Keine Investitionen
Wahlkampf enttäuscht die IT-Manager

Alle versprechen Wirtschaftswachstum, doch niemand fördert innovative IT-Unternehmen, klagen Manager der IT-Branche. Sie sind bisher enttäuscht vom Wahlkampf und fordern von der Politik schnelle Investitionen in neue Technologien. Deutschland könne sonst den Anschluss verlieren.

MÜNCHEN. Die Autohersteller profitieren von der Abwrackprämie, die Baukonzerne von zusätzlichen Aufträgen der öffentlichen Hand. Die IT-Branche hingegen ist im Zuge der Konjunkturpakete weitgehend leer ausgegangen. Doch nicht alleine deshalb sind Industrievertreter sauer. Sie fürchten, dass sie auch künftig von der Politik vernachlässigt werden. "Im Wahlkampf ist IT leider praktisch nicht zur Sprache gekommen", klagt Michael Ganser, Deutschland-Chef des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco.

Es sei völlig unverständlich, dass die Politiker hierzulande sich der IT nicht stärker annehmen, meint Ganser: "Fast alle unsere Probleme lassen sich nur mit Hilfe von neuen Technologien lösen." Das Gesundheitssystem, aber auch Energieversorgung und Verkehr könnten stark profitieren. Wichtigster Schritt sei, in schnelle Internetverbindungen zu investieren. Diese würden dann etwa Telemedizin ermöglichen, mit denen Patienten von ihren Ärzten übers Internet betreut werden. Erste Versuche von deutschen Krankenhäusern auf diesem Gebiet seien sehr erfolgreich.

Ganser steht mit seinen Forderungen nicht alleine da. "Die Politik muss sich dringend Gedanken machen, damit wir den Anschluss in der Welt nicht verlieren", betont Karsten Lereuth, Deutschland-Chef des englischen IT-Dienstleisters BT Global Services. Nach Ansicht vieler Manager der Branche reicht der geplante Ausbau der Netze auf 50 Megabit pro Sekunde längst nicht aus, da andere Länder schon die doppelte Datenrate angehen.

Hart ins Gericht mit den Parteien geht auch der Branchenverband Bitkom. Dabei sind es nicht einmal die fehlenden Investitionen, die den Bitkom ärgern. "Wichtige Themen der digitalen Welt werden vernachlässigt oder gar nicht erst angepackt", hat sich jüngst der Präsident der Interessenvertretung, August-Wilhelm Scheer, beschwert. Das Datenschutzrecht sei veraltet, Internetsperren würden fälschlich als Allheilmittel gegen Computerkriminalität eingesetzt.

Eine Umfrage des Verbands unter Mitgliedern hat ergeben, dass die Firmen vor allem die Bildungspolitik für ungenügend halten. Selbst in der aktuellen Krise sagen ein Viertel der Unternehmen, dass ihnen der Fachkräftemangel zu schaffen macht und ihr Geschäft bremst. "Das ist kein Luxusproblem in Boom-Phasen", so Scheer. Der Bitkom fordert deutschlandweit einheitliche Leistungsmaßstäbe und einen größeren Einfluss des Bundes in der Bildung.

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