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25.05.2007 
SAP

Klare Handschrift

von Michael Kroker, Wirtschaftswoche

Beim Software-Riesen SAP beginnt das große Aufräumen. Der charismatische Technikvorstand Shai Agassi hat mit seinem Rücktritt eine Vielzahl von Baustellen hinterlassen. Jetzt greift Unternehmensgründer Hasso Plattner wieder selbst ein.

Der charismatische Jungmanager Agassi bestach durch Visionen - und scheiterte an ihrer Umsetzung. Foto: ArchivLupe

Der charismatische Jungmanager Agassi bestach durch Visionen - und scheiterte an ihrer Umsetzung. Foto: Archiv

DÜSSELDORF. Shai Agassi plagen Phantomschmerzen. Ende März amputierte sich der Produkt- und Technikchef des Walldorfer Software-Riesen SAP selbst - indem er völlig unerwartet zurücktrat. Jetzt, kurz bevor sich der Konzern diese Woche in Wien auf seiner alljährlichen Kundenmesse Sapphire feiert, fühlt sich der Abtrünnige noch immer so, als wäre er seinen Posten nicht los.

„Das wird die erste Sapphire seit 1999 sein, an der ich nicht teilnehme“, schreibt Agassi beinahe wehmütig in seinem Internet-Tagebuch. Dann schildert er seitenlang, welche Strategie der Konzern aus dem Badischen künftig einschlagen solle. Das alles überschreibt Agassi mit dem Titel: "Die fehlende Sapphire-Präsentation." Eine Abrechnung mit den Zurückgebliebenen liest sich zwar anders. Doch zwischen Zeilen des heute 39-Jährigen klingt durch, dass der einst als Software-Wunderkind Bejubelte seinen Job nicht so freiwillig quittierte, wie SAP es offiziell verkündete.

Denn hinter den Kulissen rumort es bei den Walldorfern. Immer deutlicher treten die Baustellen zutage, die der charismatische Chefvisionär Agassi hinterlassen hat. Immer klarer zeichnet sich ab, dass bei dem eigentlich unangetasteten Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware nun die Zeit des Aufräumens begonnen hat. Zu den Schwachstellen zählen etwa diverse Komponenten eines fürs künftige Geschäft zentralen Produkts, der Software-Plattform Netweaver. Darüber hinaus hakt es auch bei vermeintlichen Routinejobs, etwa die Kundenmanagementsoftware auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen.

Die Schwachstellen sind so groß, dass neben Vorstandschef Henning Kagermann, der nun der kompletten Entwicklungsorganisation vorsteht, auch SAP-Mitgründer Hasso Plattner wieder mit ran muss: Plattner, gleichzeitig Aufsichtsratschef des Unternehmens, will sich höchstpersönlich um einige stockende Projekte kümmern und hat intern bereits angekündigt, das gesamte Produktportfolio der SAP unter die Lupe zu nehmen. Eine Rückkehr ins Tagesgeschäft, die nicht nur wegen der Wutanfälle für Unruhe sorgt, für die Plattner bekannt ist. "Dass sich der Aufsichtsratschef persönlich um solche Dinge kümmert, ist doch zumindest seltsam", heißt es im Unternehmen.

Nach außen hält Plattner dagegen bis heute die Fassade eines reibungslosen Übergangs hoch. Geschickt hatte er den Ausstieg seines Ziehsohns Agassi Ende März auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz heruntergespielt. Agassi bleibe sein persönlicher Berater. "Er behält auch das Büro neben meinem in Palo Alto", ließ Plattner wissen. Das klang so glaubwürdig, dass die Mehrheit der IT-Szene ihm das abnahm. "Bei den meisten Unternehmen hätte der Abgang einer derart charismatischen Führungsfigur ein Machtvakuum hinterlassen", sagt Joshua Greenbaum, Analyst des auf Unternehmenssoftware spezialisierten US-Marktforschers Enterprise Applications Consulting. "Bei SAP verspürt man dagegen kein großes Verlustgefühl."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Trauer über Agassis Abgang hält sich in Grenzen.

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