Kauf der britischen O2
O2 ist für Telefonica Schlüssel zu Deutschland

Vor drei Jahren scheiterte die spanische Telefónica in Deutschland. Sie ersteigerte für zig Milliarden eine UMTS-Lizenz, die sie dann doch nicht nutzte. Im zweiten Anlauf könnte ihr nun der Einstieg auf dem Markt gelingen.

HB DÜSSELDORF. Mit der angekündigten Übernahme des britischen Anbieters O2 fällt auch dessen deutsche Tochter mit 8,5 Millionen Kunden in die Hände der Spanier. Der weltweit fünftgrößte Telekom-Konzern bietet nach Angaben vom Montag für den kleineren Konkurrenten umgerechnet rund 26 Milliarden Euro in bar. Geht die Akquisition wie geplant über die Bühne, verdrängt Telefónica die Deutsche Telekom im europäischen Mobilfunkgeschäft vom zweiten Platz und sichert sich auch in Deutschland einen guten vierten Platz hinter T-Mobile, Vodafone und E-Plus. Umumstrittener Marktführer in Europa ist und bleibt allerdings Vodafone.

Für den rosa Riesen aus Bonn wäre ein Erfolg des Konkurrenten aus Spanien eine Schlappe und große Herausforderung zugleich. Schließlich hatten Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und sein niederländischer Vorstandskollege von der KPN selbst die Übernahme von O2 in Erwägung gezogen.

Neben der Telekom müssen sich im Mobilfunk aber auch Vodafone und E-Plus auf eine härtere Gangart einstellen. Denn die Spanier dürften in Deutschland mächtig aufdrehen, um O2 nach vorne zu bringen. Schon jetzt stehen die Münchner wirtschaftlich gesehen (nach Umsatz und Ergebnis) besser da als E-Plus. Die Bedeutung, die das Telefónica-Management dem deutschen Markt einräumt, lässt sich daran ablesen, dass der deutsche O2-Chef Rudolf Gröger ins Führungsgremium des Konzerns aufrücken soll.

Telefónica könnte mit dem Kauf von O2 die bittere Schmach des UMTS-Abenteuers in Deutschland vergessen machen. Gemeinsam mit der finnischen Sonera hatten die Spanier im Jahr 2000 eine UMTS- Lizenz für rund 7,5 Milliarden Euro ersteigert. Das Bündnis, das unter dem Namen Quam angetreten war, den eingesessen Mobilfunkriesen das Fürchten zu lehren, warf schon bald das Handtuch. Das Geld für die Lizenz wurde in der Telefónica-Bilanz komplett abgeschrieben.

Und noch einer darf sich freuen: Andreas Bodczek, Geschäftsführer der Telefónica Deutschland GmbH (Verl). Die noch kleine Deutschland-Tochter des spanischen Unternehmens (Umsatz: 300 Millionen Euro) könnte bald ein große mobile Schwester bekommen. Nicht auszuschließen, dass Telefónica dann auch gestärkt im Festnetz den Platzhirsch Telekom angreifen wird. Noch ist Verl nur im Firmenkundenbereich und als Infrastrukturanbieter für Internet-Service-Provider aktiv.

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