Kleinaktionäre kritisierten heftig die Verschmelzung mit der Telekom
Polizei rückte zur T-Online-Hauptversammlung an

Die Proteste der Kleinaktionäre von T-Online gegen die Verschmelzung des Internet-Anbieters mit der Mutter Telekom hat auch am zweiten Tag der Hauptversammlung angehalten.

HB HANNOVER. Das Häufchen der Streiter war am Freitag auf hundert geschmolzen. Die Debatte in der Tui-Arena in Hannover hatte am Vortag zwölf Stunden gedauert und wurde dann auf Freitag vertagt. Das war zu viel für die meisten. Doch die wenigen verbliebenen Aktionäre wurden nicht müde, die nach ihrer Ansicht gravierenden Nachteile der Verschmelzung für sie als Anteilseigner aufzuzeigen und sich über das Bar- und Umtauschangebot der Telekom zu beschweren.

Mehrfach musste T-Online-Aufsichtsratschef und Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Redner am Pult zum Beenden ihrer Redebeiträge auffordern und Zwischenrufer zur Disziplin mahnen. Ein Aktionär ließ sich sogar nur noch mittels der Polizei vom Rednerpult wegbewegen.

Nach weit über einer Stunde Redezeit forderte Ricke den Aktionär Martin Helfrich mehrfach auf, seine Rede zu beenden. Doch Helfrich ignorierte die Anweisung des Sitzungsleiters und setzte seine Kritik an der Verschmelzung von T-Online auf den Mutterkonzern Deutsche Telekom munter fort. "Im Interesse des ordnungsgemäßen Verlaufs der Hauptversammlung muss ich ihnen das Wort entziehen", sagte Ricke daraufhin und ließ das Mikrofon ausschalten.

"Darf ich sie jetzt bitten, das Pult zu verlassen", forderte Ricke den Aktionär auf. Doch Helfrich redete unbeirrt weiter, auch wenn sein Beitrag kaum noch zu hören war. Auch die Drohung Rickes, ihn von der Polizei der Halle verweisen zu lassen, beeindruckte ihn nicht. Bevor ihn die dann in die Halle gekommenen Beamten - die er zuerst nach ihren Namen fragte - mit nach draußen nahmen, vergewisserte sich Helfrich noch, ob zum einen seine Beschwerde, zum anderen die Abführung durch die niedersächsische Polizei auch protokolliert würden.

Nicht nur mit Worten, auch visuell hatte er seinem Unmut zuvor Luft gemacht. „TOP 9 Nein Danke“ war auf einem Schild zu lesen, das er über das Rednerpult hing und das auf die Beschlussfassung zur Verschmelzung verwies.

Im Anschluss an die Generaldebatte wird über die einzelnen Tagesordnungspunkte abgestimmt werden. Dann müssen sich die Aktionäre unter anderem entscheiden, ob sie der Verschmelzung von T-Online auf die Deutsche Telekom zustimmen. Da die Telekom über 90 Prozent der T-Online-Aktien verfügt, ist die Zustimmung sicher.

Einige Aktionäre gaben jedoch Widerspruch zu Protokoll und schafften damit eine Voraussetzung, innerhalb von vier Wochen eine Anfechtungsklage einzureichen. Mit Listen von teilweise über 100 Fragen bohrten die Kleinaktionäre beim Vorstand nach, um Munition zu erhalten. Experten räumen solchen Klagen jedoch keine großen Erfolgschancen ein, wenn keine klaren Formfehler vorliegen.

Ebenfalls zur Abstimmung kommt die geplante Dividende von vier Cent je Aktie, die einige Anteilseigner angesichts der guten Geschäftsentwicklung von T-Online ebenfalls als zu niedrig erachten.

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