Kleine Programme
Der große Siegeszug der „Apps“

Kleine Programme für mobile Geräte revolutionieren das Netz. Mit so genannten Apps haben kleine Software-Schmieden etwas geschaffen, was Experten bisher für schwierig umsetzbar hielten: Die Nutzer zahlen für Internet-Dienste. Die etablierten Anbieter wittern bereits ein Geschäft.
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Still und beinahe unbemerkt haben sie eine kleine Revolution ausgelöst: Mit den sogenannten Apps hält ein Geschäftsmodell im Netz Einzug, das erstmals eine Kapitalisierung des Internets möglich macht. Immer mehr Nutzer laden sich die kleinen Programme auf ihr Smartphone oder Handy und zahlen dafür Minibeträge. Aktuellstes Beispiel: Gestern präsentierte der Springer-Verlag seine Apps für die Printprodukte. Der Verlag will künftig für das Programm und die Inhalte Geld verlangen.

"Die Apps haben etwas erreicht, was das Internet bisher nicht vermocht hat: Die Bereitschaft, für Services und Inhalte zu zahlen, steigt", sagt Nikolaus Mohr, Partner für den Bereich Medien und Unterhaltung bei der Beratungsgesellschaft Accenture: "Das gilt im Privatbereich für Mikropayments, also Apps, die nur wenig kosten. Im Business-Bereich kann man dagegen weitaus mehr verlangen."

In den in Sachen IT und Internet stets schnell zu begeisternden USA sind mit Apps innerhalb kürzester Zeit Hunderte neuer Firmen entstanden. Experten sprechen bereits von einer Apps-Ökonomie. Auch hierzulande bescheinigen Experten den kleinen Programmen große Wirkung, wenngleich man vor überzogener Euphorie warnt: "Ich würde nicht so weit gehen, von einer komplett neuen Apps-Ökonomie zu reden. Aber was da passiert, wird einiges verändern", sagt Mohr. Gerade für junge Firmen sind die Apps ein idealer Nährboden. Zum einen ist die Entwicklung recht einfach und schnell zu bewerkstelligen. Zum anderen kostet die Vermarktung wenig, ist diese über Plattformen wie den App-Store von Apple oder Blackberry doch häufig ein Selbstläufer. Der begrenzte finanzielle Aufwand wiederum trägt dazu bei, dass die Start-ups recht schnell profitabel sind.

Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Firma Zynga. Die kleine Softwareschmiede entwickelt Spiele für soziale Netzwerke wie Facebook. Ihr App "Farmville" ist heute eines der populärsten Spiele im Internet und auf dem iPhone. Rund 60 Mio. Nutzer weltweit spielten es im vergangenen Monat an ihren Computern und Smartphones. Sie bewirtschaften eine virtuelle Farm, sammeln sogenannte Creditpoints und arbeiten sich von einem Level zum nächsten. Zynga beschäftigt inzwischen 30 Mitarbeiter und stellt das Onlinespiel kostenlos zur Verfügung. Erlöse erzielt das mittlerweile profitable Start-up mit dem Verkauf von virtuellem Geld.

Noch bestimmen solche Unterhaltungs- und zuweilen auch recht nutzlos wirkenden Apps das Leben auf den Smartphones. Doch Experten glauben, dass ein sehr großes Potenzial künftig in professionellen Anwendungen liegt, etwa dem mobilen Zugriff auf Firmensoftware. Hier locken zudem weitaus höhere Margen, weil auch mehr Geld verlangt werden kann.

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