AOL beerdigt Web-2.0-Expansion

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Doch dann verschlief AOL den Trend zu schnellen DSL-Anschlüssen. Zudem tummelten sich die Kunden immer öfter im offenen Internet statt im geschlossenen AOL-Inhaltegarten. Erst 2006 wandelte sich AOL in einer Hauruck-Aktion vom geschlossenen Service mit Zugangsgebühr zu einem offenen, werbefinanzierten Inhalteanbieter. Google, Yahoo und Microsoft hatten dieses Feld zu der Zeit jedoch bereits gut bestellt.

Analysten gehen immerhin davon aus, dass das Abschalten des Dienstes in der Firmenbilanz kaum zu Verwerfungen führen würde. Die damalige Mutter Time Warner hat bereits 2008 rund 2,2 Mrd. Dollar auf ihr Investment AOL abgeschrieben. Ein Großteil davon, rechnen die Analysten vor, sei auf Bebo entfallen. Außerdem ist AOL schuldenfrei.

Für die Zukunftshoffnungen von AOL ist Bebo hingegen ein Menetekel. Auch seinen Chat-Dienst, den Messenger ICQ, hat AOL zum Verkauf gestellt. Russische Interessenten wollen angeblich rund 300 Mio. Dollar dafür hinblättern. Dann bliebe allein der Messenger AIM übrig. Doch der verliert Nutzer an Microsoft, Skype und Yahoo.

Armstrongs größte Sorge gilt jedoch seinem alten Arbeitgeber Google. Ein Vertrag über Suchmaschinenwerbung läuft aus. Bislang hat er 300 Mio. Dollar jährlich eingebracht - ein Drittel des Werbeumsatzes. Fraglich ist, ob Google überhaupt noch AOLs Suchmaschine als Werbeträger braucht. Als der Vertrag geschlossen wurde, hatte Google 45 Prozent Marktanteil in den USA, heute sind es über 65 Prozent.

Nicht nur Morningstar-Analyst Witt zweifelt deshalb an den langfristigen Überlebenschancen von AOL. Die Wall Street würde gerne einen starken Partner sehen für das Unternehmen, das an der Börse derzeit keine drei Mrd. Dollar mehr wert ist. Yahoo, selbst im Abwehrkampf gegen Google, wäre der Traumprinz. Yahoo-Chefin Carol Bartz hat indirekt Bereitschaft signalisiert. Jeder Partner sei willkommen, wenn der Preis stimme, bekannte sie öffentlich. Armstrong will noch nicht darüber reden. Schließlich ist er im Dezember 2009 gerade erst wieder an die Börse gegangen. Ausgabepreis waren 23,27 Dollar, am Mittwoch bei Eröffnung des New Yorker Handels lag der Kurs mit 26,39 Dollar leicht über Vortag. Das reicht den Investoren aber sicher nicht.

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