Kartellstreit mit EU
Microsoft lässt Wettbewerb bei Browsern zu

Microsoft hat mit der EU-Kommission Frieden geschlossen: Der US-Softwarekonzern bietet Nutzern Alternativen an und erfüllt damit die Forderung der Wettbewerbsbehörde. Microsoft wendete mit weitreichenden Zugeständnissen eine erneute Kartellstrafe ab. Allerdings muss das Unternehmen dafür einiges tun.
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HB BRÜSSEL. Die Nutzer des Betriebsystems Windows können künftig zwischen zwölf verschiedenen Webbrowsern wählen. Dazu hat sich der Windows-Anbieter Microsoft unter dem Druck der EU-Kommission freiwillig verpflichtet. Die Brüsseler Wettbewerbshüter stellten deshalb gestern ihr Kartellverfahren gegen den US-Software-Giganten ein.

Mit dem Zugeständnis habe Microsoft "100 Millionen europäischen Verbrauchern ein Weihnachtsgeschenk" gemacht, lobte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Künftig könnten die Konsumenten anstelle des Internet Explorers von Microsoft problemlos andere Navigatoren installieren, etwa Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera. Alle Nutzer von Windows XP, Windows Vista und Windows 7 erhalten ab März 2010 per Update automatisch einen Auswahlbildschirm mit den zwölf in Europa am meisten genutzten Browsern. Computerhersteller können die Windows-Betriebssysteme künftig mit einem Browser ihrer Wahl verknüpfen.

Bisher war Windows fest mit dem Internet Explorer von Microsoft verbunden. Die EU-Kommission warf dem US-Konzern deshalb Anfang dieses Jahres vor, den Wettbewerb zu verzerren. Denn Microsoft stattet weltweit neun von zehn Computern mit seinem Betriebssystem Windows aus. Wer einen anderen Browser als den Internet Explorer nutzen will, muss sich die Software im Internet beschaffen.

Internet Explorer dominiert

Deshalb ist der Explorer mit rund 56 Prozent der Nutzer das mit großem Abstand führende Produkt. Firefox von der Mozilla-Stiftung folgt mit einem Anteil von 32 Prozent. Die norwegische Firma Opera Software, auf deren Beschwerde hin die Kommission Anfang 2008 aktiv wurde, kommt auf zwei Prozent.

Microsoft müsse damit aufhören, seinem Internet Explorer einen künstlichen Vertriebsvorteil zu verschaffen, verlangten die Brüsseler Wettbewerbshüter im Januar. Elf Monate später hat der US-Konzern diese Forderung nun erfüllt. Damit seien die wettbewerbsrechtlichen Vorwürfe gegen Microsoft auf diesem Gebiet entkräftet, erklärte EU-Kommissarin Kroes.

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