Kartellamt: Veto gegen Videoplattform zeichnet sich ab

Kartellamt
Veto gegen Videoplattform zeichnet sich ab

Die geplante gemeinsame Videoplattform der Privatsender RTL und ProSiebenSat.1 wird schon seit längerem vom Kartellamt beobachtet. Nun haben die Wettbewerbshüter Bedenken angemeldet.
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FrankfurtDie gemeinsame Online-Videoplattform von ProSiebenSat.1 und RTL stößt beim Bundeskartellamt auf Skepsis. Die Wettbewerbshüter, die das Projekt seit längerem unter die Lupe nehmen, bestätigten am Donnerstag, dass es am Mittwoch das Vorhaben abgemahnt hat. Nachdem die Behörde nun ihre kartellrechtlichen Bedenken gegen das Vorhaben dargelegt hat, haben die beteiligten Unternehmen die Möglichkeit dazu Stellung zu nehmen. Die Frist für eine abschließende Entscheidung läuft bis zum 21. März 2011.

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Überprüfung ist das Bundeskartellamt demnach der Auffassung, dass die Gründung der gemeinsamen Plattform in der konkret geplanten Form das nach wie vor bestehende marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken würde. „Die nach dem derzeitigen Sachstand zu erwartende Koordinierung geschäftlicher Interessen über das Gemeinschaftsunternehmen würde darüber hinaus einen Verstoß gegen das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen darstellen“, teilte das Kartellamt mit.

Die beiden Fernsehkonzerne, die den milliardenschweren deutschen TV-Werbemarkt de facto unter sich aufteilen, wollten ein gemeinsames Internetportal für Fernsehsendungen ins Leben rufen. Dort sollen Nutzer kostenlos Serien, Filme, Shows oder Nachrichtensendungen privater und öffentlich-rechtlicher TV-Sender abrufen können. Zudem wollten die TV-Ketten damit der Tatsache Rechnung tragen, dass die Bundesbürger viel mehr Zeit im Internet verbringen. Auf den Portalen RTLnow und der Internet-Videothek Maxdome haben die Beiden zwar schon viele Sendungen online gestellt, doch sollte eine zentrale Plattform, auch für ARD und ZDF, den Durchbruch bringen. Vorbild war der US-Dienst „Hulu“, der mit Top-Serien wie den „Simpsons“ oder „The Office“ zu den beliebtesten Internet-Seiten des Landes gehört. Vor einiger Zeit wollte Hulu Medienberichten zufolge den Sprung nach Europa wagen - konkret wurden die Pläne bislang nicht.

Anlegern bereitete das drohende Aus dieses wichtigen Zukunftsprojektes Sorgen. Die im Nebenwerteindex MDax gelistete ProSieben-Aktie verlor 2,8 Prozent auf 21,70 Euro.

Bereits im Herbst hatte die EU-Kommission skeptisch zu den Plänen geäußert, da der Wettbewerb auf dem deutschen und österreichischen Markt für Internet-Fernsehen und Internet-Werbung beeinträchtigt werden könnte. Die eigentliche Prüfung wurde dem deutschen Kartellamt überlassen.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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