Kapazitätsengpässe bremsen Geschäft
Intel kann nicht genügend Chips liefern

Der Chip-Produzent Intel hat ein Problem, weil er nicht genügend Halbleiter liefern kann. „Zuletzt konnten wir die Nachfrage in einem wichtigen Bereich nicht befriedigen“, sagte Hannes Schwaderer, Deutschland-Chef des US-Konzerns, gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt. Betroffen von dem Auftragsstau seien Bauteile (Chipsets) für billige PCs.

je/jojo PORTLAND/DRESDEN. Jetzt rüstet der Konzern kurzfristig zwei US-Fabriken auf, um Abhilfe zu schaffen, berichtet Schwaderer. Zudem würden alle freien Kapazitäten für die Chipset-Produktion genutzt. Chipsets sind Pakete, in denen Halbleiter zur Steuerung von PCs gebündelt werden. Schwaderer versicherte, dass Intel spätestens Anfang kommenden Jahres wieder alle Aufträge bedienen werde. Wie viel Umsatz Intel wegen der Lieferschwierigkeiten verloren hat, wollte das Unternehmen nicht sagen. Chipsets für Rechner gehören jedoch zum Kerngeschäft des Konzerns und tragen einen wesentlichen Teil zum Umsatz bei.

Trotz der Schwierigkeiten setzte das kalifornische Unternehmen im dritten Quartal mit 9,92 Mrd. Dollar fast ein Fünftel mehr um als vor einem Jahr. Intel profitierte dabei besonders von der starken Nachfrage nach seiner Centrino-Plattform. Dies ist ein Chippaket für Notebooks, mit dem die Nutzer drahtlos ins Internet gehen können und das deutlich weniger Strom verbraucht als frühere Lösungen.

Der Reingewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf zwei Mrd. Dollar oder 32 Cents pro Aktie. Die Analysten hatte mit 33 Cents gerechnet. Rund 250 Mill. Dollar an höheren Steuern und die Zahlung von 140 Mill. Dollar nach einem gerichtlichen Vergleich mit Micro-Unity über angebliche Patentverletzungen drückten das Nettoergebnis unter die Erwartungen.

Bereits vergangene Woche hatte Intel-Rivale AMD ein starkes Wachstum im dritten Quartal gemeldet und gute Zahlen vorgelegt. Auch AMD profitierte vom florierenden Geschäft mit den Notebook-Herstellern. Intel und AMD liefern sich seit Jahren eine heftige Auseinandersetzung, die im Sommer in einer Klage gipfelte. AMD wirft Intel vor, die Kunden mit wettbewerbswidrigen Maßnahmen an sich zu fesseln. Intel dominiert den wichtigen Markt für Mikroprozessoren, die das Hirn der Computer darstellen. Vier von fünf weltweit gebauten Rechnern werden mit Intel-Prozessoren ausgerüstet. In den vergangenen Monaten konnte AMD jedoch kräftig aufholen. „AMD hat technisch derzeit die Nase vorn, weil der Konzern in letzter Zeit die wegweisenden Produkte früher als Intel heraus gebracht hat“, sagt Johann Bartha vom Dresdener Institut für Halbleitertechnik. Das gelte etwa für die neuen, so genannten Zwei-Kern-Prozessoren.

AMD selbst hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Marktanteil in den kommenden drei Jahren von 20 auf 30 Prozent zu steigern. Intel allerdings ist fest entschlossen, seine führende Stellung zu verteidigen. Für das derzeit laufende vierte Quartal kündigte Finanzchef Andy Bryant erstmals einen zweistelligen Milliardenumsatz an, der zwischen 10,2 und 10,8 Mrd. Dollar liegen soll.

Ähnlich wie beim weltweit führenden Software-Konzern Microsoft honoriert aber die auf Wachstumsraten fixierte Börse auch bei Intel die Finanzstärke und überragende Marktstellung des Unternehmens nicht mehr. Gestern ging der Kurs erneut in die Knie und notierte im frühen Handel an der Wall Street mit drei Prozent im Minus bei 23 Dollar. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete Intel mit 28,6 Mrd. Dollar Umsatz einen Reingewinn von 6,21 Mrd. Dollar. Dies entspricht einem Dollar Gewinn pro Aktie. Zudem generierte der Konzern sieben Mrd. Dollar an freiem Cashflow. Für das gesamte Jahr 2005 rechnet Bryant damit, dass die Erlöse um 14 bis 15 Prozent auf 39 Mrd. Dollar steigen und die Rohgewinnmarge um zwei Prozentpunkte auf 60 Prozent zunimmt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%