Kartellstreit

US-Regierung blockiert T-Mobile-Übernahme

Die US-Kartellwächter wollen den Verkauf von T-Mobile USA an AT&T verbieten. Anleger reagieren schockiert auf das mögliche Scheitern des Verkaufs der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom.
Update: 31.08.2011 - 20:15 Uhr 13 Kommentare
Der Verkauf von T-Mobile in den USA könnte doch noch fehlschlagen. Quelle: dapd

Der Verkauf von T-Mobile in den USA könnte doch noch fehlschlagen.

(Foto: dapd)

WashingtonEs hätte der große Befreiungsschlag für die Telekom mit ihrer chronisch schwächelnden US-Mobilfunktochter T-Mobile USA werden sollen. Doch der geplante Verkauf an den US-Telekommunikationsriesen liegt nun erst einmal auf Eis: Das US-Justizministerium hat vor einem Bundesgericht Klage gegen den 39 Milliarden Dollar schweren Deal eingereicht.

Durch den Verkauf würde „der Wettbewerb signifikant eingeschränkt“, hieß es am Mittwoch zur Begründung. Die Gefahr bestehe, dass ein bedeutender Wettbewerber aus dem Mobilfunkmarkt verschwinde. „Die Kombination von AT&T und T-Mobile hieße für Millionen Kunden in den Vereinigten Staaten höhere Preise, weniger Auswahl und schlechtere Qualität“, schrieb das Justizministerium in einer Stellungnahme. Mit der Klage will die US-Regierung verhindern, dass der Deal in die Tat umgesetzt wird. Nun liegt der Fall vor Gericht.

Nachdem die Nachricht in der Welt war, stürzte die Aktie der Deutschen Telekom ein. Der Kurs fiel an der Frankfurter Börse binnen Minuten von einem deutlichen Plus um mehr als sechs Prozent. Auch die Aktie von AT&T verlor an der New Yorker Börse an Wert. Die Papiere des Konkurrenten Sprint schossen dagegen um fast zehn Prozent nach oben.

Die Telekom und AT&T kündigten an, mit allen Mitteln gegen die Klage des Ministeriums kämpfen zu wollen. „Die Entscheidung des amerikanischen Department of Justice, Rechtsmittel im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Übernahme der T-Mobile USA durch AT&T einzulegen, bedeutet nicht das Aus für die geplante Transaktion“, erklärte die Telekom. „Wir werden zusammen mit AT&T für die geplante Transaktion auch vor Gericht eintreten.“

Aufsichtsrechtlich hat in den USA die Federal Communications Commission (FCC) die Entscheidung über solche Fusion zu treffen. Deren Chef, Julius Genachowski, erklärte gestern: „Wettbewerb ist ein essentieller Bestandteil der Analyse der FCC und auch wenn diese noch nicht abgeschlossen ist, sind durch die bisherigen Untersuchungen erhebliche Bedenken hinsichtlich des Einflusses dieser Transaktion auf den Wettbewerb entstanden.“

Kritiker befürchten eine übermächtige Stellung von AT&T auf dem Mobilfunkmarkt, sollte sich der Telefonriese den deutschen Mobilfunker einverleiben. Nach der Bekanntgabe der Pläne im März hatten Verbraucherschutzorganisationen und Wettbewerber gegen die Übernahme protestiert. AT&T könnte nun vor Gericht gegen die Anordnung des US-Justizministeriums vorgehen.

Sollte die Übernahme scheitern, könnte vor allem T-Mobile unter Druck geraten. Die Muttergesellschaft Deutsche Telekom hatte bereits angekündigt, kein weiteres Geld in das US-Tochterunternehmen zu investieren. AT&T hat T-Mobile jedoch zur Entschädigung, falls der Deal platzen sollte, drei Milliarden Dollar und Netzrechte im Milliardenwert versprochen.

Es könnte der größte Mobilfunkkonzern der USA werden
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13 Kommentare zu "Kartellstreit: Verkauf von T-Mobile USA steht auf der Kippe"

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  • Was soll den dieser Blödsinn.
    Maggi, Knorr, Pfanni sind deutsche Unternehmen ...hä ??
    Das sind Marknamen.
    Maggi gehört Nestlé und Knorr und Pfanni gehört Unilever. Sind das vielleicht deutsche Unternehmen ?!? Hansaplast ist ein kein eigenes Unternehmen sondern die Beiersdorf AG (ist aber deutsch).

  • Die Argumentation des Justizministeriums ist auf Grundlage der ihm vorliegenden Schreiben richtig und konnte nicht anders ausfallen. Der Witz an der Sache ist doch, dass die Rechtsanwälte von AT&T selbst interne Schreiben dem Ministerium übergeben haben, nach eigener Darstellung ein Versehen, die das genaue Gegenteil aussagen von dem, was in dem Antrag gesagt wird. Wem nützt dieser Fehler und ist er tatsächlich zufällig passiert. Das Ganze riecht doch förmlich nach Korruption. Die Börsenreaktionen übrigens auch. Arme Bananenrepublik Vereinigte Staaten!

  • Wann muss Obermann gehen? Alle anderen DAX-Vorstände hätte man längst abgestraft. Warum hält sich der Kerl, obwohl er nichts zustande bringt?

  • Maggi, Knorr und Pfanni sind keine deutschen Unternehmen mehr.
    Sie gehören heute den Englischsprachigen.

    Außerdem weise ich auf den missglückten Panzerdeal in jüngster Vergangenheit hin. Das war germanophil, gell?

    Die Amerikaner lassen nur Produkte zu (müssen sie zulassen), bei denen sie nicht in der Lage sind, diese qualitativ besser herzustellen und da gibt es eine ganze Menge. Nur darum sind dort deutsche Firmen so gut vertreten.
    Die Amis sind auch besonders gut im schimpfen auf die Nationalsozialisten - nur deren Wissenschaftler und technische Errungenschaften haben sie natürlich gerne gekrallt. Ganz wild waren sie darauf. (Was somit übrigens den technologischen Aufstieg dieser 'Großmacht' nach dem Kriege erklärt).

    Mit den nicht vorhandenen Freunden Deutschlands in Europa - da haben Sie Recht.

  • Wenn die Telekom Glück hat geht der Deal in die Brüche, das Scheitern würde die Bonner endlich zwingen eine klare Expansionsstrategie im Kerngeschäft zu bestimmen, anstatt sich auf Geschäftsfelder wie die "Scout-Familie" Smart Grid etc auszurichten.
    Die Deutsche Telekom ist ein Telekommunikations-Komzern. Es erscheint ohnehin völlig unklar wie der Vorstand die neuen Geschäftsfelder zu einer entsprechenden Größe entwickeln will. Die Führung des Bonner Konzern weiß aber vor allem was man nicht will.
    Keine Strategie. Mikromanagement bestimmt das Geschehen.

  • gekauft für 53 Mrd, investiert dort wieviel Milliarden???, nicht verkauft bzw viel zu spät für 39 Mrd = Minus hoch wieviel?
    Man sollte schon die simpelsten Grundrechenarten beherrschen.
    Das sind doch keine Manager,bestenfalls Jugend forscht und spielt.... Der Schaden ist immens

  • Also, ich denke, es ist ein Fehler der Telekom, den US-Ableger
    (ehemals Voicestream, heute T-Mobile) zu verkaufen. Was Ron Sommer damals eingetütet hatte, war aus meiner Sicht richtig, und ist es auch heute noch. Ich bin mehrere Monate jährlich in den USA, habe dort ein T-Mobile-Handy angemeldet, und absolut gute Erfahrungen damit gemacht (Qualität und Ausbau des dortigen Netzes).
    Vorher war ich bei AT&T mit weniger guten Erfahrungen. Auch sehe ich nicht, dass in den T-Mobile Shops weniger "los ist", als in den AT&T oder Verizon Shops.

    Ich vermute, dass der Grund für den angestrebten Verkauf eher in einer manageralen Überforderung der deutschen Telekom zu suchen ist.

  • Glückwunsch kann man nur sagen,
    könnte eine gute Spekulation sein.

  • Wikipedia:
    Ron Sommer (* 29. Juli 1949 in Haifa, Israel, als Aaron Lebowitsch) ...
    Die Abfindung für Sommer betrug danach lediglich 11,6 Millionen Euro.[1] Im Mai 2008 wurde bekannt, dass während der Amtszeit von Sommer als Vorstandschef der Telekom die systematische Bespitzelung von Mitarbeitern und Journalisten zur Aufdeckung möglicher Informationsquellen innerhalb des Unternehmens begann.[2]m März 2011 wurde bekannt, dass sich die Telekom endgültig aus dem von Sommer für 51 Milliarden Dollar gekauften nordamerikanischen Mobilfunkgeschäft zurückzieht. Der Wert des Engagements hatte sich zuletzt um 12 Milliarden Dollar verringert und das Projekt wurde als Milliarden-Fiasko beurteilt.[3]Seit Mai 2003 ist er Vorsitzender im internationalen Beirat (Chairman of the International Advisory Council) des russischen Konzerns Sistema,m Juni 2005 wurde er dort zum unabhängigen Vorstandsmitglied gewählt und seit Mai 2009 ist er dort als Vorstand für das Telekomgeschäft verantwortlich.[4] Sommer ist als Berater eng mit dem Investmentunternehmen The Blackstone Group LP verbunden, das Anteile an Celanese und der Deutschen Telekom hält.
    Anmerkung des Verfassers: Man hat sich eine billige Firma teuer andrehen lassen (mit Absicht, Sommer als Strohmann!), nochmals Milliarden reingesteckt und in den ersten Jahren auch Verluste gemacht und evtl noch bilanziell kaschiert.
    http://www.boeckler.de/7029_1258.htm:
    Telekommunikation: Von 1994 bis 2007 baute die Deutsche Telekom im Inland 77.000 Jobs ab - fast die Hälfte aller Stellen. Seit der Marktöffnung für Wettbewerber 1998 konnten neue Anbieter keinen Ausgleich schaffen, so die Studie: Sie richteten bis 2007 nur knapp 14.000 neue Arbeitsplätze ein. Und der Höhepunkt sei anscheinend schon überschritten: In den letzten Jahren war die Beschäftigungsentwicklung bei der Telekom-Konkurrenz wieder rückläufig.
    Im Jahr 2008 nochmals 17.000 Stellen weniger.
    http://www.input-consulting.com/download/korr_def_end_100224.pdf

  • Also ich habe heute zu 8.82€ CFDs über 25.000 Stück T-Aktien gekauft.
    Der Kurseinbruch war völlig übertrieben, typischer Idioten-Selloff !
    Die FTD hats schon gemerkt, dass diese 5 Milliarden kein schlechter Deal für die DTAG ist, ich wette Morgen streiche ich mindestens 50ct Gewinn pro Aktie ein.
    (http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:verkauf-von-t-mobile-usa-das-milliarden-trostpflaster-fuer-die-telekom/60098368.html)

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