Kartellstreit
Google-Gegner drängen EU zum Handeln

Benachteiligt Google seine Konkurrenten? Die europäischen Kartellwächter ermitteln gegen den Suchmaschinen-Riesen. Nun drängen mehrere Unternehmen die EU, mehr gegen den Marktführer zu tun.
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DüsseldorfMehrere Google-Konkurrenten drängen die EU, im Kartellverfahren gegen den Suchmaschinen-Riesen schärfer vorzugehen. Die derzeitigen Verhandlungen über einen Vergleich allein reichten womöglich nicht aus, um „effektive und zukunftsfähige“ Maßnahmen zu treffen, erklärten elf Unternehmen und Verbände in einem offenen Brief an EU-Kommissar Joaqín Almunia. Sie forderten den Politiker auf, die Zugeständnisse, die Google in dem Streit angeboten hatte, offenzulegen.

Die EU-Kartellwächter untersuchen seit November 2010, ob Google seine Suchergebnisse manipuliert, indem es die eigenen Dienste begünstigt und die Angebote der Konkurrenz in seinen unbezahlten Trefferlisten benachteiligt. Um eine potenziell empfindliche Buße von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes zu verhindern, bot Google im Februar Änderungen an. Der Inhalt ist jedoch nicht bekannt. Mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent in Europa und sogar mehr als 90 Prozent in Deutschland beherrscht das Unternehmen mit seiner Suchmaschine den Markt.

„Wir müssen auf die Vorschläge von Google reagieren können“, sagte Andreas Stahl vom Verband freier Telefonbuch- und Auskunftsmedien (VfT), der das Schreiben unterzeichnet hat. „Wir haben das Gefühl, dass Google nur Pseudovorschläge macht“, sagte Stahl im Gespräch mit Handelsblatt Online. Seit Beginn des Verfahrens habe sich die Situation nicht verbessert – im Gegenteil.

Beispiel Hotels: Ganz oben stehen zwei Anzeigen, darunter die Hotelsuche von Google, erst darunter zwei unbezahlte Treffer. Auch in der rechten Spalte dominieren die Anzeigen des Such-Riesen. „Hier herrscht ein sehr großes Ungleichgewicht“, sagte Stahl. „Der freie Wettbewerb hat keine Chance, auf diese Plätze zu kommen.“ Google war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Internetkonzern müsse in seiner Suchmaschine alle Anbieter nach den exakt gleichen Kriterien behandeln, auch seine eigenen Websites, erklärten die Google-Gegner in ihrem Schreiben. Er habe jedoch jede Verzögerung ausgenutzt, „um seine wettbewerbsbeschränkenden Aktivitäten weiter zu etablieren, auszuweiten und zu verschärfen“.

Initiator des offenen Briefes ist die französische Firma Foundem, die mit ihrer Beschwerde das Verfahren in Brüssel in Gang gesetzt hatte. Sie unterstützen die Reiseportale Expedia und Tripadvisor, die Kartenanbieter Euro Cities AG und Hot Maps Medien sowie die deutschen Verlegerverbände BDZV, VDV und VfT.

Eine Frist müssen die europäischen Wettbewerbshüter nicht einhalten. Sie wollen aber bis zur Sommerpause bekannt geben, ob die Vorschläge des Suchmaschinen-Riesen reichen, um das Verfahren einzustellen. In den USA ist ein ähnliches Kartellverfahren für Google glimpflich ausgegangen.

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  • Sollten wir diese US-Größen nicht auch einen Teil selbst verschulden und verschuldet haben? Kann schon sein, aber erst dann, wenn in den Breitengraden, in denen wir Europäer leben, die Alarmglocken läuten. Alles wird schützungswürdig, sogar die generierten Paßwörter durch diese "Riesen".

    Werbung wird zu einem Kostenfaktor, der immer noch, aber mehr denn je, die Waren und Güter zum Selbstkostenpreis nach oben schrauben. Ätzend jedoch, wenn die Suchmaschine, um diese geht es doch nur eine unter vielen, sich erdreistet, die Dinge gleich mit dem Kauf des PC oder Notebooks oder gleichwertigen Medien mit eingebaut wird, damit die "Bedienerfreundlichkeit" voll zum Tragen kommt.

    Der Verfall der Sitten und Gebräuche der Menschheit in die und durch die Sofalage, hat wahrscheinlich nur Vorteile. Warum wird jedem permanent, der sich leiten lässt, vorgegaukelt, die schönste Wiese haben die Erfinder von copy, past and right.

    Vor dem Allmachtsanspruch von Abgehobenen Nationalisten in der Welt, war die Welt noch einigermaßen in Ordnung, mit und durch Eure Ansprüche wurde sie richtig geil und auch nach einem Zusammenbruch leben denkende Menschen auf dem anderen Teil des Planeten weiter. Ob diese dann eine neue Erfindung machen und bei Euch anmelden müssen, das stellt sich erst dann, wenn es soweit ist. Schöne ZEIT mit der ZEIT und auch danach. Schaden, ja Schaden fügt man diesen anderen zu, trifft einen irgendwann ohne Ankündigung ganz von alleine, ohne irren Knopfdruck des Computers.

  • "Wer Fakten möchte sollte sich einmal eine Adwords Kampagne leisten. Einfaches Rechenbeispiel: Wenn ein Werbeklick 1 EURO kostet und ca. 50 Klicks notwendig sind bis eine Conversion stattfindet hat der Werbende 50 Euro bezahlt."
    Richtig. Einige nutzen diese Kampagnen allerdings auch zu Branding-Zwecken.
    Bleibt trotzdem die Frage warum sich ein ähnliches Modell nicht in D etablieren kann?
    Weil es niemand schafft eine derartige Traffic-Maschine zu bauen,und vor allem auch weiter zu entwickeln und eine entsprechende Werbeplattform auf die Beine zu stellen. Da schenkt man doch lieber Amazon 14 Millionen.
    Die Angebote von google haben einen Markt. Warum sich aber niemand dieses Geschäft "ans Bein bindet" sollte man hinterfragen.
    Selbst wenn ich 20 Jahre jünger wäre, hätte ich keine Lust mir die Finger daran zu verbrennen, es haben zuviele Leute KEIN Interesse daran ein derartiges Angebot zu etablieren, und werden alles dran setzen, das sich da niemand zu weit aus dem Fenster legt.
    Die Anwalts- und Gerichtskosten werden jeden erschlagen, das "Leistungsschutzrecht" (das Wort sollte man sich einrahmen), tut sein übriges.
    Youtube ist das beste Beispiel dafür, allein sowas hirnrissiges wie eine "Gema-Vermutung" rechtlich stehen zu lassen, sagt eigentlich alles.
    So wird zugelassen das eine Suchmaschine als synonym für Internet gebrandet wird, obwohl es nur eine Suchmaschine ist, eine Suchmaschine, eine weltweite Suchmaschine...
    Ein Script welches jeder halbwegs logisch denkende Progger zustande bringen kann, könnte. Denn Internet ist keine nationale Veranstaltung, es reicht inzwischen in jeder Ecke der Welt, und da braucht man unbedingt ein deutsches Impressum *lol*

  • Das beste am Google System ist das es von den selbsternannten Netzexperten nicht hinterfragt sondern bis aufs Blut verteidigt wird. Wer Fakten möchte sollte sich einmal eine Adwords Kampagne leisten. Einfaches Rechenbeispiel: Wenn ein Werbeklick 1 EURO kostet und ca. 50 Klicks notwendig sind bis eine Conversion stattfindet hat der Werbende 50 Euro bezahlt. Wenn das ein Kleinunternehmen tut, kann es nach 1 Jahr seinen Laden abschliessen. Der Erfolg von Google strahlt zwar hell - aber nicht ab. Der Einzige der richtig absahnt ist Google. Auch die Agenturen die Google Adwords anbieten krebsen mit minimal Verwaltungsbudgets am Existenzminimum. Microsoft wurde sehr oft wegen der Internetexplorer dominanz rechtlich angegangen - wer kümmert sich nun einmal um Google und sein Geschäftsmodell? Am wenigsten beachtet ist der massive Klickfraud der zugunsten Googles stattfindet. d.h. Dienstleister aus Fernost und auch BOT Netzwerke,welche die Werbenaziegen von Wettbewerbern wegklicken ohne das auch nur ein einziger Verkauf stattgefunden hat. In Amerika geht man davon aus das 20% der Google Einnahmen auf diesem illegalen Weg generiert wurden. Google "kümmere" sich darum sagen die "Evangelisten" sehr schnell. Faktr ist dass sie es nicht in den Griff bekommen und statt dessen lieber hier in Berlin "Unter den Linden" Politiker Lobbyarbeit vom feinsten betreiben. Von kritischen Journalisten ist nix zu sehen. Und versuchen Sie einmal einen Google Mitarbeiter persönlich zu sprechen - viel Spaß! Und so liegt es wieder einmal am Verbraucher mit einem Klick weiter zur nächsten Suchmaschine fakten zu schaffen!

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