Kinostart
Spielbergs riskantestes Abenteuer

Heute startet die Verfilmung des Comics in Deutschland. Der Film mag sehenswert sein, als Blockbuster sind seine Chancen gering. Wie Experten das Potenzial an der Kinokasse einschätzen.
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DüsseldorfDrei Jahrzehnte hat Stephen Spielberg auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Im Jahr 1983 kaufte er die Filmrechte an der Comicserie Tim und Struppi, kurz nachdem ihr Schöpfer, der Zeichner Belgier Hergé, verstorben war. Erst jetzt bringt Spielberg die Geschichte vom jungen Reporter und seinem Hund auf die Leinwand. „Ich habe zwei, drei Drehbücher entwickelt, mit denen ich nicht glücklich war“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Keins fühlte sich an, als würde es Hergé gerecht werden, also ließ ich die Rechte ruhen und habe mich anderen Filmen gewidmet.“

Die Abenteuer von Tim und Struppi sind für den Regisseur eine persönliche Angelegenheit. Am Donnerstag startet die Verfilmung in den deutschen Kinos. Erste Kritiken sind solide, Spielberg habe die Atmosphäre und die Eigenarten von Hergés Zeichenkunst gut eingefangen, heißt es. Ein Kassenschlager wird der Film wohl dennoch nicht – Beobachter rechnen mit einem ordentlichen, wenn auch nicht spitzenmäßigen Ergebnis. Denn die Fangemeinde ist in die Jahre gekommen, der letzte Band erschien in den siebziger Jahren. Ein großer Teil der umkämpften Kinogänger zwischen 16 bis 29 Jahren ist mit der Comicmarke nicht mehr vertraut. In den USA ist „Tintin“ – so der französische Originaltitel – nahezu unbekannt.

Stephen Spielberg hat sich davon nicht abschrecken lassen. Schon in der Vergangenheit hat Hollywoods berühmter Filmemacher sich nicht nur auf große Blockbuster konzentriert: Immer wieder hat er auch Streifen mit kulturellem Anspruch gemacht. Zu seinen großen Erfolgen gehören zwar Filme wie „Indiana Jones“ und „Jurassic Park“ – Streifen, in die viele Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt strömten, aber mit „Die Farbe Lila“, „Amistad“ und „Schindlers Liste“ machte Spielberg immer wieder auch Filme für Zuschauer jenseits des lukrativen Action- und Spektakelgenres.

Er kann es sich leisten. Sein Vermögen wird auf etwa drei Milliarden Dollar geschätzt. Selbst ein kompletter Flop des 130 Millionen Dollar teuren Films würde ihn und seinen Co_Regisseur Peter Jackson nicht allzu schwer treffen. Mit den Produzenten von Columbia und Paramount haben die beiden zudem die passenden Partner für sein auf mehrere Teile angelegtes Projekt gefunden. Vor allem Michael Lynton, Chef des Filmriesen Sony Pictures, zu dem auch Columbia gehört, gilt als Anhänger von Filmen mit europäischem Flair und intellektuellem Anstrich. Er wurde in Großbritannien geboren, lebte lange in den Niederlanden – und nimmt immer wieder Filme in sein Programm auf, die den Sprung in die Liga der ganz großen Umsatzbringer wohl nicht schaffen werden.

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