Kartengeschäft Maps
Nokia im digitalen Straßenkampf

Digitale Landkarten gelten als Zukunftsgeschäft: Das Smartphone wird zum Lotsen in jeder Lebenslage. Nokia will davon profitieren – und drängt mit seinem Kartendienst Here auf die Geräte der Konkurrenz.
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BerlinDer Smartphone-Boom hat Nokia in eine tiefe Krise gestürzt. Das iPhone und die vielen Android-Geräte mit Touchscreen und simpler Oberfläche ließen die Handys des früheren Marktführers alt aussehen, die Verkaufszahlen brachen ein.

Doch das Zeitalter der mobilen Computer eröffnet dem finnischen Konzern eine neue Chance jenseits der Hardware. Smartphones, aber auch vernetzte Computerbrillen und autonom fahrende Autos sind ohne ortsbezogene Informationen kaum denkbar. Nokia kann diese liefern – und ein lange nicht erfülltes Versprechen einlösen: die hohen Kosten für die Vermessung der Welt wieder einzuspielen.

„Das Handy steht nicht mehr alleine im Mittelpunkt“, sagt Michael Halbherr, Manager des finnischen Konzerns, im Interview mit Handelsblatt Online. „Die Technologiewelt bewegt sich von einer Geräte- in eine Cloud-Ära.“ Wichtig seien nicht die Smartphones, sondern die Dienste darauf: Musik, Kommunikation – und Landkarten. Für Halbherr bedeutet diese Entwicklung eine Chance. Er ist Chef der Nokia-Sparte Here, die ortsbezogene Dienste entwickelt.

Der finnische Konzern gehört neben Google und TomTom zu den drei großen Geodaten-Anbietern: 2007 kaufte er den Spezialisten Navteq für 5,7 Milliarden Euro. Es war eine Entscheidung mit Signalwirkung: Der damals größte Handyhersteller der Welt sah in digitalen Landkarten ein lukratives Geschäft. Dabei hatten damals viele Mobiltelefone noch gar keinen GPS-Empfänger.

„Ich denke, dass es eine sehr weitsichtige Entscheidung war”, sagt Martin Garner, Analyst beim britischen Marktforscher CCS Insight, der auf Mobilfunk spezialisiert ist. „Nokia wollte Mitte des Jahrzehnts ein führender Anbieter von Internetdiensten werden. Die Zukäufe von Kartenfirmen waren ein Teil davon.“

Doch der Weg dorthin ist steinig. Nach einer Auswertung des Marktforschers Asymco macht Nokia seit 2008 mit seinem Kartengeschäft Verluste. Die Stammkunden von Nokia – Autobauer und Navi-Hersteller – sind dem Unternehmen treu, zu den Kunden zählen Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen. Doch die Hoffnung auf sprudelnde Umsätze mit Diensten für das Smartphone erfüllt sich noch nicht.

Gleichzeitig sind die Kosten hoch, im vergangenen Geschäftsjahr verschlangen allein Forschung und Entwicklung der Here-Sparte 883 Millionen Euro – bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Unterm Strich stand ein Minus von 300 Millionen Euro.

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Karten auf den Geräten der Konkurrenz

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  • Nokia wird zu einer Art "ist auch nicht schlecht"-Unternehmen.

    Wie auch aus dem Artikel herausgeht, verwenden Amazon und Co. die Nokia here-Karten, da sie nicht die zweifellos bessseren von Google verwenden wollen, weil sie in Konkurrenz zu Google stehen. Und Nokias Karten sind nicht so gut wie die von Google Maps, aber auch nicht so schlecht.

    Ihre Windows Phone-Smartphones wird Nokia an diejenigen los, denen Apple zu unsympathisch und Google zu neugierig finden, aber dennoch ein Smartphone wollen. Nach den Motto, es wäre doch nicht schlecht, wenn es ein bisschen mehr Konkurrenz gäbe auf dem Markt. Der Windows Phone-Appstore ist wohl nicht so umfangreich wie der beim iPhone oder Android, aber auch nicht so schlecht.

    Und zu guter Letzt kommt Nokia Solutions and Networks, das vor allem preislich nichts gegen die chinesische Konkurrenz, namentlich ZTE und Huawei, entgegensetzen kann. Der Bereich hält sich aber trotzdem irgenwie über Wasser, weil man ja den Chinesen irgendwie nicht trauen kann und Nokia ja auch nicht so schlecht ist.

  • vor allem hat Nokia endlich erkannt, dass mit Auto-Navigation mehr drin ist, als einen Fahrer von A nach B zu dirigieren - TWOGO zusammen mit SAP. Das Potential eines Dynamic Ridesharing Systems für Pendler ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Here(!) liegen einige Milliarden buchstäblich auf der Strasse.
    Das Dumme für Nokia ist nur, dass der Marktanteil ihrer Smartphones viel zu gering ist, um daraus Nutzen ziehen zu können. Sie würden einfach die kritische Masse an Teilnehmern nicht zusammen bekommen und lediglich die größeren Konkurrenten auf Ideen bringen. Gut verständlich, dass Nokia vorläufig die Füße stillhält ;-)

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