Karriereplanung
Internetportal Xing wirbt um Frauen

Das Karrierenetzwerk Xing braucht mehr Mitglieder und wirbt nun vor allem um potentielle Nutzerinnen. Eine Kooperation mit dem Familienministerium soll helfen, mehr Frauen für das Portal zu begeistern.
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BerlinFrauen pflegen gerne Kontakte und tauschen sich aus - mit Vorliebe auch online über Facebook & Co. Fast drei Viertel aller weiblichen Internetnutzer sind in sozialen Netzwerken aktiv. Bei den Männern sind es nur 61 Prozent, wie der Branchenverband Bitkom ermittelt hat. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Auf Karriereforen sind Frauen in der Minderheit.

Das will das Karrierenetzwerk Xing jetzt ändern. „Mittelfristig wollen wir den Anteil der Frauen auf unserer Plattform von heute 36 auf 50 Prozent steigern“, sagte Stefan Groß-Selbeck dem Handelsblatt. Der Xing-Chef hatte vor einigen Wochen angekündigt, die Mitgliederzahlen im deutschsprachigen Raum von derzeit mehr als fünf Millionen in den kommenden Jahren verdoppeln zu wollen. Nun machte er erstmals deutlich, dass er dabei stark auf die weibliche Klientel setzt.

Um das Ziel zu erreichen, will Xing künftig mit dem Bundesfamilienministerium zusammenarbeiten. Das Ziel: Frauen soll der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer familiären Pause erleichtert werden. Dazu will Xing mit der Unterstützung des Ministeriums unter anderem Seminare zur besseren Präsentation der eigenen Person und Leistungen im Internet anbieten.

Wie wichtig eine solche Präsentation ist, belegt eine Forsa-Umfrage unter 500 Frauen, die das Ministerium und Xing in Auftrag gegeben haben. Danach ist jeder zweiten Frau, die nach einer familienbedingten Pause wieder in den Beruf zurückkehrte, der Wiedereinstieg über persönliche Kontakte gelungen. Das waren aber vor allem Kontakte in der Offline-Welt.

„Das Potenzial im Internet bleibt nahezu ungenutzt“, sagte Groß-Selbeck. Nur zehn Prozent der befragten Frauen sind Mitglied in einem Karrierenetzwerk im Internet. Viele Frauen scheuen sich, ihre beruflichen Fähigkeiten im Internet zu präsentieren. „Sie empfinden eine hohe Hemmschwelle, Kontakte für ihr berufliches Fortkommen zu nutzen“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dem Handelsblatt. Frauen würden darauf vertrauen, dass sie in erster Linie ihre eigene Leistung voranbringe.

Netzwerke seien aber wichtig, um den eigenen Karriereanspruch klar genug anzumelden, ist Schröder überzeugt. Das Bundesfamilienministerium hat vor einiger Zeit das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ gestartet, das ebenfalls darauf abzielt, Frauen den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern. Dort werden Frauen unter anderem darin geschult, Gehaltsverhandlungen zu führen.

„Frauen sind da zu defensiv“, sagte Schröder. Die besten Module des Programms will die Bundesagentur für Arbeit nun für die eigene Regelbetreuung übernehmen. „Wiedereinsteigerinnen steht also ein echter Coaching-Baukasten zur Verfügung“, erklärte Schröder. Deshalb fand Xing mit der eigenen Initiative bei der Bundesfamilienministerin schnell ein offenes Ohr.

Die Netzwerktrainings, die ab April in fünf Großstädten angeboten werden sollen, passen gut in den Baukasten des Ministeriums. Eine weitere Idee besteht darin, auf Xing eine Gruppe einzurichten, in der Frauen, die in den Beruf zurückgekehrt sind, ihre Erfahrungen austauschen. Das Problem: In der Regel werden Vollzeitkräfte gesucht.

Ob sich die Hoffnungen von Xing und Schröder am Ende erfüllen werden, ist offen. Zwar ist ein Netzwerk wie Xing grundsätzlich gut geeignet, die eigene berufliche Position über diese Kontakte zu verbessern. Das könnte vor allem für Frauen attraktiv sein, die nach einer Pause zunächst auf eine niedriger bezahlte Stelle oder eine Teilzeitstelle zurückkehren. Doch das Problem: In der Regel werden in beruflichen Netzwerken Vollzeitkräfte gesucht.

Damit sind diese Netze per se nicht gerade ideal für Wiedereinsteiger. Das räumt auch Groß-Selbeck ein: „Aber je mehr Frauen sich bei uns registrieren, umso interessanter wird es für Personalchefs, auch Teilzeitangebote einzustellen.“ Familienministerin Schröder sieht die Situation pragmatisch. Letztlich kämen auch Frauen nicht mehr an Karrierenetzwerken vorbei: „Sie sind für mich ein Vitamin B des Internetzeitalters.“

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • völliger Quatsch: warum sollte ich bereits bestehende Kontakte über XING kontaktieren. umständlicher und überflüssiger gehts nimmer

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