: YouTube überträgt die TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten live.

DüsseldorfDas Fernsehduell zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney ist nicht nur für die beiden Politiker eine Bewährungsprobe: Das Videoportal Youtube überträgt erstmals eine solche Debatte live. Damit erinnert die Google-Tochter daran, dass sie nicht nur Amateur-Clips von Hunden auf Skateboards und lachenden Babys oder abgefilmte TV-Ausschnitte im Programm hat, sondern auch immer mehr professionell produzierte Inhalte. YouTube will zeigen, dass es das Zeug zur Fernseh-Alternative hat.

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Beim TV-Duell arbeitet das Unternehmen mit dem amerikanischen TV-Sender ABC News zusammen: Die Medienprofis liefern die Bilder, die Videoplattform überträgt sie per Live Stream. Anschließend zeigt YouTube Kommentare und Analysen von Partnern; neben dem TV-Sender sind New York Times, Wall Street Journal und Talkmaster Larry King dabei. "Unabhängig davon wo auf der Welt Sie sind und wie Sie ins Internet gehen, können Sie die wichtigen Ereignisse der Wahl auf YouTube sehen", wirbt die Google-Tochter in ihrem Blog.

Deutschsprachige Experten gehen allerdings nicht auf Sendung. Dafür müssen Zuschauer das ZDF einschalten, das in der Nacht live überträgt und anschließend die Auftritte der Kandidaten bewertet. Immerhin steht bei YouTube die Debatte anschließend auch für Langschläfer in voller Länge online.

Die YouTube-Alternativen

  • MyVideo

    MyVideo ist in Deutschland die Nummer 2 der Videoportale. Ähnlich wie YouTube setzt die Plattform auf eine Mischung aus selbstgedrehten Clips der Nutzer und professionellen Produktionen, darunter 35.000 Musikvideos. Im Juli hatte MyVideo laut Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) 7,4 Millionen Nutzer zwischen Flensburg und Freiburg.

  • Dailymotion

    Dailymotion.com hat seinen Sitz in Frankreich, bietet aber 34 lokalisierte Versionen an. In Deutschland hat das Portal 2,8 Millionen monatliche Nutzer, weltweit rund 110 Millionen. Der französische Telekommunikationskonzern Orange hält derzeit 49 Prozent der Anteile und will laut Medienberichten den Rest zum Jahreswechsel übernehmen.

  • Clipfish

    Clipfish gehört der RTL-Gruppe und will mit Clips aus bekannten Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" punkten. Ein weiterer Schwerpunkt ist Musik. Lange Formate suchen Zuschauer dort aber vergeblich: Die verbreiten die Sender beim Portal RTL now als Video-on-Demand. Im Juli besuchten rund 1,5 Millionen Nutzer das Portal.

  • Mediatheken

    Alle großen TV-Sender stellen Teile ihres Programms online. Allerdings müssen die öffentlich-rechtlichen Anbieter die Videos bereits nach sieben Tagen wieder aus dem Netz nehmen. Zudem ist die Auswahl teilweise recht lückenhaft, gerade bei Spielfilmen. Bei privaten Plattformen wie RTL now liegt ein Teil der Sendungen hinter einer Bezahlschranke.

Schon seit längerem setzt YouTube auf professionelle Inhalte, um die Plattform für die Werbewirtschaft attraktiver zu machen. Die Google-Tochter hat zahlreiche Kanäle eingerichtet, auf denen sich Promis und Musiker, Medienmacher und Filmfirmen präsentieren können: Popstar Madonna, Basketballer Shaquille O’Neal und die Traumfabrik Disney sind etwa dabei. Auch der kriselnde Internet-Pionier AOL will demnächst Videos seiner Medienmarken verbreiten, etwa vom Nachrichtenportal Huffington Post.

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