Kaz Hirai im Interview
„Wir haben zu wenig Software für die PS3“

Kaz Hirai, President und Group CEO Sony Computer Entertainment International (SCEI), spricht im Interview über seine Strategie, offene Baustellen bei der PS3 – und warum Apple Sony bei den Download-Services mal wieder alles weggeschnappt hat.

Handelsblatt: Herr Hirai, was haben Sie bei Sony Computer Entertainment seit ihrem Amtsantritt als President und Group CEO geändert?

Kaz Hirai: Wenn Sie darauf anspielen, wie ich dem Unternehmen meinen Stempel aufdrücken werde, wie wir uns interne ändern, oder unser Verhalten zu Spieleentwicklern und Handel ändern werden - das wird alles kommen. Aber noch ist es zu früh, etwas dazu zu sagen.

Was sind die dringendsten Aufgaben bei der neuen PS3?

Noch wichtiger als die Lieferverzögerungen bei der Hardware zum Start war und ist, dass es zu wenig Software gibt. Das müssen wir jetzt angehen. Wir werden zu Weihnachten über 200 Spiele auf DVD haben. Das ist eine gute Nachricht für die Konsumenten, aber auch für den Handel und unsere Geschäftspartner. Und das wird letztlich die Verkaufszahlen der Konsole treiben

.

Marktdaten sagen, dass jeder PS3-Spieler im Schnitt gerade mal ein Spiel zur Konsole kauft. Das liegt weit unter den entsprechenden Werten für die PS2 und ist enttäuschend für Softwarefirmen, die Spiele für PS3 herausbringen. Was sagen Sie diesen Entwicklern?

Es ist schon etwas mehr als Eins-Komma-soundso-viel, aber die genauen Zahlen habe ich gerade nicht hier. Wichtig ist, dass man die „Tie-Ratio“ einer Plattform wie PS2, die seit sieben Jahren da ist, nicht mit der einer Konsole vergleichen kann, die noch kein Jahr verfügbar ist. Hinzu kommt, dass es zunehmend Spiele gibt, die aus dem Internet geladen werden. Die tauchen zum Beispiel gar nicht in den herkömmlichen Statistiken auf

.

Kann es sein, dass die Kunden die PS3 doch einfach als Multimedia-Plattform betrachten? Wenn ja, ist die Computerspiele-Sparte dann überhaupt die richtige, um das Gerät zu vermarkten?

Als allererstes: die PS3 ist und bleibt eine „interaktive Unterhaltungsplattform“. Wenn man „Spielekonsole“ sagt, ist es sicher zu eng gefasst, aber „Multimediaplattform“ ist falsch. Es hat solche Funktionen, aber wir werden es nie so positionieren. Dann würde das Produkt gesichtslos und der Verbraucher verwirrt. Was der Konsument aber macht, nachdem er die PS3 gekauft hat, ist eine ganz andere Sache. Ob er Blu-Ray-Filme schaut oder Fotos oder unsere neue Internetplattform „Home“ nutzen wird, das alles erweitert nur den Nutzungshorizont. Nimmt man das alles zusammen, ist SCEI (Sony Computer Entertainment International) die einzig richtige Sparte, um das effektiv zu vermarkten. Man darf nicht vergessen, dass es sich um ein Hard- und Softwaregeschäft handelt. Und im weiter gefassten Sony-Konzern sind wir die einzigen, die beides beherrschen. Die PS3 ist ein Plattform-Produkt. Ohne eigene Software, die die Plattform ständig vorantreibt, führt das nirgendwo hin.

Externe Spielentwickler klagen über hohe Kosten für PS3-Programmierung. Wie helfen sie unabhängigen Spieleentwicklern schneller Geld zu verdienen?

Wir bieten drei Plattformen, PSP, PS3 und - nicht zu vergessen - Playstation 2. Davon alleine sind 118 Millionen Konsolen draußen. Also gibt es viele Möglichkeiten, sein Sony-Portfolio auszubalancieren. Was speziell die PS3 angeht: Wir müssen und werden noch härter dran arbeiten, intensiv mit den Entwicklern zu kooperieren. Wir wollen ihre und unsere Ziele kombinieren, um die PS3 voranzubringen. Außerdem werden wir mit der Internetplattform „Home“ neue Umsatzmöglichkeiten erschließen, die wir mit Spieleverlagen teilen wollen. Zum Beispiel können sie dort E-Commerce-Shops betreiben oder Spiele zum Download anbieten.

Die Playstation 2 scheint in diesem Konsolenzyklus wichtiger zu werden, als bisher angenommen. Ist das der heimliche Wii-Killer?

Wenn man sich viele der Ideen anschaut, die unsere Mitbewerber haben, dann stellt man schon fest, dass wir das schon früher gehabt haben. All die familienfreundlichen Spiele, die Spielekamera „Eyetoy“ und „Singstar“ etwa. Was die Bedeutung der PS2 angeht: Die erste Playstation war fast zehn Jahre aktiv im Markt, die PS2 jetzt sieben. Ich glaube, sie hat mindestens noch zwei bis drei Jahre. Und wir werden das aktiv unterstützen. Es werden weiter Top-Titel wie „God of War 2“ für die PS2 erscheinen. In den USA alleine werden 160 neue Spiele in diesem Finanzjahr erscheinen

.

Ist die PS2 nicht doch ein sterbendes System aus Sicht der Konsumenten? Bisher war es immer so in der Videospieleindstrie, dass alte Systeme umgehend eingemottet wurden, um die Verkäufe des Nachfolger nicht zu gefährden.

Wenn es ein sterbendes System wäre, ständen wir nicht vor dem Problem, dass wir nicht so viel produzieren können, wie wir absetzen könnten. Wir wollen im laufenden Finanzjahr (bis Ende März 2008) zehn Millionen PS2 absetzen. Aber wir haben Schwierigkeiten, die Läden zu beliefern. Früher wurden wirklich die alten Konsolen entsorgt, wenn neue kommen. Das war das alte Businessmodell. Das ist ab jetzt anders.

Die neue tragbare PSP ist leichter und hat einen Videoausgang, sieht aber genau so aus wie die alte. War das nicht etwas wenig Innovation?

Wir wollen nichts Neues nur um des Neuen willens bringen. Das Layout der Spielesteuerung hat sich seit Jahren bewährt. Nach 25 Millionen verkauften Einheiten will man auch nicht, dass sich die Kunden ohne Not völlig umgewöhnen müssen.

Mit 25 Millionen verkauften Einheiten liegt die PSP weit hinter der Nintendo DS mit gut 40 Millionen. Reichen die Änderungen denn jetzt, um das aufzuholen?

Von Beginn an haben wir gesagt, dass die DS nicht unsere direkte Konkurrenz ist. Wir zielen auf eine andere Käuferschicht.

Werden wir bald ein „pPhone“ sehen?

Der Einbau eines Telefons in die PSP wäre sicher möglich. Aber wir konzentrieren uns lieber auf die Unterhaltung. Sollte es einen Unterhaltungs-Effekt geben, für den man ein Telefonteil braucht, dann werden wir es machen. Aber mir fällt da im Moment wirklich absolut nichts ein.

Stichwort Download-Services: Warum hat Apple Sony mal wieder alles weggeschnappt?

Wenn man den Musikdownload nimmt, stimmt das sicher. Aber beim Video-Download ist noch alles offen. Schon heute kann man Videos auf seinen Memory-Stick laden und auf der PSP anschauen. Wir überlegen, was wir bei Musik und Video machen können, um das herauszustreichen, was die PSP zu bieten hat. Denken Sie an den Playstation-Titel „Singstar“, für den man Musik und Videos laden kann, um das Spiel interessanter zu machen. So was ist mehr als nur runterladen und anhören.

Es ist also ein Video-Downloadservice geplant?

Wir denken ernsthaft daran, aber es gibt noch keinen Zeitpunkt, über den man reden könnte. Aber wir haben schließlich schon alles, die Technik, die Hardware, die Inhalte

.

Die Fragen stellte Axel Postinett

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%