Kirch-Pleite
Milliarden-Prozess läuft nur schleppend

Weitere Vernehmungen, wenig Handfestes: Der Kirch-Prozess vor dem Münchner OLG kommt nur langsam voran. Eine Antwort auf die eigentliche Frage steht noch immer aus: Kann die Deutsche Bank etwas für die Kirch-Pleite?
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MünchenDer Kirch-Prozess kommt trotz der Aussagen weiterer prominenter Zeugen nur langsam voran. Der Ausgang des zähen Rechtsstreits um milliardenschweren Schadenersatz von der Deutschen Bank für die Pleite der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 bleibt offen. Der Mitte Juli gestorbene Medienunternehmer Leo Kirch hatte zeitlebens die Deutsche Bank und ihren damaligen Chef Rolf Breuer für den Zusammenbruch seines Konzerns verantwortlich gemacht und die Bank und Breuer mit etlichen Klagen überzogen. Das Verfahren geht auch nach dem Tod Kirchs weiter und dürfte die Gerichte noch Jahre beschäftigen.

Neben dem damaligen Chef der Dresdener Bank, Bernd Fahrholz, sagte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München auch der frühere Risiko- Vorstand der HypoVereinsbank, Stefan Jentzsch aus. Der Manager berichtete über eine Sitzung von Gläubigerbanken am 14. Februar 2002. Auf Einladung der Deutschen Bank besprachen Vertreter verschiedener Geldhäuser den weiteren Umgang mit der Kirch-Gruppe, die bereits in argen finanziellen Nöten war.

Ob Breuer selbst an der Sitzung teilgenommen oder gar versucht hat, die anderen Banken zu einem Vorgehen zu drängen, konnte Jentzsch nicht mehr sagen. Im Reigen der Zeugen, die in dieser Woche bisher vernommen wurden, war Jentzsch aber immerhin der einzige, der bei dem Termin überhaupt dabei war.

Bei dem Treffen sei unter anderem darüber gesprochen worden, wie die Banken mit ihren Sicherheiten umgehen sollten. Kirch hatte im Gegenzug für Kredite verschiedene Teile seines Unternehmens an Banken verpfändet, etwa seine Beteiligung am Springer-Verlag oder an der Formel 1. Im Kern sei es darum gegangen, woher die 800 Millionen Euro kommen sollten, die die Tochter Kirch-Pay-TV bis Ende 2002 noch brauchte. Zu einer Einigung sei es aber nicht gekommen. „Wir sind ohne Ergebnis auseinandergegangen“, sagte Jentzsch. Die Banken hätten am Ende zu unterschiedliche Interessen gehabt.

Am Dienstag hatte bereits der frühere Chef der HypoVereinsbank (HVB), Albrecht Schmidt, über das Treffen ausgesagt, war aber wie der damalige Chef der Dresdner Bank Fahrholz nicht bei dem Termin dabei. Am Nachmittag wurde noch der ehemalige Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann vernommen, der ebenso nicht bei dem Treffen war - und nicht mal wusste, dass es die Sitzung gegeben hatte. Stattdessen war er bei

einer Sitzung von Kirchs Taurus-Holding, wo über die dramatische Finanzlage des Unternehmens gesprochen wurde. Am Donnerstag soll noch der damalige Chef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, vernommen werden. Auch er war nicht bei der Sitzung der Deutschen Bank dabei. Am 14. November soll Verlegerin Friede Springer als Zeugin gehört werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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