Klarer Sieg für die Big Boys: Ellen Pao verliert gegen Kleiner Perkins

Klarer Sieg für die Big Boys
Ellen Pao verliert gegen Kleiner Perkins

Ellen Pao hat ihren Doktor in Jura an der Harvard Law School gemacht. Die ex-Junior-Partnerin einer Investmentfirma wusste, auf was sie sich einließ, als sie Klage wegen Diskriminierung einreichte. Nun hat sie verloren.
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San FranciscoEllen Pao hat auf ganzer Linie verloren. Die frühere Junior-Partnerin bei der Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers ist mit ihrer Klage wegen Geschlechterdiskriminierung vor Gericht unterlegen. In allen Anklagepunkten befand die Jury in San Francisco Kleiner Perkins, einer der mächtigsten Kapitalanleger im Valley, für nicht schuldig im Sinne der Anklage. Das erspart einem der reichsten Unternehmen der Welt eine stattliche Strafzahlung in Millionenhöhe.

Doch trotzdem steht eines fest: Auch wenn es nicht zum großen Zahltag für die heutige Interims-Chefin des Start-Ups Reddit gekommen ist, der wahre Verlierer heißt Kleiner Perkins. Das Verfahren gab einen tiefen Einblick in eine Welt aus unglaublich viel Geld, schierer Machtfülle, Verbindungen in die höchsten Kreise, beschämenden Details und … Männern. Das Magazin Forbes hat einmal nachgerechnet und im Ergebnis sind von 542 Investoren auf „Partner“-Niveau bei den mächtigsten Firmen der Branche gerade einmal 23 weiblich. Das sind magere 4,2 Prozent und stellt damit selbst das Silicon Valley insgesamt in den Schatten. Firmen wie Google räumen freimütig ein, ein echtes Frauenproblem zu haben. Aber verglichen mit der Supermacht der Risikokapitalgeber ist der Anteil von Frauen in der Google-Führungsetage mit 21 Prozent schon gigantisch.

Die Verteidigungsstrategie vom Big Boy-Club Kleiner Perkins passt in dieses Bild. Die Anschuldigungen wurden größtenteils schlicht als unwahr zurückgewiesen. Die Junior-Partnerin habe einfach nur nicht das Leistungsprofil erfüllt und wollte nur noch nach ihrer Entlassung „einen großen Zahltag“ 'rausschinden. Da fragt man sich unwillkürlich: Wenn das so ist, also nur die Leistung zählt, warum gibt es dann nicht jede Menge andere, fähige, Mitglieder aus dem Geschlecht, das 50 Prozent der Weltbevölkerung stellt, in der Führungsetage des Unternehmens? Eine Branche immer auf der Jagd nach den besten Talenten, die man für Geld kaufen kann und es gibt einfach keine Frauen. Drei andere Junior-Partner aus Paos Jahrgang haben es übrigens in den Senior-Status geschafft. Alles Männer.

„Die Zahl der Frauen im Venture-Capital ist erbärmlich“. Das hat niemand anderes als John Doerr, graue Eminenz des Risikokapitalmarktes im Silicon Valley und Senior Partner bei Kleiner Perkins, im Zeugenstand ausgesagt.

Im Fall Ellen Pao ist das nach Meinung der Mehrheit der Geschworenen kein Ergebnis von Diskriminierung. Das mag so gewesen sein. Aber das Thema ist jetzt auf der Tagesordnung und wartet auf eine Antwort. Oder wie Ellen Pao es nach dem Urteil ausdrückte: „Es war den Kampf wert“. Kleiner Perkins sieht das ähnlich und feiert in einem Statement, dass nun endlich klar sei, dass die Anschuldigungen „völlig unbegründet“ waren. Man werde weiter „Frauen innerhalb der Firma fördern und innerhalb der Branche.“

Das hört man gerne. Der Erfolg sollte sich an einfachen Zahlen ja dann schnell ablesen lassen. Das ganze Silicon Valley wartet jetzt darauf.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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