Abschiedsvorstellung von Cinemaxx-Chef Joachim Flebbe: Zum letzten Mal stand der Vorstandsvorsitzende am Donnerstag in Hamburg den Aktionären des Unternehmens Rede und Antwort.
"Das Kino ist gewappnet für die Zukunft". FOTO: dpa
HB HAMBURG. "Der Hauptaktionär wünscht eine neue personelle Führung", teilte Flebbe den Anteilseignern der Cinemaxx AG wehmütig mit. Dennoch müssten sie sich nicht sorgen: Die Kinos seien für die Zukunft gewappnet, sagte der zum 1. Oktober in den Aufsichtsrat wechselnde Manager. Seit 2005 sei es gelungen, Altlasten abzutragen und extreme Kostenersparnisse bei Mieten und im Filmverleih zu erzielen. Das schwache Kinojahr 2007 brachte bei einem Umsatzrückgang von 3,8 Prozent auf 160 Millionen Euro einen Fehlbetrag im Konzern von 5,1 Millionen Euro. Verheißungsvoller entpuppt sich das laufende Geschäftsjahr. Obwohl Flebbe selbst von keiner Erfolgsstory seit 2001 für Multiplex-Kinos sprach, bedankten sich die Aktionäre mit Applaus beim Pionier dieser Großkinos. "Sie brauchen keine Angst zu haben: Ich werde keine lange Sentimentalitäts- und Rechtfertigungsrede halten", sagte Flebbe. Nach 34 Jahren im Filmgeschäft falle ihm der Abschied aber nicht leicht.
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger äußerte Befremden darüber, dass der Großaktionär und Filmrechtehändler Herbert Kloiber "das Herz" von Cinemaxx in Person von Flebbe "herausreiße" - und damit dessen Fachkompetenz, Glaubwürdigkeit und Anerkennung in der Branche. Flebbe selbst ist mit 15,8 Prozent am Unternehmen beteiligt.
Ihn wurmt, dass es die Branche nicht schafft, die Menschen in Deutschland öfter ins Filmtheater zu locken. Statt 2,5 mal wie in Westeuropa ging jeder Einwohner 2007 durchschnittlich nur 1,5 mal ins Lichtspielhaus. Verglichen mit 2001 bedeutet dies ein Fünftel weniger Besucher für Cinemaxx. Abhängig sind die Betreiber vor allem vom Konsumklima, dem Filmangebot und Wetter. In warmen Sommern fehlen Gäste und Umsatz, Kosten bleiben.
"Wir kennen die Stellschrauben", versicherte Flebbes Nachfolger Christian Gisy den Aktionären. Hartnäckig hat sich sein Vorgänger erfolgreich für Mietreduzierungen für die mehr als 30 Multiplexe eingesetzt und muntere Auseinandersetzungen mit Filmverleihern geführt, die ihr Angebot - kaum im Kino - auch schon auf DVD feilbieten. Geht es nach Flebbe, sollen nun die Früchte seiner Arbeit eingefahren werden.
2008 hat für Cinemaxx einen besseren Auftakt genommen als erwartet. Dank des attraktiveren Filmangebots stiegen die Besucherzahlen im 1. Halbjahr, die mit 8,2 Millionen Ende Juni über Plan liegen werden. "Wir hoffen, den Vorsprung bis Jahresende konservieren zu können", sagt Gisy. Um sich dieser Abhängigkeit zu widersetzen, sollen der Internetauftritt ausgebaut und Kinofoyers mit Plasma-Monitoren aufgefrischt werden, um dort mehr Werbeeinnahmen zu erlösen. Auch die Gastronomie-Bereiche stehen auf dem Prüfstand.
Dickere Bretter wird der bisherige Finanzvorstand bei der Digitalisierung der Kinos bohren müssen. "Wir können nicht allein ins Risiko gehen." 20 Millionen Euro Investitionen plus monatlicher Fixkosten von rund 30 000 Euro könne Cinemaxx nicht schultern. Auch hierbei wollen die Kinobetreiber die Filmverleiher stärker ins Boot holen, schließlich könnten sie durch technisch günstigere Übertragungswege für ihre Filme (DVD, Satellit) dann massiv sparen, sagte Flebbe. Durch die dreidimensionale Technik werde es möglich, Spezielles wie Opernverfilmungen anzubieten, wodurch wiederum neue Zielgruppen angelockt werden können, ergänzte er. Wenn sich die Kinos von Filmabspielhäusern zu Veranstaltungszentren entwickelten, wäre dies für ihn das Sahnehäubchen. Als Kinogänger wird Flebbe verfolgen, ob sich seine Vision erfüllt.

