0 Bewertungen
22.10.2007 
Tele München Gruppe

Kloiber übernimmt Sender ATV in Österreich

von H.-P. Siebenhaar

Die Tele München Gruppe des Medienunternehmers Herbert Kloiber übernimmt den österreichischen Privatfernsehsender ATV. Der überschaubare TV-Markt des Alpenlandes ist schwierig, aber lukrativ. In zwei Jahren soll der Wiener Kanal in die Gewinnzone kommen.

Medienunternehmer Herbert Kloiber kann sich die Übernahme leisten. Sein Medienkonzern verzeichnet Rekordergebnisse. Foto: apLupe

Medienunternehmer Herbert Kloiber kann sich die Übernahme leisten. Sein Medienkonzern verzeichnet Rekordergebnisse. Foto: ap

DÜSSELDORF. Tele München Gruppe hat von der früheren Wiener Gewerkschaftsbank Bawag 42 Prozent der Anteile des österreichischen Privatfernsehsenders ATV erworben und hält nun rund 97 Prozent an dem Verlustbringer. Die restlichen Anteile halten weiter der Versicherungskonzern Generali und die Wiener Erste Bank.

Über den genauen Kaufpreis für ATV wurde zwischen den Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. „Es war ein niedriger zweistelliger Millionen-Euro-Betrag. Der ATV-Anteil war nicht geschenkt, aber es hat auch nicht unser Portemonnaie gesprengt“, sagte Kloiber dem Handelsblatt. Die Bawag sollen nach Angaben aus Medienkreisen in Österreich ursprünglich zwischen 50 und 100 Mill. Euro gefordert haben. Bawag-Eigner Cerberus und Kloiber hatten bereits seit Januar verhandelt. Die Bawag wurde vor zehn Monaten von der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Cerberus übernommen. Bislang war die frühere Wiener Gewerkschaftsbank zweitgrößter Aktionär bei ATV.

Cerberus hatte bereits vor Monaten angekündigt, sich von allen Beteiligungen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Dazu gehören neben ATV beispielsweise auch die Klavierfabrik Bösendorfer, für die sich der japanische Konzern Yamaha interessieren soll. Das berichten Branchenkreise in Wien.

ATV ist für den öffentlich-rechtlichen Sender ORF in der Alpenrepublik der größte Konkurrent. Der Sender ging im Januar 2000 erstmals auf Sendung und schreibt seitdem rote Zahlen. „Ich erwarte in diesem Jahr einen Verlust von unter 20 Mill. Euro“, sagte Kloiber nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags. Doch die Gewinnzone rückt allmählich in greifbare Nähe. Kloiber rechnet damit „in zwei Jahren“.

Die Umsatzentwicklung bei dem kleinen Wiener Sender ist weiterhin positiv. „In diesem Jahr wird der Umsatz auf knapp 50 Mill. Euro steigen.“ Die Erlöse lagen im Vorjahr nach Unternehmensangaben noch bei knapp 32 Mill. Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der österreichische TV-Markt ist hart umkämpft.

Um gegenüber deutschen Sendern und dem österreichischen Staatsfernsehen ORF eigenes Profil zu gewinnen, setzt der Sender auch auf eigene Produktionen. So zeigte ATV „Bauer sucht Frau“ und „Tausche Familie“. Auch die Erstausstrahlung von „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ lief auf ATV. Mit einzelnen Produktionen erreicht ATV Marktanteile im zweistelligen Bereich in der Zielgruppe der unter 50-Jährigen.

Erst kürzlich erzielte ATV mit der Übertragung des Fußball-Länderspiels Österreich gegen die Schweiz mit mehr als 17 Prozent die zweithöchste Zuschauerquote in seiner Geschichte. Außerdem lockt ATV mit der Übertragung der deutschen Fußball-Bundesliga viele Zuschauer an. Im Schnitt sehen 3,6 Prozent der österreichischen Zuschauer das Programm von ATV. Im Jahresdurchschnitt liegt ATV in Österreich im Vergleich zu anderen werbefinanzierten Sendern vor Kabel 1 und RTL 2 aber hinter Pro Sieben, RTL, Sat 1 und Vox.

Die Übernahme von ATV kann sich der gebürtige Wiener Kloiber leisten. Die hohe Nachfrage der Fernsehsender nach Filmen und Serien sorgen beim Medienkonzern Tele-München-Gruppe für ein Rekordergebnis. Der Umsatz stieg nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf 267 Mill. Euro. Das vorläufige Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2006 betrug 36 Mill. Euro.

Der überschaubare TV-Markt in Österreich ist schwierig, aber lukrativ und deshalb hart umkämpft. Erst im Juli kaufte der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 den kleinen Wiener Sender Puls TV. Der Kanal ist bisher nur im Wiener Großraum frei empfangbar. Puls TV ist seit vielen Jahren ein enger Partner von Pro Sieben Sat 1. Mit der Übernahme will die Münchener Sendergruppe ihre Reichweite im österreichischen Fernsehmarkt ausbauen. Auch der frühere RTL2-Chef Josef Andorfer und der Münchener Verleger Hubert Burda steigen mit einem eigenen Digitalsender in den österreichischen Fernsehmarkt ein.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterTechnologie

Nokia will das Internet neu definieren  Artikel in Merkliste

02.12.2008Nokia will mit dem N 97 neue Märkte erobern. Foto: Reuters

Die einst so wachstumsstarke Mobilfunk- und Handybranche stellt sich erstmals seit 2001 wieder auf magerere Zeiten ein – und sucht nach neuen Einnahmequellen. Der Branchenprimus Nokia baut auf das Internet und weitet sein Produktsortiment mit einem neuen Alleskönner aus: dem N 97. Artikel


Anzeige