Kartendienst
Apple sucht den richtigen Weg

Es war ein Debakel für Apple: Der Kartendienst des iPhone-Herstellers musste viel Kritik einstecken. Deswegen will der Konzern seine Technologie durch diverse Zukäufe aufrüsten. Dennoch ist der Weg noch weit.
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DüsseldorfSatellitenbilder mit Wolken, Straßen mit Dellen, Städte an den falschen Stellen: Als Apple im Herbst 2012 seinen eigenen Kartendienst Maps vorstellte, war die Kritik groß. Der erfolgsverwöhnte Konzern musste bald zugeben, dass seine Anwendung für iPhone und iPad massive Fehler aufwies.

Doch der Konzern legt sich mächtig ins Zeug, um zum Rivalen Google und zu Nokia aufzuschließen. Allein in den letzten Wochen übernahm Apple drei Firmen, deren Dienste die Karten verbessern sollen. Das jüngst erworbene Start-up Embark entwickelt Apps mit Fahrplänen für den öffentlichen Nahverkehr in US-Städten. Doch trotz der Zukäufe hat der iKonzern noch viel zu tun, um seinen viel kritisierten Kartendienst konkurrenzfähig zu machen.

Ein Smartphone ohne digitale Landkarten ist heute undenkbar – es lotst nicht nur Autofahrer zur richtigen Adresse, sondern hilft auch Fußgängern tagtäglich bei der Orientierung. Es handle sich daher um einen „Hygienefaktor“ für mobile Betriebssysteme, schreibt der Analyst Horace Dediu vom Marktforscher Asymco: Wer sie hat, hebt sich nicht von der Konkurrenz ab, aber ohne geht es nicht.

Doch mit der Navigation ist das Potenzial der Geodienste längst nicht ausgereizt. Nokia, Google und Co. arbeiten an Programmen, die neben dem Standort auch die konkrete Situation berücksichtigen. Mithilfe der digitalen Karten können Nutzer interessante Geschäfte jenseits der Fußgängerzone entdecken oder Informationen über das historische Rathaus herunterladen. Und sie können den schnellsten Weg aus der Stadt berechnen lassen – beispielsweise zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Es ist ein Geschäft mit Zukunft: „Wir denken, dass Kontextdienste, die persönliche Daten und Ortsinformationen intelligent verknüpfen, ein großes Potenzial haben“, sagt Martin Garner, Analyst beim britischen Marktforscher CCS. Werbung spiele dabei eine Schlüsselrolle, betont der Mobilfunkspezialist. Apple wolle sich daher mit einem eigenen Kartendienst nicht nur aus der Abhängigkeit von Google befreien, dessen Maps-App bis zum Herbst 2012 die iPhone-Nutzer lotste; der IT-Riese habe vermutlich auch größere Ambitionen und wolle in das lukrative Geschäft mit den lokalen Anzeigen einsteigen.

Doch digitale Karten aufzubauen und zu pflegen ist teuer und schwierig. Teuer heißt: Es bedarf Investitionen in Milliardenhöhe, um die Technologie zu entwickeln und die Daten aktuell zu halten. Nokia zahlte beispielsweise 2007 für den Kartenanbieter Navteq 5,7 Milliarden Euro und steckt jedes Jahr rund zehn Prozent dieser Summe in die Sparte Here. Schwierig heißt: Es bedarf viel Erfahrung. Das musste Apple schmerzlich feststellen, als sein Dienst Maps mit zahlreichen Fehlern an den Start ging.

Das kommt nicht von ungefähr. Digitale Landkarten sind hochkomplexe Werke, die aus mehreren Schichten aufgebaut sind. Ganz unten verzeichnet sind geografische Informationen wie Grenzen, Küsten, Straßen und Gebäude – diese Daten kauft Apple von TomTom. Darüber liegen diverse Schichten, die Aktivitäten abbilden, etwa Verkehr und Baustellen oder Geschäftstätigkeit und Restaurantkritiken. Oben drauf können Informationen über den Nutzer selbst kommen. Ist er beispielsweise gerade auf Shopping-Tour oder beruflich unterwegs? Schlaue Dienste können dafür den Kalender auswerten.

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Apple hat Verstärkung eingekauft

Kommentare zu " Kartendienst: Apple sucht den richtigen Weg"

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  • @realist: was hat Ihr Kommentar mit Apple zu tun? Es ist unglaublich, was in Ihrem Kopf vor sich geht. ;-)

    Nur mal so: riesige Gewinne und 140 Mrd Dollar im Portemonnaie nenne ich nicht 'Geld vernichten'. Abgesehen davon, dass Geld nur den Besitzer wechselt, und nie vernichtet wird.

    Und: warum denken Sie, dass Sie den Leuten sagen müssen, was sie NICHT brauchen? Sagen sie auch jedem, dass er keinen Alkohol braucht, dass Zigaretten unnötig sind, dass Autofahren Blödsinn ist, dass man früher ohne Hand ... oder gar Telefon, auch Klasse gelebt hat, dass Urlaub in Deutschland das Beste ist, weil man ja nicht reisen muss ... und der menschliche Körper Geschwindigkeiten oberhalb des Pferde Galopps nicht vertragen kann?

    Missionarischer Eifer in Ehren, aber lassen Sie doch die Leute selber wntscheiden, was gut für aie ist. :-)

  • ......was haben die beiden obigen Beiträge mit Apple zu tun?
    Es ist unglaublich, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht.
    Aber jetzt zu Apple. Diese Firma ist in großen Teilen ein Geldvernichtungsladen. Das was entwickelt wurde ist so kurzlebig wie ein Sonnenauf- und Untergang. Denn Morgen ist das was heute gesehen wurde schon überholt. Und dann zu diesen astronomischen Preisen. Was ist zu tun, um sich nicht an diesem Kesseltreiben zu betreiben? Nun, sich auf das Mindeste der elektronischen Geräteschaft zu beschränken. Und vom Rest sich fern zu halten. Es wird nichts verpaßt, wenn man nicht die neueste Version auf dem Tisch stehen hat..............

  • O-Ton Handelsblatt
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    Geflohen vor dem Bürgerkrieg kommen 5000 Syrer in den nächsten Wochen in aufgeheizter Stimmung in der Bundesrepublik an.
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    Der Praktikant der diesen Satz verbrochen hat war wohl auch in "aufgeheizter Stimmung".

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