Kaum Chancen für Ausländer
Das mobile Internet bleibt chinesisch

Der Markt für Handydienste wächst rasant in China - doch internationale Konzerne wie Apple und Google dürften davon nur wenig profitieren. Denn Experten zufolge eignen sich die Geschäftsmodelle internationaler Anbieter von Smartphones, Betriebssystemen und Anwendungen nicht für den Markteintritt in China.
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PEKING. Der ehemalige Landeschef von Google, Lee Kai-Fu, gibt ausländischen Firmen auf Chinas Markt für Handydienste nur geringe Chancen. "Der chinesische Internetmarkt ist ein lukrativer Raum, der für Einheimische reserviert ist", sagte Lee gestern in Peking. Die Geschäftsmodelle internationaler Anbieter von Smartphones, Betriebssystemen und Anwendungen wie Apple oder Google eigneten sich nicht für den Markteintritt in China. Lee hatte bis 2009 Google China geleitet und war danach mit seinem neuen Unternehmen Innovation Works ins Geschäft mit Start-up-Finanzierungen eingestiegen.

Seiner Schätzung zufolge werden in fünf Jahren 800 Millionen Chinesen das Internet mobil nutzen, heute sind es bereits 233 Millionen. Für die meisten dieser potenziellen Kunden sind US-Produkte jedoch schlicht zu teuer: In China interessieren sich mehrheitlich Studenten oder junge Angestellte für Internethandys, zudem subventionieren die Mobilfunkanbieter die bis zu 500 Euro teuren Geräte nicht. Vor allem Apple hat daher Probleme, seinen Marktanteil für das iPhone auszuweiten, und beackert den Markt auch nur halbherzig. Daher dominieren schon heute taiwanesische Massenhersteller wie HTC oder Foxconn den Markt. Lee sieht den Durchschnittspreis für solche Geräte derzeit bei rund 170 Euro mit der Tendenz, im kommenden Jahr unter 90 Euro zu sinken. Ihre Benutzeroberfläche sieht heute praktisch genauso gut aus wie die der Apple-Geräte.

Ausländische Anbieter haben in China noch weitere Probleme, angefangen mit strenger Regulierung durch die Behörden. Vor allem aber haben die Firmen nicht genug Geduld mit dem Markt. "Die Angebote sind bei weitem nicht genug auf die Vorlieben der Kunden zugeschnitten", kritisiert Lee. Oft fehle es an guten Eingabemöglichkeiten für die Schriftzeichen. Nur chinesische Anwendungen beherrschen es bisher, beim Abspielen von Musikstücken stets Untertitel mit dem Liedtext einzublenden - wegen Besonderheiten von Tonsprachen ist das im Reich der Mitte für den Musikgenuss wichtig.

Den ausländischen Konzernen könnte somit ein riesiger Markt entgehen. "Der Mobilfunk wird der Wachstumstreiber schlechthin sein", sagt Lee. Der E-Commerce-Markt ist bereits 37 Mrd. Dollar groß und hat sich im vergangenen Jahr trotz Krise praktisch verdoppelt. Die Nutzer sind durchaus bereit, für Dienste zu zahlen. Vor allem "Freemium"-Modelle funktionieren: Ein Teil des Angebots ist kostenlos und ködert den Kunden, für weitergehende Funktionen muss er zahlen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Kaum Chancen für Ausländer: Das mobile Internet bleibt chinesisch"

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  • in Japan ist die Situation nicht viel anders. Japanische Anbieter dominieren den japanischen Handymarkt aber weltweit spielen sie keine große Rolle.

  • Westliche Anbieter, die Konzerne, bekommen ihre Quittung, zu gross, zu träge. Nur noch eine Frage der Zeit, wann die Chinesen hier auftauchen, da sich hier die tradierten Unternehmen sich selbst im Wege stehen.
    Weniger ist manchmal mehr, Nachdenken könnte helfen. Ob sich NOKiA durch seine Personalie ändert, darf bezweifelt werden.
    Spannende Zeiten beginnen.
    zum Grusse

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