Kapitalerhöhung
Apollo bleibt bei Infineon außen vor

Aus dem großangelegten Einstieg des US-Finanzinvestors Apollo bei Infineon ist vorerst nichts geworden. Bei der Kapitalerhöhung des Chipherstellers nutzten die Altaktionäre den vergleichweise niedrigen Ausgabepreis und zeichneten fast 97 Prozent der neuen Infineon-Aktien.

HB MÜNCHEN. Damit fließen dem seit Monaten um seine Finanzierung ringenden Halbleiterkonzern mindestens 692 Mio. Euro zu. Der Konzern ist damit vorerst seine Finanzierungssorgen los und kann auf Staatshilfe verzichten. „Damit hat Infineon jetzt ein komfortables Polster, um durch die derzeitige Wirtschaftskrise zu kommen“, urteilte LBBW-Analyst Michael Busse. Die Infineon-Aktie notierte am Dienstagmittag gut behauptet bei 2,92 Euro. Analyst Busse warnte allerdings, es werde ab Freitag zu einer „gewaltigen Verwässerung“ kommen, wenn die neuen Aktien zum Handel zugelassen sind.

Infineon erwartet bis Dienstagnachmittag von Apollo eine Entscheidung, ob das Private-Equity-Unternehmen es sich mit dem ihm nun zustehenden Anteil von 1,4 Prozent beteilige. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich Apollo mit dem kleineren Anteil bescheiden wird. Finanzkreisen zufolge neigt die Private-Equity-Firma dazu, sich zu verabschieden, sollte sie nicht mindestens 15 Prozent erlangen. Denn das würde ihr nicht den Durchgriff auf das operative Geschäft von Infineon ermöglichen, auf den sie Wert legt. Geplant hatten die Amerikaner, sich einen Anteil von knapp 30 Prozent an Infineon zu sichern.

Doch dem Finanzinvestor winkt für seine Schützenhilfe immerhin eine satte Provision. Laut Emissionsprospekt ist vorgesehen, dass Apollo 21 Mio. Euro bekommt, sollten die Altaktionäre die Kapitalerhöhung alleine tragen. Denn Apollo hatte Infineon Rückendeckung gegeben und sich bereiterklärt, die neuen Aktien bei mangelnder Nachfrage der Altaktionäre notfalls auch alleine zu übernehmen. Diese Ankündigung allerdings beflügelte den Kurs der Infineon-Aktie. Weil dieser deutlich über dem Emissionspreis von 2,15 Euro je Aktie lag, griffen viele Altaktionäre zu den neu ausgegebenen Titeln. Zu den größten Anteilseignern des Chipherstellers gehören bislang der US-Fonds Dodge & Cox sowie die Investmentbank Merrill Lynch.

Branchenexperten erwarten nun, dass sich Infineon-Chef Peter Bauer anderen, womöglich noch kniffligeren Problemen seines Hauses zuwenden muss. „Der Weg zu einer teueren Lösung für das Gemeinschaftsunternehmen Altis sollte die nächsten Nachrichten bestimmen“, schrieb Analyst Busse. Das Joint-Venture, das Infineon zusammen mit IBM betreibt, sollte eigentlich längst an russische Investoren verkauft sein. Allerdings liegt die Transaktion seit einigen Quartalen auf Eis und gilt als gescheitert.

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