Kartellverfahren der EU
Google und Android im Visier der Kommission

Hat Google seine Marktmacht missbraucht? Die EU-Kommission meint: vermutlich ja. Sie hat ein Kartellverfahren gegen den Suchmaschinen-Riesen eingeleitet. Wie die Vorwürfe lauten und wie der Konzern sich verteidigt.
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DüsseldorfEines ist jetzt schon klar: Es wird lange dauern – und es könnte teuer werden. Die Europäische Kommission hat am Mittwoch ein formelles Kartellverfahren gegen Google eingeleitet. Sie wirft dem US-Konzern vor, seine dominante Position bei der Internet-Suche zu missbrauchen. Gleichzeitig ermittelt die Behörde, ob er auch mit seinem mobilen Betriebssystem Android seine Marktmacht ausspielt, um konkurrierende Dienste zu behindern.

„Das Ergebnis ist offen“, betonte EU-Kommissarin Margrethe Vestager gegenüber der Presse mehrfach. Nur die Fakten sollen zählen, im politisch aufgeheizten Klima gegenüber Google ein wichtiger Hinweis. Trotzdem bedeutet das Verfahren für den Konzern ein gravierendes Problem. Die juristische Auseinandersetzung dürfte das Top-Management lange beschäftigen, jede künftige Änderung an der Internetsuche wird nun kritisch beäugt.

Und sollte die Behörde ihren Verdacht bestätigt sehen, kann sie eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Umsatzes verhängen, auf 2014 bezogen bis zu 6,6 Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro). Zugleich kann sie Auflagen erlassen, die das Geschäft erschweren.

Was genau untersucht die EU-Kommission? Wie könnte Google einer Strafe entgehen? Und was sagen die Konkurrenten? Handelsblatt Online erklärt Ihnen die wichtigsten Punkte.

Beschwerde über Preissuche

Die Kommission untersucht bereits seit dem Jahr 2010, ob Google seine Suchergebnisse zugunsten eigener Spezialdienste manipuliert. Nun hat sie sich einen Teilbereich herausgegriffen: Sie wirft dem Konzern vor, seinen Preisvergleichsdienst Google Shopping in den Suchresultaten systematisch zu bevorzugen. Die Suchmaschine müsse die Antworten ausgeben, die am besten für die Verbraucher seien, nicht fürs Unternehmen, sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager. „Dies schadet den Verbrauchern und verhindert Innovation.“ Die Behörde werde den Fall nun genau prüfen.

Es könnte für den US-Konzern allerdings noch schlimmer kommen: Die Kommission untersucht, ob er auch bei Spezialsuchen für Flüge, Reisen und Karten seine Position missbraucht. Darüber hatten sich Konkurrenten ebenfalls beschwert. „Wir haben noch nicht entschieden, welche Schritte wir als nächstes einleiten“, sagte Vestager. Man schaue sich die Märkte aber „aktiv“ an.

Google verweist auf Konkurrenz

Der Konzern wehrt sich mit einer Variante seines Standardargumentes: „Der Wettbewerb ist nur einen Klick entfernt – und er wächst”, heißt es in einem langen Blogeintrag. Es gebe alternative Suchmaschinen wie Bing, Yahoo, Quora und Duckduckgo, eine Reihe neuer Suchassistenten auf Smartphones wie Siri und Cortana, und spezialisierte Suchen wie Amazon, Idealo, Expedia und Ebay. Außerdem suchten viele Nutzer immer häufiger in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter.

Als Beispiel führt Google eine Statistik der größten Online-Händler in Deutschland an. Die mit Abstand am meisten Besucher haben Amazon und Ebay, Google Shopping ist demnach weit abgeschlagen und in der nicht sehr genauen Grafik irgendwo auf dem Niveau von XXL-Rabatte.de und Rakuten.

Ob das Argument bei der EU-Kommission zieht, ist allerdings fraglich. Denn gerade unbekanntere Marken sind darauf angewiesen, dass Nutzer über die Suche auf ihre Portale stoßen – und angesichts eines Marktanteils von mehr als 90 Prozent ist Google ohne Alternative. „Wenn man nicht gefunden werden kann, kann man kein Geschäft machen“, sagte Vestager. Untersuchungen zeigen, dass ein beträchtlicher Teil der Verbraucher auf die ersten Suchergebnisse klickt. Auf die zweite Ergebnisseite gelangt nur ein Bruchteil. Die Platzierung in den Ergebnissen spielt also eine wichtige Rolle.

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  • Was macht Google?
    Es baut Marktpositionen aus.
    Und zwar auf eine Weise, die nicht nur datenpolitische Fragen aufwerfen.
    Ohne Frage: Google ist Taktgeber in einer Entwicklung, die selbst dem Googleboard in seinen Konsequenzen so nicht klar sein dürfte.

    Man sollte es aus europäischer Sicht nicht us-.amerikanischen Gremien allein überlassen, sich mit solchen Supersystemen wie Google es längst eines ist, zu befassen.

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