Kein Schuldeingeständnis mit Einigung verbunden
Worldcom zahlt Rekordsumme für Tricksereien

Das US-Telekommunikations-Unternehmen Worldcom, das seinen Namen jüngst in MCI geändert hat, wird die Rekordsumme von 500 Mill. $ an geschädigte Aktionäre zahlen. Darauf hat sich MCI nach Informationen des Wall Street Journals mit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) geeinigt. Das wäre die höchste Summe, die je ein Unternehmen in einer Einigung mit der SEC hinblättern musste. MCI hatte seine Bilanzen um insgesamt 11 Mrd. $ aufgeblasen und so Investoren über den wahren Wert des Unternehmens gestäuscht.

NEW YORK. Den Informationen zufolge will die SEC das Geld in einen Fonds für geschädigte Worldcom-Aktionäre einzahlen. Daraus dürften in erster Linie solche Aktionäre entschädigt werde, die Worldcom-Aktien hielten als die Tatsachen über die Bilanzmanipulationen bekannt wurden.

Im vergangenen Jahr hatte bereits der Kopiermaschinen-Hersteller Xerox Corp. 10 Mill. $ zahlen müssen, weil er seine Investoren mit getürkten Bilanzen irregeführt hatte. Der Finanzkonzern Citigroup hatte sich jüngstens mit der SEC im Rahmen einer Einigung mit verschiedenen Wall Street-Firmen zur Zahlung von 400 Mill. $ bereit erklärt – die bisher höchste Summe. Insgesamt werden die Investmentbanken wegen Interessenkonflikten und Irreführung von Investoren 1,4 Mrd. $ zahlen.

Der ehemalige Börsenliebling Worldcom ist neben dem mittlerweile zusammengebrochenen Energiekonzern Enron das prominenteste Beispiel für die Bilanz-Skandale in den USA. Für Aufsehen hatte unter anderem auch der persönliche Kredit von 400 Mill. $ gesorgt, den sich der ehemalige Vorstandschef Bernie Ebbers von seinem Unternehmen geben ließ. Die erste Rate über 25 Mill. $, die am 29. April fällig war, hat Ebbers bisher nicht zurück gezahlt.

Mittlerweile ist die Führungsspitze von Worldcom ausgetauscht und das Unternehmen steht unter Gläubigerschutz. Unter dem neuen Namen MCI versucht die neue Geschäftsführung unter Ex-Compaq-Chef Michael Capellas das Comeback. Noch im September will das Unternehmen wieder ohne Gläubigerschutz operieren. Um sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren hat der Konzern nicht nur den Namen geändert. Auch den Sitz der Zentrale will MCI demnächst von Clinton/Mississippi nach Ashburn im Bundesstaat Virginia verlegen.

Auf Grund seiner Größe ist das Überleben von MCI extrem wichtig für die Kommunikations-Infrastruktur der USA: MCI ist der zweitgrößte Ferngespräche-Anbieter in den USA. Über die Telefon- und Internet-Netze von MCI läuft nicht nur die Datenübertragung vieler Unternehmen. Auch die Kommunikation vieler Regierungsbehörden und des Pentagon läuft über Leitungen von MCI.

Die SEC und Worldcom hatten bereits im November des vergangenen Jahres eine teilweise Einigung erreicht. In den vergangenen Monaten verhandelte der Konzern mit der SEC vor allem über die Höhe der Zahlung, die der Konzern für den Bilanzbetrug leisten muss. Die beiden Seiten müssen nun ihren Einigungsvorschlag dem zuständigen Richter Jed Rakoff vorlegen.

Mit der Einigung wird MCI jedoch voraussichtlich keine Schuld eingestehen oder zurückweisen. Diese Tatsache ist wichtig, da ein Schuldgeständnis es geschädigten Aktionären deutlich leichter machen würde, gegen den Konzern zu klagen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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