Kartellverfahren: EU will Suchgeschäft von Google kontrollieren

Kartellverfahren
EU will Suchgeschäft von Google kontrollieren

Google unter Druck: Die EU-Kommission will den Suchmaschinen-Riesen einer unabhängigen Kontrolle unterstellen – sie fordert rechtliche bindende Regelungen. Wie diese aussehen sollen, ist aber noch unklar.
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Düsseldorf/BrüsselDie EU-Kommission will die Suchmaschinenpraxis von Google einer unabhängigen Kontrolle unterstellen. Eine Selbstverpflichtung reiche nicht aus, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia dem Handelsblatt am Montag in Brüssel: „Es geht um rechtlich bindende Regelungen.“ Mit einem „klaren und effizienten“ Monitoring ziehe man Konsequenzen aus der Vergangenheit. Wie es aussehen wird, ließ er aber offen.

Mit dem Vorhaben reagieren Europas Wettbewerbshüter auf ein seit 2010 laufendes Verfahren gegen Google. Sie wittern den Missbrauch von Marktmacht. Kommission und Konkurrenten werfen Google vor, in den Suchergebnissen eigene Angebote wie den Kartendienst Maps, den Preisvergleich oder die Hotelsuche – sogenannte vertikale Suchen – gegenüber Konkurrenzangeboten zu bevorzugen.

Grundsätzlich ist der US-Konzern zum Einlenken bereit. Nach monatelangen Verhandlungen hatte er kürzlich Kompromissvorschläge gemacht. Nach Informationen von „New York Times“ und „Wall Street Journal“ (kostenpflichtig) schlägt das Unternehmen vor, seine eigenen Angebote deutlicher zu markieren, wenn es damit kein Geld verdient – das gilt etwa für die Nachrichtensuche News oder das Wetter. In den Bereichen, in denen es Anzeigen verkauft, will es zudem mindestens drei Links zu Konkurrenzangeboten einblenden – etwa bei der Hotelsuche. Änderungen am Algorithmus, der über die Zusammensetzung der Trefferlisten entscheidet, schlägt Google indes nicht vor. Die EU-Kommission unterzieht die Vorschläge nun einem Markttest.

Google beantwortet in Europa mehr als 90 Prozent aller Suchanfragen. Die EU schätzt die Position des Konzerns daher als marktbeherrschend ein. Wer nicht bei Google zu finden ist, ist im Netz praktisch nicht existent. Diese Marktmacht zieht Almunia nicht grundsätzlich in Zweifel. „Es geht nicht darum, Unternehmen zu schrumpfen, es geht darum, Nutzern das die besten Angebote zu bieten“, sagte Almunia.

Den Wettbewerbshütern geht es um die 1a-Lagen der Suchmaschine. „Google platziert seine eigenen vertikalen Suchen prominent auf der ersten Seite und bevorzugt in Containern mit Medieninhalten wie Videos die eigenen Dienste“, sagt Dirk Lewandowski, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Wer etwa nach einem Hotel in Düsseldorf sucht, sieht auf den ersten Blick vier bis fünf bezahlte Anzeigen und die Google-eigene Hotelsuche, zudem eine kleine Karte – aber nur zwei bis drei organische, also unbezahlte Treffer von Buchungsportalen wie HRS und Trivago.

Für die Konkurrenz hat das gravierende Folgen. „Die Nutzer klicken vor allem auf die Ergebnisse, die direkt sichtbar sind. Auf die zweite Seite gelangt nur ein sehr kleiner Teil“, sagt Suchmaschinen-Experte Lewandowski. Die Folge: „Sobald Google-Dienste ganz oben stehen, bekommen die Wettbewerber Probleme.“

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Die EU befragt Google-Konkurrenten

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  • "Was wäre das Internet ohne Google; man stelle sich vor, die EU würde eine eigene "Suchmaschine" anbieten, alternativlos versteht sich!
    Nieder mit der EU! "

    LOL, mal wieder die falsche Frage!
    Was wäre wenn in den Ländern der EU selber Suchmaschinen gebaut würden?
    Geht nicht? Noe geht nicht, geht doch? Noe, geht nicht ...
    DIE haben ein Monopol - wo das wohl her kommt?

    Die EU-Kommission kann im übrigen nicht selbstständig und frank und frei Gesetze beschließen.
    Genauso wie Google nicht die einzige Suchmaschine ist, nie war, sich aber entsprechend entwickeln konnte, weil andere geschlafen haben. Warum haben andere geschlafen? Oder schlafen noch weiter?
    Weil in Deutschland und Europa mindestens einer schreit "DARF DER DAS?"
    Auch in diesem Falle möchte ich fast wetten das dahinter Verlage stecken, die sowieso schon "Stopwörter" mit den Sumas beschlossen haben. Im Rauschen des Medienwaldes und der Medienaufsicht im Sinne der Jugend (die das sowieso einen feuchten Mist interessiert) findet da viel mehr hinter den Kulissen statt, als wir Nutzer uns das träumen lassen. Schließlich wollen Werbeaufträge "gerecht" verteilt werden.

  • Ja, die EUSSR...
    Die möchte alles und jenes kontrollieren...
    Das wird aber so nicht gehen, denn Google ist eine Ami-Firma (sic!)...
    Was wäre das Internet ohne Google; man stelle sich vor, die EU würde eine eigene "Suchmaschine" anbieten, alternativlos versteht sich!
    Nieder mit der EU!
    AfD wählen.

  • Verbieten wir einafch die Nazi Party of America!

    http://wahlplakat.dynip.name

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