Katerstimmung bei SAP
Wenn Methusalem den Playboy gibt

Ist SAP für Investoren schon eine so öde Firma wie Coca-Cola? Einst genoss der Konzern den Ruhm des Aufsteigers und den Bonus der IT-Branche. Das soll wieder erweckt werden. Aber eine niemand kauft es Henning Kagermann & Co. so recht ab. Ob sein neuer Co-Chef Leo Apotheker die Dinge mit seinem Verkaufstalent endlich richten kann?

Nun hängen sie schon wieder tief, die Wolken über den Spargelfeldern rund um Walldorf. Die Frühlingsgefühle vom Wochenende sind schon wieder passé. „Irgendwie fehlt der Schwung, die klare Richtung, wohin das Wetter nun will“, sinniert Erich Schmidt*, Leiter eines Entwicklerteams bei SAP, beim Blick aus seinem Bürofenster über Nordbadens Äcker. Dann verzieht er leicht das Gesicht und schiebt nach: „Wie bei uns.“

Es herrscht Katerstimmung beim Software-Riesen in Walldorf. Erneuerte Produkte oder Milliardenübernahmen: Was immer SAP-Chef Henning Kagermann auch versucht hat, der Aktienkurs des weltgrößten Anbieters von Unternehmenssoftware bekommt den Allerwertesten nicht mehr hoch. Seit Monaten klebt er an der 30-Euro-Marke – so stur wie ein heulendes Kleinkind am Rockzipfel der Mutter.

Nun soll die Rückkehr zu einer Doppelspitze dem Konzern und seiner Aktie frischen Schwung bringen. Heute tagt der Aufsichtsrat. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Leo Apotheker, als sogenannter „Deputy CEO“ bislang eine Art stellvertretender Vorstandssprecher, soll künftig gleichberechtigt neben Kagermann agieren – wie einst die legendären Firmengründer Dietmar Hopp und Klaus Tschira.

Doch mit zartem Stühleverrücken im Vorstandssaal wird es nicht getan sein. Die Beförderung Apothekers dürfte nur der Auftakt zu einer kompletten Reorganisation an der Konzernspitze sein. Vier der sieben Vorstände geben ihre Ämter in den kommenden zwei Jahren aus Altersgründen wahrscheinlich ab – der größte Managementumbau in der 36-jährigen Firmengeschichte steht an.

Das neue Team um Leo Apotheker steht vor einer Herkulesaufgabe: der Transformation eines Wachstums-Stars in ein Unternehmen einer gereiften Branche. SAP muss aus seiner Identitätskrise eines Methusalems heraus, der noch immer gern vorgibt, ein Playboy zu sein.

Wien, im Mai 2007: Es ist warm an diesem Sonntag. Die Donau-Metropole pulsiert, gut gelaunt bevölkern die Wiener die Cafés und Straßen, und auch im Konferenzraum des altehrwürdigen Hotels Sacher geben sich Kagermann und Apotheker, die Gastgeber, entspannt.

Das Treffen mit europäischen Kunden steht auf dem Programm. Und denen hat SAP vor allem Gutes zu berichten. Das neue Programm für den Mittelstand, das über das Internet genutzt werden kann, läuft rund: „Wir liegen voll im Plan, alles bestens“, sagt Apotheker fröhlich. Natürlich sei der schwächelnde Aktienkurs nicht schön. Aber, sekundiert Kagermann, man wolle sich nicht vom niedrigen Aktienkurs hetzen lassen. „Es geht um ein komplett neues Geschäftsmodell“, sagt der Chef von SAP. „Dass wir das schaffen, müssen wir nun beweisen.“

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