Klatten fordert Schadensersatz von Haffa-Brüdern
EM.TV denkt wieder über Zukäufe nach

Das Medienunternehmen EM.TV hat die Talsohle erfolgreich durchschritten und schreibt im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen. Vor allem Sondereffekte verbessern die Bilanz

HB MÜNCHEN. Nach einer jahrelangen Schrumpfkur sieht sich die Firma auch operativ wieder auf dem Weg der Besserung. Im zweiten Quartal verbuchten die Münchner einen deutlichen Umsatzanstieg. Für das laufende Jahr konkretisierte EM.TV am Donnerstag seine Geschäftsziele.

Bereinigt um die hohen Restrukturierungsgewinne werde EM.TV 2004 bei einem positiven Verlauf des zweiten Halbjahres einen Gewinn nach Steuern im mittleren zweistelligen Millionenbereich ausweisen, kündigte das Unternehmen an. Der Umsatz werde über die Marke von 200 Mill. Euro klettern. „Auch wenn der hohe Konzerngewinn des ersten Halbjahres durch positive Sondereffekte geprägt ist, so ist der Aufwärtstrend in der Ergebnisentwicklung unverkennbar“, erklärte EM.TV-Chef Werner Klatten. Zukäufe könne sich das Unternehmen derzeit „gut vorstellen“.

Der Aktienkurs der im Kleinwertsegment S-Dax gelisteten Gesellschaft schoss im Vormittagshandel um 14,7 Prozent auf 2,45 Euro nach oben.

Kaum vergleichbar

Die EM.TV-Geschäftszahlen des ersten Halbjahres sind kaum mit denen des Vorjahreszeitraums vergleichbar, weil das Unternehmen unter anderem Beteiligungen verkauft und mittlerweile seine Struktur weitgehend verändert hat. Im Zeitraum von Januar bis Juni verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von 106,6 (Vorjahresperiode: 104,6) Mill. Euro. Von den Erlösen fielen 86 % auf den Bereich Sport, der Rest auf das Segment Kinder- und Jugendprogramme. Im zweiten Quartal steigerte EM.TV den Umsatz im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 24 %.

Unter dem Strich verdiente EM.TV im ersten Halbjahr 135,8 (minus 57,4) Mill. Euro. Hierin enthalten war ein bereits im Auftaktquartal verbuchter Sondergewinn aus der Restrukturierung der Wandelanleihe in Höhe von 94,4 Mill. Euro. Bereinigt um diesen Effekt lag der Überschuss bei 41,4 Mill. Euro. Doch auch in der Periode von April bis Juni verzerrten Einmaleffekte das Ergebnis nach oben. So vereinbarte EM.TV mit Kirch Media die Übernahme der restlichen 50 % an der Gemeinschaftsfirma Junior.TV und einigte sich im Zuge dessen auch über gegenseitige finanzielle Forderungen im Zusammenhang mit dem jeweiligen Rechtebeständen. Dies schlug sich auf den operativen Gewinn (Ebitda) von EM.TV mit 48,2 Mill. Euro positiv nieder. Einem Sprecher zufolge entfielen hiervon rund 31 Mill. Euro auf Zuschreibungen auf immaterielle Firmenwerte. Bereinigt man letztere, dürfte sich der Konzernüberschuss lediglich noch im einstelligen Millionenbereich bewegen. Zuschreibungen auf immaterielle Firmenwerte entstehen etwa, wenn eine Beteiligung zu einem Preis erworbenen wird, der unter dem Vermögenswert liegt (so genannter „Badwill“).

Mit einem Aktienkurs von über 120 Euro galt EM.TV in den besten Zeiten des Neuen Marktes als Liebling der Anleger. Mit einer Gewinnwarnung Ende 2000 nahm dann der Absturz des von Thomas und Florian Haffa gegründeten Unternehmens seinen Anfang, das viel zu schnell und unkontrolliert expandiert war.

Mittlerweile hat der neue Vorstandschef Werner Klatten die zeitweilig von der Insolvenz bedrohte Firma gesund geschrumpft. Dennoch kommt EM.TV nicht zur Ruhe: Klatten fordert von den Haffas sowie weiteren ehemaligen Führungskräften insgesamt 136 Mill. Euro Schadensersatz. Diese haben solche Ansprüche bislang strikt zurückgewiesen.

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