Kaum Nischen
Handy-Markt braucht Masse

Die Mobilbranche bleibt ein heißes Pflaster: Mit Sanyo steckt erneut ein Hersteller von Handys in der Krise. Die Suche des Mischkonzerns nach einem strategischen Partner für diese Sparte ist bezeichnend für einen Markt, an dem es nur für die Großen zum Überleben reicht.

DÜSSELDORF. Auf dem hart umkämpften Markt der Handy-Hersteller wird es für kleine Anbieter zunehmend schwierig. In den vergangenen Jahren haben die Dickschiffe der Branche zunehmend Marktanteile gewonnen – auf Kosten der kleinen Wettbewerber. Wenn diese keine Nische finden, in der sie die großen angreifen können, haben sie oft keine Chance zu überleben.

So meldete im vergangenen Herbst der taiwanesische Hersteller BenQ Insolvenz an – ein Jahr nachdem er die Sparte vom deutschen Siemens-Konzern übernommen hatte. Derzeit überlegt der japanische Elektronikkonzern Sanyo, ob er sein schwächelndes Handy–Geschäft abgeben soll. Der Gewinn von Sanyo war von April bis Juni um 72 Prozent eingebrochen – vor allem wegen der schleppenden Handy-Nachfrage.

Der Grund für die Dominanz von einigen großen Handy-Herstellern sind Skaleneffekte, die das Geschäft der Produzenten bestimmen. Nokia hat seinen Marktanteil im zweiten Quartal 2007 auf knapp 40 Prozent ausgebaut. „Die Kosten für die Entwicklung von neuen Handys sind immens“, erklärt Bonny Joy vom amerikanischen Marktforscher Strategy Analytics. „Die Hersteller können sie nur wieder reinholen, wenn sie ein Modell millionenfach verkaufen.“

Sanyo peilt in diesem Jahr den Absatz von insgesamt elf Mill. Handys an. Nokia dagegen hat im vergangenen Jahr 350 Mill. Mobiltelefone verkauft. Dabei ist Sanyo verglichen mit anderen japanischen Herstellern noch in einer komfortablen Position: Sanyo hat einen Vertrag mit dem US-Mobilfunker Sprint und verkauft einen kleinen Teil seiner Handys in den USA. Die meisten japanische Wettbewerber wie Sharp sind dagegen nur im eigenen Land vertreten. „Sanyo muss jetzt in neue Märkte vorstoßen, oder Verträge mit anderen Mobilfunknetzbetreibern schließen, wenn sie weiter wachsen wollen“, mahnt Analyst Joy.

Japanische Medien berichten aus Unternehmenskreisen, dass Sanyo einen japanischen Käufer für die Handysparte bevorzugen würde – die Präferenz liege bei Sharp oder Kyocera, die ihre Standorte sogar in der gleichen Region haben. Auch Experten halten das für das richtige Vorgehen. „Mit einem japanischen Unternehmen muss man große kulturelle Unterschiede beachten“, sagt Carolina Milanesi vom Marktforscher Gartner. Das Beispiel SonyEricsson habe gezeigt, wie lange es dauern könne, bis ein solches Joint Venture funktioniert. „Deshalb wäre es das beste, wenn Sanyo einen japanischen Käufer finden könnte.“

Die Herstellung von Mobiltelefonen trug im vergangenen Jahr mit 340 Mrd. Yen (umgerechnet gut zwei Mrd. Euro) etwa 15 Prozent zum Umsatz des angeschlagenen Elektrokonzerns bei. Deshalb weigerte sich der vormalige Firmenpräsident Toshimasa Iue, ihren Verkauf in Angriff zu nehmen und bestand darauf – wenn überhaupt – einen Partner für ein Gemeinschaftsunternehmen zu suchen.

Das Beharren auf dem Weiterbetrieb der Handysparte war einer der Gründe dafür, dass eine Gruppe von strategischen Investoren auf seinen Rücktritt und die Ernennung eines neuen Präsidenten drängte: Seiichiro Sano gilt als pragmatischer und strebt eine Rückführung des Geschäfts auf das an, was Sanyo am besten kann: Akkus, Batterien, Klimasysteme und Solarzellen. Damit folgt er der Vorstellung der Banken, die im vergangenen Jahr nach katastrophal roten Zahlen als Retter eingestiegen waren, darunter Goldman Sachs. Sanyo verzeichnete im Geschäftsjahr bis März 2007 einen Verlust von 205 Mrd. Yen. Auch die Handysparte kostete Geld.

Zur Vorstellung der Jahresbilanz nannte Sano jedoch die Handys noch einen erhaltenswerten Kernbereich, obwohl der Investorenwunsch nach einem Verkauf schon länger bekannt war. In der Branche ist seit über einem Jahr immer wieder von einer Partnersuche für die Handys die Rede. Im November will Sano einen groß angelegten „Masterplan“ zur Rettung von Sanyo vorstellen.

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