Klage von Oracle
Börsianer halten SAP für schuldig

Dass der US-Konzern Oracle dem deutschen Konkurrenten SAP die Marktführerschaft bei Unternehmens-Software neidet, ist bekannt. Nun hat die Rivalität jedoch eine neue Stufe erreicht: Oracle hat SAP vor einem kalifornischen Gericht verklagt. Der Vorwurf: Diebstahl von Betriebsgeheimnissen. Anleger und Analysten glauben, dass da was dran ist.

je/koe/HB PORTLAND/FRANKFURT. In der am Donnerstagabend veröffentlichten Klageschrift schießt Oracle-Chef Larry Ellison aus vollen Rohren gegen den Erzrivalen. Es gehe um „geschäftlichen Diebstahl in großem Stil, begangen von der größten deutschen Software-Firma, einem als SAP bekannten Konglomerat“, behauptet der Schrieb in dem für Ellison typischen aggressiven Stil. Mit der angeblichen Entwendung von Betriebsgeheimnissen habe SAP gegen zahlreiche Gesetze verstoßen, unter anderem gegen den „Federal Computer Fraud and Abuse Act“ und den „California Computer Data Access and Fraud Act“. Zudem beschuldigt Oracle SAP des unfairen Wettbewerbs und der Verschwörung.

SAP, hinter Microsoft der zweitgrößte Software-Konzern der Welt, schweigt zu den massiven Vorwürfen seines Hauptkonkurrenten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde kein Kommentar dazu abgegeben, sagte ein Sprecher am Freitag in Walldorf. Oracle ist der führende US-Anbieter von Datenbank-Software; SAP ist bei Anwendungen im Unternehmensbereich die Nummer eins.

Die Anleger haben sich ihre Meinung in punkto Industriespionage offenbar schon gebildet. Der Kurs der SAP-Aktie sackte am Morgen um 1,5 Prozent ab. Damit war das Papier der zweitschwächste Wert im Dax, nur noch getoppt vom Energiekonzern Eon, dessen Chancen für die Übernahme des spanischen Konkurrenten Endesa schwinden. Auch nach Meinung der Analysten von HSBS klingen die Vorwürfe von Oracle plausibel. Dass die Führungsspitze von SAP von dem Diebstahl etwas gewusst habe, glauben die Banker hingegen nicht. Dennoch würden die Vorwürfe SAP „auf die eine oder andere Art“ schaden.

Illegaler Login

Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, hängt die Klage mit der 2005 von SAP übernommenen US-Firma Tomorrow Now zusammen. Sie hatte Dienstleistungen für die damaligen Kunden von J.D. Edwards und Peoplesoft angeboten, Software-Firmen also, die dann von Oracle gekauft wurden. SAP hatte nach dem Erwerb von Tomorrow Now ein spezielles Angebot an die Kunden von Tomorrow Now unterbreitet, um sie zum Wechsel zu SAP zu bewegen. Oracle behauptet in der Klage, dass Angestellte von Tomorrow Now ihre Einlog-Informationen für den Oracle-Kundendienst genutzt hätten, um illegal Software-Code und andere Betriebsgeheimnisse zu stehlen.

Angeblich entdeckte Oracle Ende vergangenen Jahres, dass verschiedene Log-in-Informationen von Kunden benutzt wurden, um „große Mengen“ an Software- und Kundendienst-Informationen aus dem Oracle-System herunterzuladen. Oracle verfolgte die Spur dieser unerlaubten Aktivitäten angeblich zu SAP-Computern in Bryan, Texas, zurück. Zum Einloggen in das Oracle-Netz wurden angeblich in einem Zeitraum von 15 Tagen die Informationen von sieben Tomorrow-Now-Kunden genutzt, darunter Honeywell International und Merck & Co. Die Klage fordert Schadenersatz in ungenannter Höhe und die Rückgabe von Oracle-Eigentum.

Obwohl SAP, die keine eigene Datenbank-Software anbietet, nach wie vor ein Großkunde für Oracle-Produkte ist, hat sich die Rivalität zwischen beiden Konzernen laufend zugespitzt. SAP dominiert traditionell den Bereich von Anwendungsprogrammen für die Steuerung von großen Unternehmen, wie zum Beispiel Software für Buchhaltung, Lohnabrechnungen, Bestandskontrolle oder Einkauf. In den vergangenen zwei Jahren übernahm Oracle für rund 20 Mrd. Dollar eine ganze Serie von Softwarefirmen, die Anwendungsprogramme bieten. Dazu gehörten unter anderem Peoplesoft, Siebel Systems, Retek und zuletzt Hyperion Solutions. Oracle, so sagen Analysten, verfolgte eine konsequente Konsolidierungsstrategie mit dem Ziel, vom Betriebssystem bis zur Anwendung die gesamte Palette von Software unter einem Dach zu vereinen. Andere Firmen wie IBM oder Hewlett-Packard verfolgen inzwischen ein ähnliches Ziel mit dem Erwerb kleinerer Software-Häuser. Oracle wurde durch die Akquisitionsfeldzüge zum schärfsten SAP-Konkurrenten bei professionellen Anwendungen.

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